SZ-Kolumne "Bester Dinge":Super schlechte Laune

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(Foto: Imago/SZ)

Der 17. Januar 2022 ist angeblich der mieseste Tag des Jahres. Warum die "Blue Monday"-Formel Quatsch und trotzdem eine gute Sache ist.

Von Anna Fischhaber

Am Samstag war Tag des Deutschen Schlagers. Wie jedes Jahr am dritten Samstag im Januar. Davor: Waldmännchen-Tag, Spaghetti- und zeitgleich Mandarinen-Tag, Voodoo-Tag (in Benin), Blockflötentag (international), Weltfriedenstag. Jede Menge Aktionstage Anfang Januar also, und trotzdem ist nie der Tag dabei, den man stimmungsmäßig gerade braucht. Mit dem Blue Monday ist das anders: Der dritte Montag des Jahres ist laut Cliff Arnall ein mieser Tag. Immer. Sogar eine Formel will der britische Psychologe für diesen Zustand gefunden haben: [W + (D-d)] x Tq ÷ [M x Na].

Das W steht fürs schlechte Wetter, addiert wird die Differenz aus D (über die Feiertage angehäufte Schulden) und d (noch nicht eingegangenes Januargehalt). T ist die Zeit, die seit Weihnachten vergangen ist, Q steht für die guten Vorsätze, die gescheitert sind. Geteilt wird dann durch M (Motivationslevel) x Na (Bedürfnis, wieder aktiv sein zu müssen). Seit vergangenem Jahr muss man das Ganze wohl noch mit der Coronainzidenz multiplizieren, das Ergebnis bleibt aber das gleiche: Der Tag ist scheiße.

Erstmals veröffentlicht wurde die Formel im Jahr 2005 von einem Tourismus-Unternehmen, das im Winter Reisen in die Sonne verkaufen wollte. Natürlich ist die Rechnung unseriös, Maßeinheiten fehlen, und Arnall hat sich längst entschuldigt, dass sein Blue Monday den Januar noch deprimierender gemacht habe. Dabei habe er genau das Gegenteil erreichen wollen, erklärte er einmal im The Independent: Er habe die Menschen ermutigen wollen. Noch ein Tag für Veränderungen also.

Aber wer, bitte, braucht die, wenn er endlich aus gutem Grund schlechte Laune haben darf? Zumal der Tag geschafft ist, es kann nur besser werden. Oder man suhlt sich einfach in dem wohligen Gefühl, bis mindestens zum 19. November: Da ist dann der "Have a Bad Day"-Day.

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