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Großbritannien:"Du wirst nicht die Letzte sein"

Nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichts im August 2014 bestritten weite Teile des Stadtrats die Ergebnisse. Dass es 1400 Opfer gebe, sei vollkommen übertrieben. Dennoch trat der Vorsitzende des Stadtrats zurück. Sein Kollege Shaun Wright, der im Rat für die Polizei zuständig war und vormals für Kinder und Jugendliche, sah jedoch keinen Grund für einen Rücktritt. Er blieb im Amt, obwohl selbst Premierminister David Cameron forderte, er müsse gehen. Erst einige Wochen später trat Wright widerwillig von seinem Posten zurück.

Die britische Regierung schickte die Sondergesandte Louise Casey in die Stadt. Im Februar dieses Jahres bestätigte sie die Ergebnisse des Berichts der Sozialforscherin Jay und stellte fest, der Stadtrat sei nicht dazu befähigt, seine Aufgaben wahrzunehmen und dagegen durchweg bestrebt gewesen, seinen eigenen Ruf zu schützen - und nicht die verletzlichsten Einwohner der Stadt. Der Stadtrat trat geschlossen zurück, die Verwaltung wurde an kommissarische Vertreter aus London übergeben.

Der Prozess ist auf mindestens sieben Wochen angesetzt

Die Banden gingen stets nach dem gleichen Muster vor. Die Mädchen - das jüngste erst elf Jahre alt - wurden von den jüngeren Gang-Mitgliedern mit Geschenken umgarnt, mit Drogen und Alkohol und oft auch mit dem Versprechen echter Liebe. Nach einigen Wochen begann die Gewalt, die Mädchen wurden geschlagen, sexuell missbraucht, älteren Männern zugeführt und zur Prostitution gezwungen. Die meisten Opfer kamen aus sozial zerrütteten Verhältnissen, ein Drittel lebte in staatlicher Fürsorge. Doch die Sozialdienste boten ihnen keinen Schutz.

Die Täter sorgten dafür, dass die Mädchen den Kontakt zu ihren Familien verloren und in ihrer Schutzlosigkeit keine Alternative zu ihren Peinigern sahen. Wer sich widersetzte, wurde geschlagen, manche Opfer sollen mit Benzin übergossen worden sein. Die Drohung: Wer nicht spurt, wird bei lebendigem Leib verbrannt. Ein Mädchen erzählt in dem Untersuchungsbericht, dass es dennoch zur Polizei ging. Dort habe es geheißen: "Mach dir keine Sorgen. Du bist nicht die Erste, die von XX vergewaltigt worden ist, und du wirst auch nicht die Letzte sein."

Im nun beginnenden Prozess in Sheffield geht es nur um einen kleinen Teil dieser monströsen Verbrechen. Er ist auf mindestens sieben Wochen angesetzt.

© SZ vom 08.12.2015/fued
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