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Bundesweite Durchsuchungen:Razzia in Flatrate-Bordellen

Es geht um den Verdacht auf Steuerhinterziehung, illegale Beschäftigung von ausländischen Prostituierten und unhygienische Zustände: Hunderte Polizisten haben Flatrate-Bordelle in vier Städten durchsucht. Zwei Bordelle sind jetzt geschlossen.

Polizei und Justiz erhöhen den Druck auf die Betreiber sogenannter Flatrate-Bordelle. Mehrere hundert Beamte haben am Sonntagnachmittag Bordelle in vier deutschen Orten durchsucht - in Schönefeld bei Berlin, Wuppertal, Fellbach und Heidelberg. Zwei der Bordelle sind jetzt wegen hygienischer Mängel geschlossen.

Auch in Fellbach bei Stuttgart durchsuchten die Beamten ein Etablissement.

(Foto: Foto: ddp)

Kontrolliert wurden sämtliche Mitarbeiter, Prostituierte und Kunden, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen mitteilte. Die Aktion beruhe auf dem Verdacht, dass die Bordell-Betreiber Beiträge zur Sozialversicherung sowie Steuern hinterzogen haben und zudem ohne Genehmigung ausländische Prostituierte beschäftigen.

Die mehrstündige Aktion habe den Behörden zahlreiche neue Erkenntnisse geben, sagte der Polizeisprecher. So seien die hygienische Zustände in den Bordellen "erheblich mangelhaft". Es gab den Angaben zufolge mehrere Festnahmen, zwei davon in Fellbach. Zudem wurden Akten beschlagnahmt. Bundesweit seien in den Bordellen 270 Männer und 170 Frauen kontrolliert worden.

Die Bordelle in Fellbach bei Stuttgart und Heidelberg wurden noch am Sonntag von den Behörden geschlossen, der Weiterbetrieb untersagt. Die Etablissements in Schönefeld bei Berlin und Wuppertal in Nordrhein-Westfalen dürfen vorerst weiter öffnen.

Die Ergebnisse der Durchsuchungsaktion müssten nun ausgewertet werden. Nach Angaben des Sprechers könnte dies mehrere Wochen dauern. Gegen mehrere Personen werde ermittelt, da der Verdacht auf kriminelle Handlungen bestehe.

An der Durchsuchungsaktion waren den Angaben zufolge die Polizei, Staatsanwaltschaften, der Zoll sowie andere Überwachungsbehörden beteiligt. Auch die Gaststätten-, Gewerbe- und Gesundheitsaufsicht schickten Beamte. Die Koordination der Durchsuchungen erfolgte durch die Polizei in Waiblingen sowie durch Justizbehörden in Stuttgart.

Flatrate-Bordelle sind seit Anfang Juli in der politischen Diskussion. Politiker wollen die Einrichtungen verbieten. Die Bordellbetreiber werben mit Sex nach Belieben zum Festpreis.

Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) sagte, es gebe eine rechtliche Handhabe gegen Flatrate-Bordelle. "Wenn man deren Werbung ernst nimmt, ist von einem Verstoß gegen die Menschenwürde der dort arbeitenden Prostituierten auszugehen", sagte Goll. Aus seiner Sicht sei "das Selbstbestimmungsrecht der Frauen verletzt". Damit liege auch "eine Störung der öffentlichen Sicherheit vor", die Polizei und Ordnungsbehörden zum Einschreiten berechtige.

Nach Auskunft des Fellbacher Oberbürgermeisters und CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Palm arbeite man "unter Hochdruck daran, den Betrieb des Fellbacher Flatrate-Bordells in der jetzigen Form zu beenden".