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Chef des Beltrán-Leyva-Kartells:Mexikanischer Drogenboss "El H" festgenommen

Gestellter Drogenboss - "El Chapo" - das banale Ende einer langen Jagd

  • Mexikanische Sicherheitskräfte haben den Chef des Beltrán-Leyva-Kartells festgenommen. Héctor Beltrán Leyva alias "El H" galt als einer der meistgesuchten Drogenbosse des Landes.
  • Seit 2006 wurden in Mexiko mehr als 80.000 Menschen im Zusammenhang mit der Drogenkriminalität getötet, weitere 22.000 werden vermisst.

Kopfgeld von sieben Millionen Dollar

Er war einer der meist gesuchten Verbrecher des Landes. Elf Monate lang hatten mexikanische Sicherheitsbehörden ermittelt, nun können sie einen Erfolg im Kampf gegen die Mafia vermelden: Soldaten haben Drogenboss Hector Beltrán Leyva in einem Restaurant im Ferienort San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato festgenommen. Angeblich ohne einen einzigen Schuss abzugeben.

"El H", wie der 49-Jährige genannt wird, steht seit dem Tod seines Bruders Marcos Arturo im Jahr 2009 an der Spitze des Beltrán-Leyva-Kartells. Arturo war bei einem Feuergefecht von Marineinfanteristen erschossen worden. Zwei weitere Brüder von Hector Beltrán Leyva sind in Haft. "El H" ist damit der letzte der Gründer des Kartells, der noch auf freiem Fuß war. Er galt als Finanzfachmann.

Die USA hatten auf ihn ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (knapp 4 Millionen Euro) ausgesetzt. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft hatten 30 Millionen Pesos (1,8 Millionen Euro) für Hinweise geboten, die zu seiner Ergreifung führen.

Das Beltrán-Leyva-Kartell ist vor allem im Westen und Zentrum des Landes aktiv. Die Bande schmuggelt Kokain, Marihuana, Heroin und Metamphetamine in die Vereinigten Staaten und nach Europa. Im Gegenzug schaffen sie Waffen und Munition aus den USA nach Mexiko. Der Familienclan hatte dem Sinaloa-Kartell einst als bewaffneter Arm gedient bis sich die Beltrán-Leyva-Brüder 2008 abgespalten und dessen Boss Joaquín Guzmán den Krieg erklärt hatten. Zuletzt schmiedeten die Beltrán Leyvas eine Allianz mit der kriminellen Organisation "Los Zetas". Gemeinsam unterhalten sie die gefährlichsten Todesschwadronen des Landes.

80 000 Tote und 22 000 Vermisste

Seit 2006 wurden in Mexiko mehr als 80 000 Menschen im Zusammenhang mit der Drogenkriminalität getötet, weitere 22 000 werden vermisst. Seit Amtsantritt von Präsident Enrique Peña Nieto im Dezember 2012 wurden mehrere Drogenbosse gefasst oder getötet, unter ihnen auch der berüchtigte Joaquín "El Chapo" Guzmán. Nach Einschätzung von Experten schwächen die Festnahmen die kriminellen Organisationen allerdings nicht dauerhaft.

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Der Fall liefert Stoff für Bücher und Fernsehserien: Mexiko hat den meistgesuchten Mann der Welt gefasst, Joaquín Guzmán. Der Boss des Sinaloa-Kartells war jahrelang untergetaucht - nun verriet ihn ein Anruf.   Von Peter Burghardt

Die Gewaltwelle in Mexiko reißt zumindest nicht ab: Vor allem der Südwesten des Landes kommt nicht zur Ruhe. Guerrero gilt als der gefährlichste Bundesstaat. Mit knapp 62 Morden je 100 000 Einwohnern liegt die von der Drogenkriminalität erschütterte Region noch weit vor den Rauschgifthochburgen Sinaloa, Michoacán und Tamaulipas.

Mordanklage nach Militär-Massaker

Zudem gibt es in Mexiko immer wieder Vorwürfe gegen Polizei und Soldaten, die bisweilen unverhältnismäßige Gewalt anwenden. Am Dienstag hatte die Generalstaatsanwaltschaft erklärt, sie werde nach einem mutmaßlichen Massaker mit zahlreichen Toten Anklage wegen Mordes gegen drei Soldaten erheben. Das Militär hatte Ende Juni in der Ortschaft Tlatlaya im Bundesstaat México 22 Bandenmitglieder erschossen.

Die Verdächtigen hätten die Patrouille angegriffen und die Soldaten das Feuer erwidert, hatte das Verteidigungsministerium noch im Juli mitgeteilt. Zeugen widersprachen allerdings: Nur ein Verdächtiger sei während des Gefechts ums Leben gekommen. Die anderen hätten sich ergeben und seien aus nächster Nähe erschossen worden.