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Bielefeld:Arzt tot in Zelle gefunden

Arzt wegen des Verdachts von Sexualstraftaten in U-Haft

Ein Assistenzarzt des Evangelischen Klinikums Bethel soll mehrere Patientinnen vergewaltigt haben.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Der Neurologe soll zwei Patientinnen betäubt und anschließend vergewaltigt haben. Am Montag war er deshalb festgenommen worden.

Ein Arzt, der zwei Patientinnen vergewaltigt haben soll, ist tot in seiner Zelle gefunden worden. Das bestätigte der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede am Donnerstag auf dpa-Anfrage. Offenbar hat sich der Neurologe das Leben genommen. Das Westfalen-Blatt hatte zuerst über den Suizid des 32-Jährigen berichtet.

Der Mann war verdächtigt worden, im Juli und September 2019 zwei Frauen betäubt und vergewaltigt zu haben, ein Opfer sei zweimal sexuell missbraucht worden. Der Mediziner war am Montag festgenommen worden, am Dienstag hatte das Amtsgericht Haftbefehl erlassen. Eine der Frauen hatte Anzeige erstattet und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Das Evangelische Krankenhaus Bethel mit 1755 Betten, in dem der Arzt früher beschäftigt war, berichtete, dass der Mediziner bei einer MRT-Untersuchung zur Sedierung vorsätzlich ein Medikament verabreicht haben soll, das nicht den Richtlinien entsprach. Einer Mitteilung der Polizei zufolge soll er im Anschluss sexuelle Handlungen an den Patientinnen vorgenommen und diese gefilmt haben.

Der Mann sei sofort freigestellt worden, die Klinik habe den Behörden alle Dokumente und Informationen zu dem Vorfall übergeben. Der Arzt habe das Arbeitsverhältnis von sich aus beendet. Zunächst sei man nicht von einer schweren Straftat ausgegangen, so die Klinik. Ursprünglich sei wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt worden. Unklar ist bislang, ob es noch mehr Opfer gibt.

Hinweis der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

© SZ/dpa/lot/afis
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