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Bettencourt-Affäre:Razzia bei der Milliardärin

Suche nach mysteriösen Notizzetteln: Die französische Polizei hat die Villa der 87 Jahre alten Erbin des L'Oréal-Imperiums durchsucht.

Stefan Ulrich

Auf Anordnung einer Untersuchungsrichterin hat die französische Polizei am Mittwoch die Villa der 87 Jahre alten L'Oréal-Erbin und Milliardärin Liliane Bettencourt in Neuilly bei Paris durchsucht. Aus Justizkreisen hieß es, die Beamten hätten überprüft, ob der Fotograf François-Marie Banier Kunstwerke der reichsten Frau Frankreichs beiseite geschafft hat.

Hausdurchsuchung bei Multimilliardärin Bettencourt

Hausdurchsuchung bei Multimilliardärin Liliane Bettencourt im noblen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine.

(Foto: dpa)

Bettencourt hatte ihrem Vertrauten Banier seit den neunziger Jahren Gemälde, Immobilien, Schecks und Lebensversicherungen im Wert von etwa einer Milliarde Euro geschenkt. Bettencourts Tochter Françoise wirft Banier deshalb vor, er habe die psychische Schwäche der alten Dame ausgenutzt. Die Justiz ermittelt deswegen gegen Banier.

Liliane Bettencourt selbst liegt mit ihrer Tochter im Streit und wünscht, dass das Verfahren gegen Banier eingestellt wird. Ein Anwalt der Milliardärin sagte am Mittwoch, er sei nicht von der Hausdurchsuchung informiert worden. Dies sei empörend, die Justiz handele parteiisch. Liliane Bettencourt hatte Banier ursprünglich auch zum Erben eingesetzt. Wie jetzt bekannt wurde, hat sie seinen Erbenstatus mittlerweile wieder aufgehoben. "Sie hat verstanden: Was zu viel ist, ist zu viel", sagte ihr Anwalt.

In der Bettencourt-Affäre geht es nicht nur um etwaige Machenschaften Baniers, sondern auch um möglichen Steuerbetrug und illegale Parteienfinanzierung durch die Milliardärin. Die Ermittler prüfen, ob Lililiane Bettencourt die UMP-Partei von Präsident Nicolas Sarkozy rechtswidrig unterstützt hat. Im Zentrum der Untersuchungen steht auch Arbeitsminister Éric Woerth. Er wird verdächtigt, als früherer Schatzmeister der UMP heimlich Spenden Bettencourts angenommen zu haben. Geprüft wird zudem, ob Woerth als früherer Finanzminister vom Steuerbetrug Bettencourts wusste.

Wie diese Woche bekannt wurde, sprach sich Woerth in einem Schreiben vom März 2007 dafür aus, Bettencourts Vermögensverwalter Patrice de Maistre in die Ehrenlegion aufzunehmen. Woerth hatte bisher bestritten, Einfluss genommen zu haben. Im Herbst 2007 stellte de Maistre die Ehefrau Woerths bei der Vermögensverwaltung ein. Kurz darauf erhielt de Maistre die Auszeichnung der Ehrenlegion. Woerth weist alle Mauschelei-Vorwürfe zurück. Er sieht sich als Opfer einer "Menschenjagd" und "medialen Steinigung".

© SZ vom 02.09.2010/wolf

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