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Cirque du Soleil:Zurück in die Manege

Cirque Du Soleil's 'Viva ELVIS' News Conference

Er hatte sich schon zur Rente auf ein Privat-Atoll nahe Tahiti zurückgezogen, doch jetzt will Milliardär Guy Laliberté den Cirque du Soleil retten.

(Foto: Ethan Miller/AFP)

Zirkusgründer Guy Laliberté möchte das Unternehmen retten, welches ihn einst zum Milliardär machte. Der weltweit bekannte Cirque du Soleil ist durch Corona in eine dramatische Situation geraten.

Es ist eines der vielen Dramen, die das Virus derzeit schreibt. Fast 5000 Mitarbeiter, 95 Prozent der Belegschaft, hat der weltweit bekannte kanadische Cirque du Soleil in den vergangenen Wochen entlassen müssen. 44 Shows auf allen Kontinenten wurden abgesagt, fast 100 Prozent des Umsatzes fielen weg.

Zuletzt hatte sich das in den 1980er-Jahren von einer Gruppe von jungen Künstlern und Akrobaten aus Québec gegründete Unternehmen in einem wahren Expansionsrausch befunden. Einer der Väter, der Stelzenläufer und Pokerspieler Guy Laliberté, 60, war mit dem Zirkus zum Milliardär geworden. 2015 verkaufte er den Großteil seiner Anteile an Investoren aus den USA, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Anfang 2020 stieß er auch alle restlichen Beteiligungen ab und lobte das Leben auf seinem Privat-Atoll nahe Tahiti. Fans des Cirque du Soleil hingegen kritisierten, im Programm sei die Kreativität der Gewinnsucht gewichen.

Nun aber kündigte Laliberté, der im Jahr 2009 auch Kanadas erster Weltraumtourist war, in einem Radiointerview einen "guten Plan" an, mit dem er das Projekt aus tierfreien Zirkusnummern, Varieté, aufwändigen Kostümen und spektakulären Kulissen retten will. Allein in Las Vegas besuchten vor Corona 10 000 Menschen Abend für Abend insgesamt sieben Shows, etwa "O" in einem für den Cirque du Soleil eigens gebautem Wassertheater.

Keine Jobs für Schlangenmenschen

Doch seit 14. März läuft auch hier nichts mehr. Bedauerlicherweise gebe es "für arbeitslose Schlangenmenschen" derzeit keine LinkedIn-Angebote, klagte die Akrobatin Uranbileg Angarag im Gespräch mit der New York Times. Mehr als sieben Wochen lang musste die als Show-Act auf einer Kreuzfahrt gebuchte mongolische Schlangenfrau zuletzt in einer Schiffskabine vor der italienischen Küste ausharren. Einige ihrer Kollegen haben indes ein ergreifendes Video veröffentlicht, in dem sich erahnen lässt, wie sich Cirque-du-Soleil-Menschen im Home-Office fühlen.

Der Cirque du Soleil, das war zuletzt einerseits ein globales Unternehmen. Um die Shows von Land zu Land zu transportieren, war eine gewaltige Infrastruktur notwendig. Und der Wettbewerb um die besten Künstler verschlang viel Geld. Zugleich war der Zirkus ein Sehnsuchtsort für viele. In dem Projekt "Kooza" etwa arbeiteten Künstler aus 24 Ländern, viele davon ehemalige Profisportler. In einem riesigen Trainingszelt bereiteten sie sich auf ihre Auftritte vor. Auf Action folgte in Shows wie "Alegría" Nachdenkliches, auf Körperbetontes etwas für den Geist. Die künstlerische Gleichberechtigung von Akrobatik, Clownerie, Musik und Team war vor und hinter der Bühne stets spürbar.

Nun gehe es zunächst darum, das Hauptquartier des Zirkus in Montreal zu retten, erklärte Laliberté in einem Interview mit der kanadischen Zeitung La Presse. Er fühle sich gut unterstützt von seinen Investoren (deren Namen er nicht nannte). Es dürfte kein leichtes Unterfangen werden. Schon jetzt soll der Zirkus mit 900 Millionen US-Dollar verschuldet sein.

© SZ/lot

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Von Malte Conradi

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