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SZ-Kolumne "Alles Gute":Einen Viertklässler Abstand

Homeoffice und Corona: Warum es nervt und trotzdem lustig ist
(Foto: Steffen Mackert)

Wie lang sind 150 Zentimeter? Ohne Klebeband auf dem Fußboden ist es manchmal schwer, sich das vorzustellen, aber es gibt da ein paar kreative Merkhilfen.

1,50 Meter sind pandemiebedingt das Maß aller Dinge. Die Welt wird nach und nach in ein 1,50-Meter-Raster unterteilt: vor dem Geldautomaten, am Konferenztisch, beim Bäcker. Lehrer bemalen Schulhöfe mit 1,50 Meter voneinander entfernten Punkten. Vor Supermarktkassen klebt Gaffer-Tape auf dem Boden, versehen mit dem Hinweis: "Abstand halten!"

Doch wie soll man in nicht markiertem Gelände, etwa beim Spazierengehen, den korrekten Abstand anständig schätzen? In Deutschland werden üblicherweise Fußballfelder und das Saarland als Bezugsgrößen herangezogen, doch in diesem Fall hilft das nicht weiter. Beides viel zu groß!

Die Hamburger Stadtteilschule "Alter Teichweg" hat zur Veranschaulichung Grafiken drucken lassen mit dem Aufruf: "Immer ein Viertklässler Abstand!" In Florida wird der dort gültige Mindestabstand von sechs Fuß (182 Zentimeter) in Echsen umgerechnet: "Stellen Sie sich einen großen Alligator vor." Auf Social Media verbreiteten die Gesundheitsbehörden eine Illustration mit einem zähnefletschenden Reptil zwischen zwei Menschen.

Ein Alligator hilft recht gut dabei, das Konzept "social distancing" zu verstehen. Ein Viertklässler dagegen wirkt nicht ganz so bedrohlich. Vielleicht müsste man auch hierzulande eher Reptilien heranziehen. Mindestabstand eine Ringelnatter! Oder ein Jaguar, zwei Paviane, drei Waschbären oder sechs Eichhörnchen. Und warum nicht gleich: Mindestabstand zehn Blatt Klopapier?

In der kleinen Schweiz hat das Gesundheitsministerium einen größeren Mindestabstand angeordnet als in Deutschland: zwei Meter - oder sechseinhalb Toblerone-Schokoladen à 360 Gramm, der Länge nach aneinandergelegt. Das entspricht einem 2242tel der Höhe des Matterhorns. In Österreich muss man neuerdings nur noch einen Meter Abstand einhalten, das entspricht etwa zwei Apfelstrudeln. In Frankreich beträgt der Sicherheitsabstand ebenfalls einen Meter, also zwei Baguettes. Umgerechnet auf italienische Verhältnisse wären das etwa vier Packungen Spaghetti.

Weiteres didaktisches Material zum Thema findet man beim Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik in Dortmund. Das Institut bietet Arbeitsblätter mit Schätz- und Rechenaufgaben zum Mindestabstand von 1,50 Metern an, zum Beispiel: "Wie viele Kinder passen auf ein 90 mal 45 Meter großes Fußballfeld, wenn alle Kinder in alle Richtungen zueinander einen Abstand von ungefähr 1,50 Meter einhalten müssen?"

Als Zusatzfrage schlagen wir vor: Wie viele Menschen könnten sich unter Einhaltung des Mindestabstands maximal im Saarland aufhalten? Für Fortgeschrittene: Das Ergebnis in Baguettes und in Alligatoren umrechnen.

In jeder Krise passiert auch Gutes, selbst wenn man es nicht immer auf den ersten Blick erkennen kann. In dieser Kolumne schreiben SZ-Redakteure täglich über die schönen, tröstlichen oder auch kuriosen kleinen Geschichten in diesen vom Coronavirus geplagten Zeiten. Alle Folgen unter sz.de/allesgute

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