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Germanwings-Absturz:Bundestag beschließt strengere Kontrollen für Piloten

  • Der Bundestag hat ein neues Gesetz beschlossen, nach dem Piloten häufiger auf Drogen, Alkohol und psychoaktive Substanzen kontrolliert werden sollen.
  • Die Entscheidung ist eine Reaktion auf den Germanwings-Absturz im März 2015.
  • Etwa 80 Familien der Opfern haben in den USA eine Sammelklage gegen die Lufthansa-Flugschule in Goodyear bei Phoenix eingereicht.

Für Piloten soll es künftig strengere Drogen- und Alkoholkontrollen geben. Nach dem neuen Gesetz sollen Fluggesellschaften untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von "Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen" steht, wenn ein entsprechender Verdacht besteht. Daneben sind Zufallskontrollen geplant.

Das beschloss der Bundestag am Donnerstag als Reaktion auf den Absturz einer Germanwings-Maschine im März 2015. Ermittlungen zufolge ließ der Copilot Andreas Lubitz die Maschine in den französischen Alpen absichtlich abstürzen. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Hinterbliebene verklagen Lufthansa-Flugschule

Etwa 80 Familien der Opfer haben am Mittwoch in den USA eine Sammelklage gegen eine Lufthansa-Flugschule in Arizona eingereicht. Sie wollen die Flugschule haftbar machen, an der der Copilot Andreas Lubitz ausgebildet wurde. Germanwings gehört zur Lufthansa-Gruppe Die Angehörigen werden von der US-Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler vertreten. Es geht um Schadensersatz in Millionenhöhe.

Lubitz hatte offenbar unter Depressionen gelitten und deswegen auch Ärzte aufgesucht. Der 27-Jährige hätte deshalb nicht zu der Lufthansa-Flugschule zugelassen werden dürfen, wird in der Sammelklage argumentiert. Die Flugschule sei nachlässig und leichtsinnig gewesen, sagte Rechtsanwalt Brian Alexander von Kreindler & Kreindler. Sie habe ihre selbstgesetzten Standards nicht erfüllt. Klare Warnhinweise seien übersehen worden. "Ein ordentliches Screening hätte seine Krankheitsgeschichte mit schweren Depressionen offengelegt", heißt es in der Klage. Lubitz sei eine Zeitbombe gewesen.

Hintergrund der Klage ist das Zerwürfnis, das die Frage der Entschädigungszahlungen zwischen der Lufthansa und vielen Angehörigen verursacht hat. In den USA erhalten Hinterbliebene in der Regel deutlich höhere Entschädigungen als in Deutschland. Lufthansa und Germanwings lehnen eine Verhandlung des Falles in den USA ab. Ob die Klage der Angehörigen Aussicht auf Erfolg hat, ist unter Rechtsexperten umstritten.

© SZ.de/dpa/afp/rtr/dowa/dayk

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