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Air-France-Katastrophe:Dreieinhalb Minuten Absturz

Nach dem Fund der Flugschreiber präsentieren die Ermittler Details zum Unglücksflug AF447. Die bisherige Rekonstruktion der Katastrophe zeigt, dass die Maßnahmen der Piloten wirkungslos waren.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Flugzeugkatastrophe über dem Atlantik mit 228 Toten haben die französischen Ermittler die letzten Minuten des Fluges AF447 rekonstruiert.

Cockpit Voice Recorder of the Airbus 330 flight AF 447.

Flugschreiber der abgestürzten Maschine vom Typ Airbus 330: Anfang Mai wurde das Gerät gefunden, nun liegen erste detaillierte Ergebnisse vor.

(Foto: dpa)

Der Absturz des Airbus auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich habe dreieinhalb Minuten gedauert, teilten die Luftfahrtermittler am Freitag mit. Der Pilot hatte das Cockpit demnach wenige Minuten zuvor verlassen, um sich auszuruhen.

Ruf nach dem Kapitän

Das Flugzeug der französischen Luftfahrtgesellschaft Air France sei auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in eine Schlechtwetterfront geraten, auf das die beiden Co-Piloten die übrige Besatzung noch hingewiesen hätten.

"In zwei Minuten dürften wir in eine Zone geraten, in der es ein wenig turbulenter zugehen wird als im Moment", sagte ein Co-Pilot nach Angaben der Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA), die die beiden Flugschreiber der Unglücksmaschine seit Mitte des Monats auswertet. Während der Turbulenzen seien dann widersprüchliche Geschwindigkeitsanzeigen auf den Bildschirmen im Cockpit erschienen. Eine Anzeige habe die Piloten auf einen brutalen Abfall der Geschwindigkeit hingewiesen, erklärte die Behörde.

"Ich verstehe gar nichts"

Die Co-Piloten hätten nach dem Kapitän gerufen, der sich ausruhen gegangen sei - den Angaben zufolge ist es bei einem Flug mit dieser Art der Besatzung durchaus üblich, dass jeweils einer der drei Piloten sich hinlegen kann, sofern die beiden anderen im Cockpit bleiben. Erst nach mehrmaligen Rufen sei der Kapitän zurückgekommen, erklärte die BEA. Das Steuer habe er von dem Co-Piloten aber nicht übernommen. "Wir haben überhaupt keine verlässliche Angabe mehr", sagte einer der Co-Piloten knapp zweieinhalb Minuten vor Ende der Aufzeichnungen.

Der französische Nachrichtensender France Info hatte am Donnerstagabend unter Berufung auf die Ergebnisse der BEA berichtet, die Besatzung habe die abstürzende Maschine mit einem "klassischen" Verfahren zu retten versucht, das in der Ausbildung gelehrt werde. Dieses Vorgehen sei in dem Fall aber "ungeeignet und wirkungslos" gewesen. "Ich verstehe gar nichts", habe einer der Piloten kurz vor dem Aufschlagen des Flugzeuges auf der Meeresoberfläche gesagt, berichtete der Sender.

Die Ermittlungsbehörde hatte erklärt, sie wolle "erste Feststellungen" über die Umstände der Katastrophe veröffentlichen, weil bereits "bruchstückhafte und mehr oder weniger widersprüchliche Informationen" an die Medien durchgesickert seien. Es handele sich um "faktuelle Elemente über den Ablauf des Fluges" und "auf keinen Fall die Ursachen" des Absturzes. Ein Etappenbericht soll laut BEA bis Ende Juli vorliegen.

Die beiden "Black Boxes" waren erst vor wenigen Wochen in knapp viertausend Metern Tiefe auf dem Meeresgrund gefunden worden. Bis heute ist nicht geklärt, weshalb der Airbus der Air France am 1. Juni 2009 mit 228 Menschen an Bord ins offene Meer stürzte. Unter den Todesopfern waren auch 28 Deutsche. Gegen die Fluggesellschaft und den europäischen Flugzeugbauer Airbus ermittelt die französische Justiz wegen fahrlässiger Tötung

© AFP/grc
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