Penka aus Bulgarien:"Wir können nicht erwarten, dass eine Kuh versteht, was EU ist"

Lesezeit: 2 min

Eine bulgarische Kuh übertritt die EU-Grenze nach Serbien. Das hat nicht nur Folgen für den Bauer. Jetzt soll das Tier getötet werden: EU-Gesetz.

Von Florian Hassel, Warschau

Es war Mitte Mai, als der Hirte Iwan Charalampijew seine Kuh Penka vermisste. Penka, ein Mitglied seiner Herde im bulgarischen Dorf Kopilowzi an der Grenze zu Serbien, war im sechsten Monat schwanger - und spurlos verschwunden. Eine Woche später erhielt Charalampijew einen Anruf der serbischen Polizei: Die Kuh habe die Grenze zu Serbien überquert; die Behörden hätten sie anhand ihrer Ohrmarke "BG31261073" identifiziert. Das Tier sei nun beim serbischen Landwirt Nikola Stoickov - im ersten serbischen Dorf hinter der Grenze.

Charalampijew, der bulgarische Hirte, setzte sich in Bewegung und fand heraus, dass die Grenzpolizei zunächst mit Erfolg versucht hatte, Penka am Grenzübertritt zu hindern. Später aber sei die Kuh im Galopp ein zweites Mal auf die Grenze zugerannt, die Grenzer hätten zur Seite springen müssen, und die Kuh sei verschwunden - bis sie der Landwirt auf serbischer Seite gefunden habe.

Ein serbischer Tierarzt stellte fest, "dass die Kuh keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigt, regelmäßig Nahrung und Wasser zu sich nimmt und in guter Verfassung ist. Wir halten es für angebracht, dass die Kuh zu ihrem Besitzer zurückkehren kann". Damit hätte die Geschichte enden können - wäre Serbien nur in der EU.

Als Charalampijew mit seiner Kuh von Serbien kommend die Grenze erreichte, hielten ihn die bulgarischen Beamten auf. Ein von den Grenzern herbeigerufener Tierarzt habe ihm verkündet, so sagte es der Kuhhirte im bulgarischen Fernsehen, Penka müsse sterben - in Erfüllung von EU-Regeln, die die unkontrollierte Einfuhr von Vieh verbieten. "Wir setzen nur europäische Regeln um", sagte ein Tierarzt.

Jetzt bangen Tierfreunde um die Kuh. Und der Besitzer weigert sich, sie auch noch selbst zu töten. Dass müssten schon die Grenzbeamten tun. Wobei der Zwischenfall dann doch gewöhnlicher ist, als man glaubt. Kühe sorgen an der bulgarischen Grenze selbst unter EU-Mitgliedern häufiger für Ärger.

"Wir können nicht erwarten, dass eine Kuh versteht, was EU ist und was nicht. Es ist ein Zwischenfall, der normal ist in einer Grenzregion", sagte Marina Ivanova von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Nachdem Bulgarien der EU beigetreten war, baute das Land die Grenzzäune zu seinen Nachbarn ab. Seitdem nutzen zum Beispiel auch griechische Kühe dies zum Grenzübertritt. 2013 machten gleich 17 Kühe Schlagzeilen, die aus Kosovo nach Serbien gekommen waren und im Dorf Trstena daraufhin in Quarantäne wanderten. Überraschend eigentlich, da Serbien die Unabhängigkeit Kosovos bis heute nicht anerkennt.

Was die Kuh Penka betrifft, hat sich jetzt auch Bulgariens zuständige Staatsagentur für Lebensmittelsicherheit zu Wort gemeldet. Dass Penka bereits zum Tode verurteilt sei, stimme nicht. Noch arbeite man an dem Fall.

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