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Prozess:Attacke auf Anwalt: Viereinhalb Jahre Haft für Stadtplan-Erben Falk

Alexander Falk im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts

Der Angeklagte Alexander Falk im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Der Schuss verletzte den Wirtschaftsanwalt schwer. Zehn Jahre ist das her. Nun ist Alexander Falk, einst Internetunternehmer und Multimillionär, wegen Anstiftung dazu verurteilt worden.

Von Matthias Drobinski, Frankfurt

Um kurz vor zwölf Uhr kommt Alexander Falk in den Saal II des Frankfurter Landgerichts, grüßt einige Freunde unter den Zuschauern. Dann verkündet Jörn Immerschmitt, der Richter, das Urteil über ihn: Vier Jahre und sechs Monate Haft wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung. Das Gericht sieht es damit als erwiesen an, dass der Stadtplan-Erbe und einstige Star der New Economy, der einmal zu den 100 reichsten Menschen Deutschlands gehörte, jenen Schuss in Auftrag gab, der im Februar 2010 den Oberschenkel des Frankfurter Anwalts Wolfgang J. durchschlug. J. hatte gemeinsam mit einem Kollegen maßgeblich eine Millionenklage gegen Falk vorbereitet. Eine Stunde und 40 Minuten begründet Immerschmitt das Urteil; immer wieder beugt sich Falk zu seinem Anwalt Björn Gercke und berät sich mit ihm.

Das Gericht bleibt damit unter dem Strafmaß von sechs Jahren, das die Staatsanwaltschaft gefordert hat, auch kann Alexander Falk den Saal als vorläufig freier Mann verlassen: 22 Monate hat er schon in Untersuchungshaft gesessen und damit einen guten Teil der zu erwartenden Haft bereits verbüßt; anders als die Staatsanwaltschaft geht das Gericht nicht mehr davon aus, dass Falk fliehen könnte, um der Strafe zu entgehen. Insgesamt aber folgt es den Argumenten der Staatsanwaltschaft: Falk, der in Hamburg bereits zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen versuchten Betrugs beim Verkauf seiner Firma Ision verurteilt worden war, habe den hart gegen ihn vorgehenden Anwalt ausschalten wollen. Er habe sich deshalb an die Brüder Cihan und Niazi B. gewandt, die er während seines Gefängnisaufenthalts kennengelernt hatte. Die hätten dann den - bis heute unbekannten - Schützen beauftragt.

Die Anklage hat sich in dem langen, komplizierten und kuriositätenreichen Verfahren auf eine Reihe von Indizien gestützt. Da war der verletzte Anwalt J., der von zunehmenden Drohungen gegen ihn berichtete und sich gleich nach dem Schuss sicher war, dass Falk hinter dem Anschlag stecken müsse. Da war der Kronzeuge, der 2017 auftauchte, Falk der Anstiftung zu der Tat bezichtigte und eine Tonaufnahme präsentierte, in der sich Falk erfreut und schadenfroh angesichts des Schusses zeigte und das Opfer eine "Bazille" nannte. Da war die Textnachricht der Brüder B. auf Falks Handy, die versprach, dass "die Oma" nun den verdienten "Kuraufenthalt" bekäme. Angeblich entlastende Dokumente, die Falk präsentierte, hielt die Staatsanwaltschaft für unglaubwürdig.

Irgendwann sei die Sache aus dem Ruder gelaufen

Falks Verteidiger Gercke hat dagegen immer wieder die Ungereimtheiten und Grenzen der Indizienkette betont: Der Kronzeuge entpuppte sich als mehrfach vorbestrafter Krimineller, der zudem 100 000 Euro Belohnung von der Kanzlei des Opfers erhalten hatte, die Tonaufnahme als bearbeitet. Falk habe mit allen Mitteln an ihn entlastende Dokumente kommen wollen, die er auf dem Server der Kanzlei vermutete, habe deshalb die Brüder B. beauftragt, einen Hacker zu finden - und als der versagte, hätten sie es mit einem Einbruch im Haus des Anwalts J. versucht. Und irgendwann sei die Sache aus dem Ruder gelaufen, gegen Falks Willen, der zudem von seinen falschen Freunden aus der Unterwelt erpresst worden sei. Ein dummer Fehler, aber kein Grund zur Verurteilung; die Anklage beruhe auf Mutmaßungen und Vorverurteilungen.

Eine Version, der Richter Immerschmitt und die Schöffen letztlich weniger Glauben schenkten als jener der Staatsanwaltschaft. Alexander Falk dagegen sieht sich nach wie vor als unschuldig an und als Opfer von Intrigen; ein Wort der Reue oder Entschuldigung hat es den Prozess über von ihm nicht gegeben. Sein Anwalt Gercke kündigte noch am Donnerstag an, man werde in Revision gehen.

© SZ/dpa/afis
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