Alaska:Grizzly verfolgt Mann eine Woche lang

Coast Guard Air Station Kodiak aircrew rescues survivor near Nome, Alaska

In dieser Blechhütte versteckte sich der Mann vor dem Bären. Das Tier hatte bereits die Tür abgerissen.

(Foto: courtesy Coast Guard District 17)

In einer einsamen Gegend Alaskas soll der Bär immer wieder angegriffen haben. Seine Rettung verdankt der Mann einem Zufall.

Von Julius Bretzel

Was einem Mann in Alaska passiert ist, könnte Stoff für einen Abenteuerfilm bieten. Tagelang soll der Bewohner einer abgelegenen Hütte von einem Grizzlybären angegriffen und verfolgt worden sein. Nur durch einen Zufall entdeckte die Besatzung eines Hubschraubers der Küstenwache den Hilfesuchenden und rettete ihn.

Die New York Times berichtete von der etwa eine Woche dauernden Tortur, die durchaus als Fortsetzung des Thriller-Films "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio durchgehen könnte. Der Mann Ende 50 oder Anfang 60, dessen Namen nicht bekannt gegeben wurde, soll allein in einem Bergbaugebiet nahe der abgelegenen Stadt Nome unterwegs gewesen sein, als er dem Bären begegnete. Der griff ihn an und schleifte ihn an einen Fluss.

Weil er eine Pistole dabeihatte, konnte sich der Mann retten und in seine Blechhütte zurückkehren - der Grizzly folgte ihm dorthin. "Er sagte, dass der Bär jede Nacht zurückgekommen sei und er deswegen seit ein paar Tagen nicht mehr geschlafen habe", sagte Jared Carbajal, einer der Piloten des Hubschraubers. Die Waffe half dem Mann da nur noch wenig, weil die Munition knapp wurde.

Dichte Wolken zwangen den Hubschrauber zu einem Umweg

Der Hubschrauber war auf dem Weg von Kotzebue nach Nome, um einige Wissenschaftler mitzunehmen, die an der Küste nach toten Walen und Robben suchten. Den verzweifelten Mann entdeckte die Küstenwache nur, weil sie mit dem Hubschrauber vor dichten Wolken ausweichen und den Kurs ändern musste. Sie sah das SOS-Zeichen, das der Mann notdürftig auf das Hüttendach gemalt hatte. Und als sie ein zweites Mal über das Häuschen flog, entdeckte sie auch den verzweifelten Mann, der auf Knien eine weiße Flagge schwenkte und winkte.

"Er sah definitiv so aus, als wäre er schon eine Weile da draußen gewesen", sagte der Co-Pilot. Die Tür der Hütte hatte der Bär bereits abgerissen. In der abgelegenen Gegend gibt es offenbar kein Handynetz, weshalb der Mann keine Hilfe rufen konnte. Er hatte Verletzungen am Bein und am Oberkörper, die Helikopter-Crew brachten ihn nach Nome ins Krankenhaus.

Der US-Bundesstaat Alaska ist dünn besiedelt, doch die Einwohnerzahl wächst. Gleichzeitig breiten sich die staatlich geschützten Schwarz-, Eis- und Braunbären in neue Gebiete aus. Nicht selten kommt es deshalb zu Sichtungen, immer häufiger aber auch zu Konflikten zwischen Menschen und Bären.

© SZ/nas
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