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Größte Schutthalde der Welt:Der Müll ist ihre Heimat

Der Unrat bedeckt eine Fläche von siebenhundert Fußballfeldern, stellenweise sind die Abfallberge 17 Meter hoch. Ganze Familien leben und arbeiten in der größten Müllkippe der Welt in Mexiko-Stadt. Bisher. Denn nun ist die Anlage dicht - die Bewohner der Megacity sollen umweltbewusster werden.

Die größte Müllhalde der Welt bedeckt eine Fläche von siebenhundert Fußballfeldern und liegt am Rande von Mexiko-Stadt, östlich des Flughafens. Hunderte Müllwagen haben hier jahrzehntelang den Unrat der zwanzig Millionen Einwohner abgeladen, bis zu 17 Meter hoch türmt sich der Dreck auf dem Bett des ausgetrockneten Texcoco-Sees.

1500 Familien leben in und von der Deponie Bordo Poniente in Mexiko-Stadt, künftig sollen sie in Recyclinganlagen arbeiten.

(Foto: AP)

Am Dienstag brachte Bürgermeister Marcelo Ebrard nun symbolisch ein Schloss am Zufahrtstor der Deponie an. Bordo Poniente ist geschlossen, dies sei die "wichtigste umweltpolitische Maßnahme Mexikos", sagte Ebrard.

Umweltplan mit herkulischen Ausmaßen

In der Tat hat die Stadtregierung in den letzten Jahren allerhand unternommen, um die einst als Dreckschleuder verschriene Megacity lebenswerter zu machen. "Mexiko-Stadt war die verseuchteste Stadt der Welt", sagte Umweltsekretärin Martha Delgado Peralta der SZ kürzlich bei einem Deutschlandbesuch, doch in den vergangenen Jahren habe man einen Umweltplan mit herkulischen Ausmaßen in Gang gesetzt. Abwassersysteme werden gebaut, Grünflächen angelegt, wilde Bebauung wird beseitigt, das Fahrradfahren mittels Mieträdern propagiert, im öffentlichen Nahverkehr gibt es ehrgeizige Projekte gegen die Staus.

Die vielleicht ambitionierteste Maßnahme Ebrards aber war, die Mexikaner zur Mülltrennung zu erziehen. Damit habe die Abfallmenge von einst 12.600 Tonnen täglich in den vergangenen Jahren um die Hälfte reduziert werden können, erklärte Regierungsvertreter Juan José Garcia Ochoa. Plastiktüten müssen einen verwertbaren Anteil aufweisen, organischer Abfall wird kompostiert und in städtischen Grünanlagen ausgebracht.

Dabei war hilfreich, dass Recycling in Mexiko gut funktioniert, darum kümmern sich Heere von Müllsammlern, die Deponien wie Bordo Poniente nach Verwertbarem durchsuchen. "Pepenadores" werden sie im Slang genannt.

Der Müllberg bleibt ihre Heimat, ihre Stadt, sie haben dort einen Pfarrer und eine einflussreiche Gewerkschaft. Mit der mussten zähe Verhandlungen geführt werden, um zu garantieren, dass die fast 1500 Familien, die vom Müll leben, weiter ein Auskommen haben. Sie dürfen die vorhandenen 76 Millionen Tonnen von Bordo Poniente weiter ausbeuten und zu den Verwertungsanlagen bringen.

Dort sollen auch Arbeitsplätze für sie geschaffen werden. Die Auslastung ist garantiert, denn künftig wird Mexikos Müll direkt dorthin gefahren. Der verbleibende, nicht-recycelbare Restmüll wird auf einer anderen Deponie abgelagert.

Der Bürgermeister pries die Schließung als eine Maßnahme, die auch dem Weltklima helfe, schließlich habe die Deponie jedes Jahr zwei Millionen Tonnen Treibhausgas freigesetzt. Aus dem verbleibenden organischen Material soll Biogas gewonnen werden. Es handele sich um eines der weltweit größten Projekte dieser Art, sagte Ebrard, es wird international ausgeschrieben. Eine Zementfirma nimmt bereits täglich dreitausend Tonnen Müll ab und verbrennt sie zur Energiegewinnung.

Wenn es so weitergehe, versichert Martha Delgado Peralta, werde Mexiko in 15 Jahren eine "gesunde Stadt" sein.