Fall Söring Neue DNA-Erkenntnisse im Fall Jens Söring

Jens Söring sitzt in den USA im Brunswick Correctional Center wegen zweifachen Mordes.

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Der Deutsche sitzt seit mehr als drei Jahrzehnten in den USA in Haft - unschuldig, wie er sagt. Nun gibt es für ihn Anlass zur Hoffnung.

Von Karin Steinberger, Dillwyn

Es war alles wie immer, als diesen Donnerstag wieder mal sein Leben verhandelt wurde. Es war das zwölfte "Parole Hearing" in seiner Sache, wie jedes Jahr ging es um Entlassung auf Bewährung, wie jedes Jahr kamen Fürsprecher. Jens Söring: 1990 verurteilt zu zwei Mal lebenslang, er sitzt seit 30 Jahren, sieben Monaten und ein paar Tagen im Gefängnis, weil er 1985 die Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom ermordet haben soll.

Es war wie immer - und doch war alles anders, als sich sechs Unterstützer vor dem Parole Board trafen, 6900 Atmore Drive, Richmond, Virginia. Es war sonnig da draußen in der Welt, als Sörings Anwalt Steve Rosenfield die neuen Fakten präsentierte: Das Gerichtsmedizinische Institut in Virginia hat jetzt nicht nur bestätigt, dass am Tatort Blut der Blutgruppe 0 gefunden wurde, das nicht von Jens Söring stammt, sondern auch, dass das Blut der Blutgruppe AB am Tatort von einem anderen Mann ist. Bislang dachte man, dass das AB-Blut dem Opfer gehört, der Mutter von Elizabeth Haysom.

Blut von zwei unbekannten Männern am Tatort - und kein Hinweis auf Jens Söring, der als Einzeltäter verurteilt wurde?

Deutscher in US-Haft

Seine Briefe aus dem Gefängnis klingen jetzt anders

Jens Söring sitzt seit mehr als 30 Jahren wegen Doppelmordes in einem US-Gefängnis. 2006 hat unsere Autorin ihn zum ersten Mal getroffen.  Von Karin Steinberger

Jens Söring sitzt da, blaues Gefängnishemd, blaue Gefängnisjeans, am Hals baumelt seine Gefangenenkennung. Kein Name, nur eine Nummer: 1161655, Geburtsdatum: 01.08.1966. Haarfarbe: braun, Augen: braun, Gewicht: 170 Pfund, Größe: 5 Fuß 11 Inches, Race: W, Sex: M. Ein Menschenleben, auf einem kleinen Kärtchen zusammengefasst.

Wie geht es? Die Gefängnisstühle knarzen, durch ein Fenster in der Tür schaut eine Gefängnisangestellte, zur Sicherheit. "Mir geht's vergleichsweise fantastisch", sagt Jens Söring. Er hat den Mord nach seiner Verhaftung in England gestanden, aber er hat das Geständnis ziemlich schnell widerrufen. Seitdem sagt er, er wollte damals seine große Liebe vor dem elektrischen Stuhl retten. Er war 18, als die Eltern ermordet wurden, 19, als er verhaftet wurde. Er ist mehr als die Hälfte seines Lebens Gefangener und macht den großen Anfängerfehler: Er hofft.

Söring sagt: "Ich hoffe, dass die neuen Erkenntnisse etwas ändern, aber vor allem habe ich Angst. Ich war schon so oft in dieser Situation." Er hat seine Zwanzigerjahre verloren, seine Dreißigerjahre, seine Vierzigerjahre. Er sagt: "Ich war bereit, mich für diese Frau zu opfern, aber doch nicht für ein halbes Dutzend ihrer Freunde. Ich bin das Opfer ihrer Lügen." Die Gefängnisaufseherin schaut. Söring sagt: "Ich war damals ein Junge, kein Erwachsener, ein anständiger Junge, das ist nicht übertrieben. Ich hätte ein anständiger Mensch werden können."

Sechs Fürsprecher sind diesmal für ihn vor das Parole Board gegangen, darunter die ehemalige Stellvertretende Staatsanwältin von Virginia, Gail Marshall, die sich seit 2003 sicher ist, dass er unschuldig ist. Außerdem schrieb Chuck Reid, einer der Ermittler, der damals an dem Fall arbeitete, dass er mittlerweile an Sörings Unschuld glaube. Der deutsche Generalkonsul legte eine Petition von Bundestagspräsident Lammert vor, in dem Bundestagsabgeordnete darum bitten, Jens Söring nach Deutschland zurückkehren zu lassen. Vier der fünf Parole-Board-Mitglieder müssten für den Freispruch von Söring stimmen. Es kann Monate dauern, bis eine Entscheidung verkündet wird.

Neben der Spur

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