bedeckt München 32°

Mutmaßlicher Missbrauch:FBI verhaftet Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell

In New Hampshire gefunden: Ghislaine Maxwell, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2013.

(Foto: LAURA CAVANAUGH/AFP)

Die Britin steht im Verdacht, dem verstorbenen US-Millionär junge Frauen zugeführt und an ihrem Missbrauch teilgenommen zu haben. Maxwell wurde seit Monaten gesucht.

Von Cathrin Kahlweit, London

Es war halb neun am Donnerstagmorgen, als das FBI in Bedford im US-Staat New Hampshire zuschlug und eine Frau festnahm, um die sich die wildesten Gerüchte ranken. Und die als "Society-Dame", wie sie viele Medien nennen, nur sehr unzureichend beschrieben ist. Ghislaine Maxwell, Tochter des unter mysteriösen Umständen verstorbenen Medienmoguls Robert Maxwell, war von der Polizei weltweit gesucht worden, seit der Sexualstraftäter und Millionär Jeffrey Epstein 2019 ein zweites Mal wegen des Vorwurfs der vielfachen Vergewaltigung und Menschenhandels verhaftet worden war.

Ein erstes Mal war Epstein 2006 verurteilt worden, wurde aber nach kurzer Zeit aus der Haft entlassen. Nach zahlreichen Anzeigen, intensiven Medienrecherchen und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch zahlreiche "Me Too"-Skandale nahm die Polizei Epstein erneut fest. Er starb wenige Wochen später in Untersuchungshaft, die Behörden erkannten, trotz zahlreicher Unregelmäßigkeiten in der Haftanstalt, auf Selbstmord.

Maxwell war viele Jahre lang an Epsteins Seite gewesen, anfangs als Geliebte, später - wie zahlreiche junge Frauen aussagten - als seine Helferin. Sie habe, gaben mutmaßliche Opfer, die als Zeuginnen bei den Ermittlungen aussagten, für ihn junge Frauen ausgesucht und angesprochen, teils vor Schulen, teils bei der Arbeit, ihnen Geldgeschenke versprochen oder sie mit der Aussicht auf einen kleinen Lohn für eine "Massage" gelockt. Sobald sie ihm die Mädchen zugeführt habe, soll sich Epstein nach Angaben der jungen Frauen entblößt haben, sie missbraucht, manipuliert und teilweise unter Zwang gesetzt - und an andere Männer weitergegeben haben.

Ein Opfer bezeichnete sie als "Puffmutter"

Bisweilen habe sich Maxwell, so die Opfer, auch beteiligt und an den sexuellen Akten teilgenommen. Virginia Giuffre, eines der bekanntesten Opfer, die Epstein 2015 angezeigt hatte, gab an, Maxwell habe sie im Alter von 15 Jahren als "Masseuse" rekrutiert. Eine andere junge Frau sprach davon, Maxwell habe die Mädchen "kontrolliert", sie sei so etwas wie eine "Puffmutter" gewesen.

Maxwell hatte stets bestritten, etwas von Epsteins Missbrauchshandlungen mitbekommen zu haben. Auch Epstein selbst hatte sich bei Vernehmungen schützend vor sie gestellt. Allerdings lassen zahlreiche Zeugenaussagen von mutmaßlichen Opfern, Gästen des Hauses und Mitarbeitern die Annahme zu, dass Maxwell die erste und wichtigste Anlaufstelle für den Sexualstraftäter war - eine Art Vermittlerin für sexuellen Missbrauch Minderjähriger.

Die Epstein-Freundin hatte sich nach seiner Festnahme abgesetzt und war untergetaucht, es gab immer wieder Gerüchte, sie halte sich in Kanada oder Frankreich auf. Nun fand das FBI sie in den USA, wo sie teilweise in Epsteins Villen mit ihm gelebt hatte. Neben zahlreichen Prominenten, die sich auf den Anwesen des Millionärs aufgehalten haben, war auch der britische Prinz Andrew mehrmals bei oder mit Epstein gesehen worden. Virginia Giuffre gab an, von Andrew missbraucht worden zu sein. Andrew negiert das kategorisch, hat sich aber von allen repräsentativen Aufgaben zurückgezogen.

Die Festnahme der Britin Ghislaine Maxwell dürfte nun nicht nur Bewegung in die Schadenersatzklagen der mutmaßlichen Opfer gegen die Epstein-Stiftung bringen, sondern auch das britische Königshaus erneut unter Druck setzen.

© SZ
Patrick McMullan Archives

SZ Plus
Jeffrey Epstein
:Der radioaktive Mann

Viele Politiker, Wissenschaftler und Stars fürchten heute, mit dem Vergewaltiger Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht zu werden. Über die Verbrechen eines Mächtigen und seinen Untergang als Parabel auf die Verdorbenheit der Eliten.

Von Andrian Kreye und Christian Zaschke, New York

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite