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Geburtstag von Margrethe II.:Dänisches Dynamit

Dänemarks Königin Margrethe II. wird 80 Jahre alt

Die dänische Königin feiert 80. Geburtstag. Alle Aktivitäten und Feierlichkeiten wurden wegen der Corona-Krise vorab abgesagt.

(Foto: dpa)

Kippe in der Hand, Taschentuch an der Nase, Dackelmaske im Gesicht: Keine Monarchin ist so wie Margrethe II. Dass die dänische Königin schon 80 Jahre alt wird, kann sie selbst kaum glauben.

Königinnen gibt es ja solche und solche. Wenn Dänen auf Briten treffen, dann sind sich Erstere einig: "Unsere Königin ist besser als eure." Die in London lebende dänische Komikerin Sofie Hagen schrieb das vor ein paar Monaten im Guardian. Man kann sich Queen Elizabeth in vielerlei Situationen vorstellen, aber eher nicht mit Kippe in der Hand oder lässig im Mundwinkel bei der Zubereitung einer Tasse Tee wie die bekennende Kettenraucherin Margrethe. Oder wie sie bei der Neujahrsansprache an ihr Volk in die Schublade greift, ein zusammengeknülltes Taschentuch hervorholt und sich vor laufender Kamera die Nase putzt.

Vergangene Woche fragte ein Journalist Königin Margrethe, was denn wohl die Leute in der Zukunft einmal über ihre Regentschaft sagen würden. Sie überlegte ein wenig, und sagte dann: "Vielleicht: 'Und dann kam eine Dame.'" Tatsächlich: Als Königin Margrethe II. von Dänemark im Januar 1972 den dänischen Thron bestieg, da tat sie das als erste Frau in 560 Jahren.

Eine Dame also, und was für eine. 80 Jahre soll sie nun am Donnerstag werden? Margrethe kam zur Welt am 16. April 1940, eine Woche nachdem die deutsche Wehrmacht Dänemark besetzt hatte. Wenn man aber die Interviews mit ihr liest, die sie in den zurückliegenden Tagen gegeben hat, dann hat man das Gefühl, sie selbst habe eben erst entdeckt, dass sie nun alt sein soll. "Ich fühle mich gar nicht so." Abtreten, das macht sie immer wieder klar, möchte sie ohnehin erst mit dem Tod.

Königin Margrethe gibt sich volksnah, ohne dabei anbiedernd zu sein

Als die schüchterne Margrethe Regentin wurde, da hatten auch in Dänemark die Studenten kurz zuvor die Revolution der Jungen gegen die Alten ausgerufen, die Stimmung war eher antiautoritär. Heute finden drei von vier Dänen die Monarchie gut, Margrethe sei Dank. Die Dänen spüren, dass sie ihr Amt nicht nur als Pflicht, sondern "mehr noch als Privileg" empfindet, und dass sie mitunter einen Riesenspaß daran hat. Königin Margrethe gibt sich volksnah, ohne dabei anbiedernd zu sein.

In ihren traditionellen Neujahrsansprachen hat sie den Dänen immer wieder auch ins Gewissen geredet, sprach über Selbstsucht und Einsamkeit, über Intoleranz und Antisemitismus und legte beim Thema Zuwanderung und Migration schon vor 40 Jahren den Dänen nahe, Ausländern gegenüber doch bitte mal auf "dumme Kommentare" zu verzichten.

Jahrzehnte später dann wandte sie sich an die Zuwanderer mit dem Appell, sich doch bitte auch besser in die dänische Gesellschaft einzufügen. Königin Margrethe kommt nicht nur an, sie spielt auch eine Rolle, jetzt, in der Corona-Krise zum Beispiel, da gab sie zu Beginn der Ausgangssperren gemeinsam mit Ministerpräsidentin Mette Frederiksen das Dream-Team: In einer außerordentlichen TV-Ansprache mahnte Margrethe streng jene Dänen, die draußen noch Partys feierten: "Das ist in erster Linie rücksichtslos."

Die Königin ist auch Künstlerin

Im Moment kursiert ein Videoclip, in dem die Königin den Dänen zeigt, wie man sich in der Heimisolation die Zeit vertreibt: Da bastelt sie sich aus buntem Papier eine Dackelmaske, setzt sie sich auf den Kopf und wackelt damit als wäre sie selbst ein Hund. Die Königin ist auch Künstlerin. Ihre Bilder hängen in Museen, ihre Kirchengewänder zieren den einen oder anderen Bischof, und fürs alljährliche Weihnachtsballett im Tivoli entwirft sie selbst die Kostüme.

Illustrationen, die sie in den 1970er Jahren unter einem Pseudonym einreichte, wurden in dänischen und englischen Ausgaben von J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" gedruckt. Übersetzerin ist sie auch: Gemeinsam mit ihrem 2018 verstorbenen Ehemann Prinz Henrik, ehemals französischer Diplomat, übertrug sie Simone de Beauvoirs "Alle Menschen sind sterblich" ins Dänische.

Unfehlbar ist sie nicht. Sie selbst hat erklärt, als Mutter und Großmutter "definitiv nicht die beste der Welt" zu sein. Und vergangene Woche fing sie sich einen Shitstorm ein, als sie die Rolle des Menschen beim Klimawandel kleinredete: "Das Klima hat sich immer geändert. In Westjütland leben deshalb ja auch keine Wollnashörner und Mammuts mehr." Das fanden dann wiederum einige Kommentatoren wahlweise "unverantwortlich" oder "dumm". Anzunehmen, dass das die Feierlaune allerdings kaum trüben wird. Festliche Kutschfahrt, Bankett und Ähnliches ist wegen des Coronavirus alles abgesagt. Dafür hat die Facebookgruppe "Dänemark singt für die Königin" zur Mittagsstunde ein Ständchen organisiert.

Im ganzen Land stimmten Bürger am Donnerstag um Punkt 12 Uhr von zu Hause aus, in der Schule oder in Parks ein, wie Aufnahmen im Fernsehen zeigten. Angeführt von Musikern sangen sie unter anderem den Geburtstagsklassiker "I dag er det Dronningens fødselsdag" (Heute ist der Geburtstag der Königin). Die bedankte sich mit einem Videoclip: "Das war wirklich eine fantastische Erfahrung. Das geht gleich ins Herz."

© SZ/zip/cat

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