Hassverbrechen:Lebenslange Haft im Mordprozess um schwarzen Jogger

Lesezeit: 2 min

Hassverbrechen: Wanda Cooper-Jones, die Mutter des von drei Männern getöteten Joggers, im Gerichtssaal.

Wanda Cooper-Jones, die Mutter des von drei Männern getöteten Joggers, im Gerichtssaal.

(Foto: REUTERS)

Der 25-Jährige Ahmaud Arbery war durch das Viertel gelaufen, in dem die drei nun Verurteilten wohnten. Nach Überzeugung des Gerichts verfolgten sie den Mann, bedrohten ihn und einer von ihnen gab schließlich die tödlichen Schüsse ab.

Knapp zwei Jahre nach dem Mord an dem schwarzen Jogger Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die drei weißen Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 35-jährige Travis M., 35, der auf Arbery geschossen hatte, und sein 66-jähriger Vater Gregory M. erhielten keine Möglichkeit der Bewährung und zusätzlich 20 Jahre Haft, wie Richter Timothy Walmsley verkündete. Der dritte Beschuldigte William B., ein 52-jähriger Nachbar, wurde ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt, allerdings mit der Möglichkeit einer Bewährung.

Arbery war durch das Viertel der drei weißen Verurteilten in der Stadt Brunswick gejoggt. Den Ermittlern zufolge hatten die Angeklagten ihn zunächst mit ihrem Fahrzeug verfolgt und dann mit Schusswaffen bedroht. Dem Autopsiebericht zufolge wurde Arbery von zwei Schüssen aus nächster Nähe in die Brust getroffen.

Eine Jury hatte die drei Angeklagten bereits im November schuldig gesprochen, nun folgte die Verkündung des Strafmaßes. Der Schütze Travis M., 35, war von den Geschworenen des Mordes für schuldig befunden worden. Die beiden Mitangeklagten wurden unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Totschlagsdelikten schuldig befunden. In Georgia gilt für Mord und diverse Delikte, die im deutschen Recht dem Totschlag entsprächen, das gleiche Strafmaß.

Ein verstörendes Handy-Video von der Tat

Der 25-jährige Arbery war im Februar 2020 getötet worden, es wurde aber zunächst niemand festgenommen. Die Ermittlungen kamen erst richtig in Gang, als der Fall einige Wochen später durch ein verstörendes Handy-Video von der Tat national und internationale Aufmerksamkeit erlangte. Wenig später - am 25. Mai 2020 - wurde der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota getötet. Danach kam es über Monate hinweg zu Protesten gegen Rassismus und auch gegen Polizeigewalt in den USA.

Die Verteidigung argumentierte, die Männer hätten Arbery verfolgt, weil sie ihn für einen Einbrecher gehalten hätten. Arberys Mutter Wanda Cooper-Jones bat den Richter bei der Verhandlung am Freitag um die Höchststrafe für alle drei Verurteilten, nämlich lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der Bewährung. "Diese Männer verdienen die maximale Strafe für ihre Verbrechen", sagte Cooper-Jones. Der Vater des Opfers, Marcus Arbery, sagte: "Ich bete, dass niemand in diesem Gerichtssaal jemals tun muss, was wir tun mussten: Ihr Kind begraben." Richter Walmsley sagte mit Blick auf Ahmaud Arbery: "Er wurde getötet, weil Personen hier in diesem Gerichtssaal das Gesetz in die eigenen Hände nahmen."

Obwohl nur einer der Angeklagten die tödlichen Schüsse abgab, wurde auch den beiden anderen wegen Mordes an Arbery der Prozess gemacht - aufgrund ihrer Beteiligung an der Tat. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, das Handeln aller drei Männer habe zu Arberys Tod geführt. Die Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert. Zusätzlich zu dem strafrechtlichen Verfahren in Georgia sind die Männer auch noch wegen des mutmaßlich rassistischen Hintergrunds der Tat nach Bundesrecht angeklagt. Die Tat werde als "Hassverbrechen" eingestuft, hatte das Justizministerium im vergangenen April erklärt.

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