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Doku über Gruppenvergewaltigung in Indien:Unter #indiasdaughter tobt die Netz-Debatte

In den sozialen Netzwerken tobt die Debatte (auf Twitter unter dem Hashtag #indiasdaughter): Viele finden, der Film müsse gezeigt werden, andere erklären es für problematisch, einem Vergewaltiger eine öffentliche Plattform für seine Gedanken zu geben.

Der Film wurde auch Thema im indischen Parlament. Innenminister Rajnath Singh berichtete den Abgeordneten, Udwins Crew habe gegen Auflagen verstoßen, als es den Gefangenen in der Zelle interviewte. Die BBC soll nach dem Willen der Regierung die Verbreitung des Films verhindern. Der Sender entgegnet, "India's Daughter" gehe verantwortungsvoll mit dem Thema um und entspreche den redaktionellen Standards.

Udwin selbst appellierte an Indiens Premierminister Narendra Modi, sich einzuschalten und das Verbot aufzuheben: "Indien sollte den Film mit offenen Armen begrüßen, statt ihn in reflexhafter Hysterie zu verbieten, ohne ihn gesehen zu haben."

Vorwürfe gegen Anwälte der Täter

Die Dokumentation könnte noch weitere Konsequenzen haben. Indiens Anwaltskammer prüft dem Guardian zufolge, ob sie Schritte gegen zwei Anwälte der Täter wegen ihrer frauenfeindlichen Äußerungen in dem Film ergreift.

Im Film gibt einer der Anwälte, ML Sharma, dem Opfer indirekt die Schuld: In der indischen Kultur sollten Frauen abends nicht ohne Familienmitglieder auf die Straße gehen. Sie seien "Diamanten" und müssten das Risiko tragen, wenn sie ausgingen: "Wenn du einen Diamanten auf die Straße legst, wird der Hund ihn mitnehmen. Das kannst du nicht verhindern."

Anwalt Sharma wirft der Regisseurin im Gegenzug vor, sie habe ihn an zehn Tagen interviewt und dann eine kurze Aussage von ihm ohne Kontext wiedergegeben. Zudem habe sie das erste Interview mit dem Täter Mukesh Singh während des Verfahrens ohne Zustimmung des Gerichts geführt - und das sei illegal.

Die Doku zeigt auch eine ältere Aussage, die ein anderer Anwalt der Täter, AP Singh, im Fernsehen gemacht hatte: Er würde nicht zögern, seine Tochter mit Benzin zu übergießen und anzuzünden, wenn sie sich "ungebührlich" verhalte. In der Dokumentation sagt Singh, er stehe zu diesem Satz (Singh ist einer der häufigsten Familiennamen in Indien).

Auch eine Frauenrechtsorganisation hat bei der Polizei einen Antrag auf strafrechtliche Verfolgung der Anwälte eingereicht.

Indien gegen die BBC

Das Innenministerium begründet seine Entscheidung, "India's Daughter" zu verbieten, auch damit, dass die Filmemacherinnen das Interview im Gefängnis drehten, den Behörden danach aber nur geschnittenes Filmmaterial statt die kompletten Aufnahmen vorlegten, wie es ursprünglich vereinbart worden war. In der Erklärung des Ministeriums an das Parlament heißt es auch, man werde nicht zulassen, dass Personen oder Organisationen - damit ist wohl die öffentlich-rechtliche BBC gemeint - "solche unglücklichen Vorfälle" wie die Vergewaltigung von Delhi für "kommerziellen Gewinn" nutzten.

Die BBC hat die Ausstrahlung auf Mittwoch vorgezogen, wegen des "intensiven" öffentlichen Interesses. Ursprünglich war sie für Sonntag geplant, den Weltfrauentag. Der Film ist auch auf der Webseite der BBC zu sehen - aber nur von britischen Internet-Anschlüssen aus. Die BBC hat Youtube aufgefordert, alle Kopien des Films zu entfernen, offiziell aus Lizenzgründen. Geschafft hat sie das bisher nicht.