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Großbritannien leidet unter Dürre:Wasserwerke drehen Hobbygärtnern den Hahn zu

Der englische Rasen in Gefahr? Seit zwei Jahren regnet es in Großbritannien zu wenig, der vergangene Winter war in Teilen des Landes der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Nun soll die Bevölkerung zum Wassersparen gezwungen werden - als Erstes werden Millionen Hobbygärtner aufs Trockene gesetzt.

Was dem Deutschen sein Auto ist, ist dem Briten sein Rasen, so zumindest das Klischee. Die Inselbewohner sind berühmt für ihre saftig grünen, akkurat geschnittenen Grünflächen. Bei der Pflege unterscheiden sich der deutsche und der englische Stolz nicht mal so sehr: Damit der Flitzer blitzt und das Gras leuchtet, braucht es Wasser. Das jedoch wird jetzt knapp in dem Land, das doch eigentlich als eines der verregnetsten überhaupt gilt.

Gartenschlauch

Dürre Zeiten: Aus den Hähnen in Küche und Bad wird es auch weiterhin sprudeln, doch die Rasenbewässerung via Gartenschlauch soll in Teilen Großbritanniens demnächst verboten werden.

(Foto: iStock)

Damit die Insel nicht bald auf dem Trockenen sitzt, greifen die britischen Wasserwerke nun hart durch - und drehen Dutzenden Hobbygärtnern den Hahn zu. "Gartenschlauch-Verbot für Millionen: Auf ein Drittel aller Haushalte im Land kommen in wenigen Wochen Restriktionen zu", titelte die Daily Mail jüngst.

Dem Blatt zufolge hat es vor allem im Süden und Osten des Landes in den vergangenen zwei Jahren zu wenig geregnet. In manchen Regionen sei zudem der ausklingende Winter der trockenste seit Beginn der Niederschlagsaufzeichnungen gewesen. In 14 Bezirken herrscht nach Angaben der Daily Mail aktuell offiziell eine Dürre. Deshalb soll nun Wasser gespart werden: "Wir können nicht dafür sorgen, dass es regnet, aber wir können unseren Teil dazu beitragen, dass etwas weniger Wasser verbraucht wird", zitiert das Blatt einen Sprecher von Thames Water.

"Der Wasserbedarf nimmt zu"

Doch nicht nur auf der Insel ist Wasser zu einem kostbaren Gut geworden. Der weltweite Bevölkerungsanstieg und damit einhergehende Nahrungs- und Energiebedarf bedrohen ebenso wie der Klimawandel die weltweiten Trinkwasser-Ressourcen. "Der Wasserbedarf nimmt zur gleichen Zeit zu wie der Klimawandel seine Verfügbarkeit bedrohen dürfte", heißt es im jüngsten Weltwasserbericht der Vereinten Nationen. Die Autoren fordern eine genauere Erfassung der Wasser-Reserven - und deren nachhaltige Nutzung.

Sie bemängeln zudem, dass 80 Prozent des Brauchwassers weltweit nicht aufbereitet wird. In Asien, aber auch Schwarzafrika, könnten mehr als 40 Prozent der Länder im Jahr 2040 unter ernsthafter Trinkwasser-Knappheit leiden.

Der etwa 700-seitige Bericht mit dem Titel "Managing water under uncertainty and risk" (Deutsch: Wasser-Management angesichts von Unsicherheit und Risiko) wurde zum Auftakt des 6. Weltwasserforums in Marseille veröffentlicht. Bei dem weltweit größten Expertentreffen zum Thema wird eine Woche über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten.

In Großbritannien fürchten angesichts der Wasserknappheit indes nicht nur passionierte Rasenpfleger um ihr Hobby. Mancher argwöhnt schon, die Restriktionen könnten die Olympischen Sommerspiele zu einer trockenen Angelegenheit machen.

© Süddeutsche.de/dpa/jobr/soli

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