bedeckt München
vgwortpixel

Gestorbene Frühchen in Bremen:Klinik dementiert weitere Todesfälle

Sechs Säuglinge könnten nach jüngsten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in einer Bremer Klinik an einem resistenten Darmkeim gestorben sein. Weitere Frühchen-Tode werden nun untersucht. Das Krankenhaus beharrt indes darauf, es habe lediglich drei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Keimausbruch gegeben.

Das Ausmaß der Infektionen in der Abteilung für Frühgeborene im Bremer Klinikum Mitte ist möglicherweise größer, als die Klinikleitung bisher zugegeben hat. Zumindest hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile den Verdacht, dass in der Hansestadt nicht nur drei Frühchen an einem resistenten Darmkeim gestorben sind, wie bisher angenommen, sondern sogar sechs.

Hygienegesetz muss umgesetzt werden

Bereits im September soll dem leitenden Arzt des Bremer Klinikums ein möglicher Keimausbruch auf der Frühchen-Intensivstation bekannt gewesen sein - doch erst im November wurde die Station geschlossen.

(Foto: dpa)

Nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, gehen die Ermittler nun davon aus, dass es auch Todesfälle im März und Juli dieses Jahres und sogar einen bereits im Jahr 2010 gegeben hat, die alle auf denselben Keim zurückzuführen sind - ob auch auf dieselbe Unterart, müsse noch geklärt werden. Im Fokus steht der inzwischen fristlos entlassene Leiter der Station. Der Arzt wird laut Passade "als Beschuldigter geführt".

Suche nach weiteren Todesfällen

Seit rund drei Wochen beschäftigt sich bei der Bremer Staatsanwaltschaft die Abteilung VI mit den Patientenakten, die nach Bekanntwerden von drei Todesfällen Anfang November sichergestellt worden waren. Die Experten für Straftaten rund um Medizin und Heilung suchen seitdem nach den Verantwortlichen für die fahrlässige Tötung der Bremer Frühchen - und nach der genauen Anzahl der Opfer.

Die neuen Verdachtsfälle hätten sich einerseits aus der Aktenlage und andererseits aus Aussagen von Eltern ergeben, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Passade: "Wenn sich Eltern freiwillig bei uns melden und Angaben machen, kann man das schon als Anzeige werten."

Die Süddeutsche Zeitung hatte bereits vor zwei Wochen berichtet, dass es mehr Fälle geben könnte, als die Klinikleitung zunächst zugegeben hatte. Eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen schon im Juli bestätigte das Management zwar - die Kinder seien aber an anderen Vorschädigungen gestorben, hieß es damals.

"Wir gehen weiter von drei toten Kindern aus", erklärte die Sprecherin des Bremer Klinikverbundes, Karen Matiszick, nun. Im Juli sei ein Frühchen an einer Hirnblutung gestorben, das den Keim in sich trug, aber daran nicht erkrankte. Die beiden anderen Babys seien Anfang 2011 und im vergangenen Jahr gestorben. Bei einem sei der Erreger nicht nachgewiesen worden, das andere sei mit einer anderen Form des Klebsiella-Bakteriums infiziert gewesen.

Das Personal der Klinik - allgemein wie in der Neonatologie, der Spezialabteilung für Neugeborene unter 1500 Gramm - hatte davon abgesehen über Monate hinweg Überlastungsanzeigen verfasst. Ausreichende Hygiene braucht Zeit, Personalmangel verursacht Zeitnot - auch in diese Richtung ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Außerdem soll der leitende Arzt schon im September auf die Möglichkeit eines Keimausbruchs hingewiesen worden sein, den Verdacht aber zurückgewiesen haben. Nach Darstellung der Klinik hätte aber der Arzt die Epidemie melden müssen, damit weitere Schritte, wie die Schließung der Abteilung, hätten erfolgen können - was erst nach weiteren Todesfällen geschah.