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Buch über Amanda Knox:Die tödliche Windsbraut

Sie will zum Wind singen: Kurz vor dem Berufungsprozess um den Mord an der Studentin Meredith Kercher erscheint ein Buch über die verurteilte Amanda Knox. Darin erscheint sie als spirituell interessiert und voller Zukunftsträume.

Sie fühle sich wie "ein Vogel im Käfig", dabei wolle sie doch "zum Wind singen". Heiraten würde sie später gerne, ein Kind adoptieren und vielleicht Schriftstellerin werden. Das sind einige der neuen Mitteilungen über Amanda Knox, 23, die junge Amerikanerin, die im Dezember in Perugia wegen Mordes zu 26 Jahren Haft verurteilt worden ist.

U.S. murder suspect Amanda Knox arrives at the trial of slain British student Meredith Kercher in Perugia

Italienische Medien nannten die amerikanische Studentin Amanda Knox den "Engel mit den Eisaugen".

(Foto: REUTERS)

Nach Ansicht des Gerichts haben Knox, ihr italienischer Freund und ein dritter junger Mann die britische Studentin Meredith Kercher, 21, im November 2007 auf äußerst brutale Weise getötet. Und zwar, weil Kercher sich weigerte, Sex mit ihnen zu haben. Die beiden Mittäter sind zu 25 und 30 Jahren verurteilt worden. Alle drei beteuern ihre Unschuld.

Jetzt ist in Italien ein Buch erschienen, das Gespräche mit Amanda Knox im Gefängnis wiedergibt und Briefe von ihr. "Ich komme mit dir", heißt der Titel übersetzt, und vom Umschlag blickt Amanda Knox unschuldig. Verfasst hat es Rocco Girlanda, der Journalist ist und für die Berlusconi-Partei PDL in Italiens Abgeordnetenkammer sitzt. Der 44-Jährige fällt dort nicht weiter auf, ist aber auch Vorsitzender der Stiftung "Italia USA", die sich den Beziehungen beider Länder widmet. In dieser Funktion sah er sich gefordert, Knox im Gefängnis zu besuchen. Es hagelte nämlich aus den USA Verdächtigungen, die Studentin sei Opfer von Anti-Amerikanismus geworden.

Girlanda vergewisserte sich, dass Amanda Knox selbst nicht dieser Ansicht ist und ihre Haftbedingungen gut sind. Es blieb nicht der einzige Besuch Girlandas. Bei einer Vorstellung des Buchs in einem Konferenzraum der Abgeordnetenkammer sagt er, "eine tiefe Freundschaft" sei zwischen ihm und Amanda Knox entstanden - väterlich, versteht sich.

Er habe eine junge Frau kennengelernt, die ganz und gar anders sei, als die Medien sie zeigten. Über Religion und Spiritualität hätten sie gesprochen, über ihre Zukunftsträume, die Familie. Amanda habe keinen Groll gegen Italien, berichtet Girlanda, sie könne sich sogar vorstellen, dort zu leben. Sie beschäftige sich mit Schreiben, studiere per Internet weiter Sprachen und lese gerne. Er sorge dafür, dass sie Bücher habe. Besonders der Schriftsteller Alberto Moravia habe es Knox angetan, auch höre sie gerne Musik von Lucio Battista und von Fabrizio De Andrè.

Zur Frage, ob er das Urteil von Perugia anzweifelt, sagt der Abgeordnete Girlanda, er sei sich seiner institutionellen Rolle bewusst und bewerte deshalb nicht das Gericht. Persönlich aber glaube er nicht, dass jemand mit dem Charakter wie Knox eines solchen Verbrechens fähig sei. Der Erscheinungstermin des Buches sei Zufall, sagt Girlanda, er habe sich aus seinem knappen Zeitbudget ergeben. Der Zufall will jedenfalls, dass in knapp einen Monat der Berufungsprozess in Perugia beginnt.

© SZ vom 29.10.2010/beitz

Amanda Knox

Eine Zukunft mit Schrecken

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