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Fall Natascha Kampusch:Expertenbericht gegen die Theorie vom Zweittäter

Natascha Kampusch

Entführungsopfer Natascha Kampusch.

(Foto: dpa)

Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe Priklopil die Entführung allein durchgeführt heißt es im Abschlussbericht einer internationalen Expertengruppe, die den Fall Natascha Kampusch noch einmal untersuchte. Die österreichischen Behörden hoffen nun, dass endlich Ruhe einkehrt. Doch kaum einer wagt, daran zu glauben.

Die sogenannte Cold-Case-Untersuchung, mit welcher die Ermittlungen zur Entführung von Natascha Kampusch seit Juli 2012 erneut überprüft worden waren, hat keine Überraschungen hervorgebracht. Das gab das Innenministerium in Wien am Montagmittag bekannt.

Bereits am Sonntag war durchgesickert, dass in diesem traurigen, umstrittenen Fall keine Sensationen mehr zu gewärtigen seien. Damit hofft man bei den Behörden, denen über Jahre Ermittlungsfehler und Vertuschung vorgeworfen worden waren, dass endlich Ruhe einkehrt in der Causa Kampusch. Ob das gelingt - kaum einer wagt es zu glauben. Zu lange schon halten sich Verschwörungstheorien und Gerüchte.

Im März 1998 war die Schülerin Natascha Kampusch entführt und dann acht Jahre lang in einem Keller eingesperrt worden. Sie konnte fliehen, ihr Entführer, Wolfgang Priklopil, beging Selbstmord. Dass er nicht allein gehandelt habe, dass er ermordet worden war, dass sich ein Pädophilenring unter Beteiligung hochrangiger Beamter an der jungen Frau vergangen habe - all das waberte seit Jahren durch Österreich. Nun trat der Chef des deutschen Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, in Wien vor die Presse.

Keine Mitwisser, kein Kinderschänderring

Das BKA hatte sich, gemeinsam mit Kollegen vom FBI und unterstützt von den österreichischen Behörden, die Akten noch einmal vorgenommen. Das internationale Expertenteam, das im Wesentlichen eingesetzt worden war, um die Gerüchte endlich zum Verstummen zu bringen, ließ nun wissen, dass Wolfgang Priklopil tatsächlich "mit hoher Wahrscheinlichkeit die Entführung allein durchgeführt" habe. Es habe keine Mitwisser, keinen Kinderschänderring, keine anderen Tatbeteiligten gegeben. Ein junges Mädchen hatte nach der Entführung standhaft angegeben, im Wagen von Priklopil einen zweiten Mann gesehen zu haben. Die Beobachtungen dieser Zeugin nannte Ziercke "subjektiv glaubwürdig", dennoch habe sich das Mädchen "objektiv geirrt". Sie habe offenbar zwei Wagen verwechselt.

Ebenfalls bestätigten die Ermittler, dass Priklopil offenbar Selbstmord begangen habe und nicht etwa tot auf die Schienen gelegt worden sei, wie es zeitweilig behauptet worden war.

Neu ist allerdings, dass ein Freund des Täters, dem sich dieser vor seinem Suizid noch anvertraut hatte, offenbar bei Priklopil Schulden hatte, das aber verschwiegen und stattdessen gesagt hatte, der Täter schulde ihm 50 000 Euro. Ihn dürfte nun ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung erwarten. Von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der Ermittlungsfehler festgestellt und erneute Spekulationen in Gang gesetzt hatte, war die erneute Untersuchung durch internationale Spezialisten im vergangenen Jahr vorgeschlagen worden.