bedeckt München
vgwortpixel

Die Katastrophe von Duisburg:"Genehmigung der Loveparade erfolgte rechtswidrig"

Duisburgs Oberbürgermeister hat eine Verantwortung der Stadt für die Katastrophe mit 21 Toten stets verneint. Doch wie nun bekannt wurde, geht die Staatsanwaltschaft schon lange davon aus, dass die Genehmigung für das Tanzspektakel nie hätte erteilt werden dürfen.

Fast ein Jahr ist seit der Katastrophe auf der Loveparade mit 21 Toten vergangen - jetzt lieferte Duisburgs Oberbürgermeister endlich die von vielen eingeforderte Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer.

Duisburg diskutiert Erhaltung der Loveparade-Unglücksrampe

21 Menschen starben am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg.

(Foto: dpa)

Doch möglicherweise kommt sein Geständnis, er habe es lange versäumt, seiner moralischen Verantwortung, nachzukommen, nicht ganz freiwillig.

Als er sich für eine Dokumentation des WDR entsprechend äußerte, dürfte er schon gewusst haben, was in einem Bericht der Staatsanwaltschaft Duisburg steht: "Die Erteilung der Genehmigung erfolgte rechtswidrig", heißt es in einem Bericht der Staatsanwaltschaft zur Loveparade-Katastophe an die vorgesetzten Behörden.

Das mehrere hundert Seiten starke Papier, das nun publik wurde, datiert bereits aus dem Januar dieses Jahres. Es wurde jedoch bislang unter Verschluss gehalten.

Die Rheinische Post hat nun Auszüge des Berichts öffentlich gemacht. Der zuständige Duisburger Staatsanwalt Rolf Haferkamp bestätigte einen entsprechenden Artikel des Blatts. Dass es am 24. Juli 2010 auf dem Gelände des ehemaligen Duisburger Güterbahnhofs zur Katastrophe kam, hat die Stadt also vermutlich entscheidend mitzuverantworten.

In der Vergangenheit hatte Sauerland stets versucht, die Verantwortung abzuwälzen, insbesondere auf den Veranstalter der Loveparade: Im September 2010 hatte der Oberbürgermeister ein Gutachten präsentiert, das die Stadt von jeglicher Verantwortung freisprach.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt seit Januar wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Als Beschuldigte gelten derzeit 16 Menschen, darunter elf städtische Mitarbeiter. Ihnen wird laut Bericht vorgeworfen, das Konzept des Veranstalters trotz Mängeln ohne die nötigen kritischen Prüfungen übernommen zu haben. Staatsanwalt Haferkamp sagte, zu den Beschuldigten zähle auch ein leitender Polizeibeamter wegen seines Verhaltens bei der Loveparade.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden wegen der enormen Mengen von Daten und mehr als 3000 Zeugen noch einige Monate in Anspruch nehmen, sagte Haferkamp. Bis zum Abschluss der Ermittlungen und der Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde es daher voraussichtlich ebenfalls noch Monate dauern.