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Hilfsorganisation:Ex-Oxfam-Managerin: Männer forderten Sex als Gegenleistung für Hilfe

A sign is seen above a branch of Oxfam, in central London

Die Hilfsorganisation Oxfam gerät zunehmend in Bedrängnis.

(Foto: REUTERS)

Gegen Mitarbeiter der Hilfsorganisation werden immer neue Vorwürfe laut - Oxfam räumt bereits ein, nicht in allen Fällen angemessen reagiert zu haben.

Die Hilfsorganisation Oxfam gerät immer stärker unter Druck. Mitarbeiter sollen Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben - als Gegenleistung für Unterstützung in Notsituationen. Das sagte eine ehemalige Oxfam-Topmanagerin jetzt dem britischen Fernsehsender Channel 4. Allein sie habe von drei Fällen sexuellen Fehlverhaltens binnen 24 Stunden gehört, schilderte Helen Evans in dem Bericht. Dabei sei in zwei Fällen die Not der Frauen ausgenutzt worden. Evans kritisierte auf Twitter, dass Oxfam solchen Vorfällen ungenügend nachgegangen sei.

"Die Vorfälle sexuellen Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern sind unentschuldbar und beschämend", teilte die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, mit. "Es ist nicht zuletzt ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen, die Oxfam mit Geld, Zeit oder Sachspenden unterstützen." Das Vertrauen sei durch "Fehlverhalten einiger weniger" massiv beschädigt worden.

Zunächst waren Berichte über das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter beim Einsatz nach einem Erdbeben im Jahr 2010 publik geworden. Die Männer sollen in einer von der Organisation gemieteten Villa Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet haben. "Haiti war kein isolierter Vorfall", schrieb Evans dazu auf Twitter. Zu ihren Aufgaben hatte von 2012 bis 2015 auch der Schutz vor sexueller Ausbeutung gehört. Eine interne Umfrage in einigen Ländern hatte ihren Angaben zufolge ergeben, dass einer von zehn Mitarbeitern selbst Opfer sexuellen Fehlverhaltens wurde oder solche Belästigungen und Übergriffe zumindest beobachtet habe. Oxfam-Chef Mark Goldring entschuldigte sich bei Evans, nicht schnell genug auf ihre Hinweise reagiert zu haben.

Oxfam ist ein internationaler Zusammenschluss von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und hat seinen Sitz in Oxford. Missbrauch soll angeblich auch in Oxfam-Shops stattgefunden haben. Britische Zeitungen nannten dafür aber keine eindeutige Quelle. In den Secondhand-Läden verkaufen ehrenamtliche Teams Sachspenden.

Die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, forderte die Hilfsorganisation auf, nun moralische Führerschaft zu demonstrieren. Das Vertrauen in die Organisation müsse wiederhergestellt werden, sonst könnten Regierungsgelder zur Unterstützung gekappt werden.

Die britische Vizechefin von Oxfam, Penny Lawrence, ist bereits zurückgetreten. Sie übernahm damit die "volle Verantwortung" für das Verhalten von Mitarbeitern in der Karibik und in Afrika, auf das nicht angemessen reagiert worden sei. Als Lawrence 2006 zu der Organisation in Großbritannien stieß, war sie als Programmdirektorin für Teams in Dutzenden Ländern zuständig gewesen.

© SZ.de/dpa/ick/feko

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