Grubenunglück in Chile:Kalter Entzug in 700 Metern Tiefe

Lesezeit: 1 min

Die eingeschlossenen Bergleute in Chile konnten ein erstes Mal mit ihren Familien sprechen. Trotzdem ist die Stimmung schlecht: Einige der Kumpel haben Alkoholprobleme - und sitzen jetzt auf dem Trockenen.

Sie sitzen in 700 Metern Tiefe fest - und auf dem Trockenen: Einige der 33 eingeschlossenen chilenischen Bergleute leiden an Alkoholentzug. Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Mañalich der spanischen Zeitung El País berichtete, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. "Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen", sagte der Minister.

Chilenische Kumpel sprechen erstmals mit Angehörigen

Dürsten nach einem Schluck Wein: Die eingeschlossenen chilenischen Kumpel.

(Foto: dpa)

"Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet," so der Minister. Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastián Piñera um ein "Gläschen Wein" gebeten, weil sie den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten.

Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen. Wie El País berichtete, sind unter den Bergleuten auch einige Alkoholiker und Drogenabhängige. Bisher habe der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben der Bergleute.

Erster Kontakt zu den Familien

Ein wenig Trost dürften den Männern jedoch die ersten Gespräche mit ihren Angehörigen vermittelt haben. Die Behörden ließen dafür en Telefonkabel durch eine der Versorgungsröhren in die Tiefe herab. Bei den Gesprächen mit den Angehörigen spielten sich bewegende Szenen ab. So schlug der Bergarbeiter Esteban Rojas seiner Frau Jessica Yáñez die kirchliche Heirat vor, nachdem beide vor 25 Jahren nur standesamtlich geheiratet hatten. Sie sagte "Ja".

Die Angehörigen waren tief gerührt und sehr erleichtert darüber, dass es den Verschütteten vergleichsweise gut geht. Jeder von ihnen hatte nur wenige Augenblicke Zeit für ein Gespräch, da nur eine Leitung zur Verfügung stand. Die meisten Angehörigen campieren über der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste in einem Zeltlager, das sie "Esperanza" (Hoffnung) getauft haben. Die Bergleute stecken seit dem 5. August unter Tage fest.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema