Getöteter Polizist "Frankreich wird niemals sein Heldentum vergessen"

Arnaud Beltrame

(Foto: dpa)

Polizist Arnaud Beltrame tauschte den Platz mit einer Geisel - und wurde von dem islamistischen Attentäter erschossen. Das Land reagiert betroffen und fragt sich: Wer ist dieser Mann?

Von Thomas Hummel

Arnaud Beltrame - ein Name, den Frankreich so schnell nicht vergessen wird. Der 45-jährige Polizist wurde am Freitag mit seiner Einheit zum Supermarkt "Super U" ins Städtchen Trèbes gerufen. Ein bewaffneter Islamist hatte dort eine unbekannte Zahl an Geiseln genommen. Beltrame ging unbewaffnet ins Gebäude, stellte sich selbst im Tausch als Geisel zur Verfügung. Dass er dabei sein Leben riskierte, dürfte ihm klar gewesen sein, der Attentäter hatte im Lauf des Tages bei mehreren Attacken in der Region Carcassonne drei Menschen getötet und mehrere verletzt.

Beltrame legte sein Handy mit einer offenen Verbindung im Supermarkt auf einen Tisch, damit die Kollegen draußen mithören konnten, was drinnen geschah. Wenig später schoss der Geiselnehmer auf ihn, offenbar mehrfach in den Hals, woraufhin Spezialeinheiten den Supermarkt stürmten und den Attentäter töteten. Beltrame wurde per Helikopter ins Krankenhaus geflogen, wo er einige Stunden später in der Nacht zum Samstag starb.

Innenminister Gérard Collomb teilte der Nation via Twitter mit: "Frankreich wird niemals sein Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen." Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte: "Indem er sein Leben gegeben hat, um die mörderische Eskapade eines dschihadistischen Terroristen zu stoppen, ist er als Held gefallen." Arnaud Beltrame ist nun eine Art Märtyrer der Nation in ihrem Kampf gegen den islamistischen Terror. Und so fragt sich Frankreich: Wer ist dieser Mann?

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Der Radiosender RTL veröffentlichte ein Interview mit seiner Mutter. Darin berichtet sie von einem Gespräch mit ihrem Sohn während des Einsatzes am Freitag: "Er sagte mir: 'Mama, ich mache meine Arbeit, das ist alles.'" Sie erklärte, in seinem Umfeld sei niemand überrascht gewesen, als sich herausstellte, dass er der Polizist war, der sich als Geisel zur Verfügung gestellt hatte. "Er war schon immer so. Seit seiner Geburt gab er alles für seine Heimat."

Im Jahr 2003 war er zur GSIGN gekommen, eine Spezialeinheit der Gendarmerie mit dem Einsatzschwerpunkt der Terrorismusbekämpfung. Zwei Jahre später wurde er zum Einsatz in den Irak geschickt. Für seine Verdienste erhielt er 2005 das militärische Verdienstkreuz. In seinen Jahren als Polizeibeamter wechselte Beltrame anschließend mehrere Male den Wohnort. Für einige Jahre gehörte er der Republikanischen Garde an, die unter anderem für den Schutz des Staatspräsidenten verantwortlich ist. 2012 soll er laut Medienberichten den nationalen Verdienstorden erhalten haben. Im Jahr 2016 ist er in den Rang eines Oberstleutnants befördert worden.

In den Süden des Landes nach Carcassonne ließ er sich im vergangenen Jahr offenbar wegen seiner Ehefrau versetzen, die nicht weit entfernt als Tierärztin arbeitet. Im August kam er zur Gendamerie des Departement Aude, wo Beltrame in der Hierarchie die Nummer drei war unter fast 600 Polizeibeamten.

In der Zeitung Le Monde berichtet der örtliche Priester Jean-Baptiste davon, dass für Juni die kirchliche Trauung des kinderlosen Paares terminiert gewesen sei. Als er ins Krankenhaus von Carcassonne gerufen wurde, war Beltrames Zustand so kritisch, dass ihm der Geistliche sowohl das Sakrament der Ehe als auch das Sakrament der Krankensalbung erteilt habe. Der Priester sagte, er habe das Paar zuvor bei einer Führung durch eine Abtei kennengelernt, es habe sich ein freundschaftlicher Kontakt ergeben. Beltrame sei ein äußerst intelligenter und mutiger Mann, der den Glauben wiedergefunden habe.

Frankreich reagiert betroffen und mit Bewunderung auf den Tod Beltrames. Noch gibt es unterschiedliche Meldungen, ob er sich gegen eine oder mehrere Geiseln hatte austauschen lassen. Richard Lizurey, General der nationalen Polizei, erklärte, er wolle "das Heldentum unseres Genossen feierlich ehren" und sich "vor dem Mut, und der Vorbildlichkeit des Beamten verbeugen, der sein Leben für die Freiheit der Geiseln gegeben hat". Er fügte hinzu, die Flaggen und Banner der Gendarmerie wehten an diesem Samstag auf Halbmast.

Die Lokalzeitung Dépêche de Midi erinnerte sich indes mit "einem Schauer über dem Rücken" an einen Bericht vom vergangenen Dezember. Demnach hatte Arnaud Beltrame damals eine Übung mit Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr und der lokalen Behörden geleitet - darin war es um einen Großeinsatz während eines Attentats auf einen Supermarkt gegangen. "Ein Massenmord in einem Supermarkt, das ist die einzige Information, die die Einsatzkräfte erhalten haben", hatte Beltrame damals berichtet, "wir wollen das Szenario so real wie möglich simulieren, weil es so etwas noch nie gab."

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