Workshop in Wolfratshausen Radfahren soll bequemer werden

Susanne Leonhard ist Beauftragte der Stadt Wolfratshausen für den Radverkehr. Sie kümmert sich um die Bearbeitung der Vorschläge und Anregungen aus dem Workshop.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Teilnehmer geben Anregungen: Überdachte Ständer vor Geschäften, bessere Verbindungen und Ausbau vorhandener Wege

Die Situation für Radfahrer in Wolfratshausen soll besser werden. Am Freitag hat dazu im Rathaus ein Workshop "Nachhaltige Mobilität" mit etwa zwanzig Teilnehmern stattgefunden. Die Stadt sei bereits Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Fahrradfreundlichen Kommunen in Bayern (AGFK), so hieß es. Trotzdem sei das Potenzial noch nicht ausgeschöpft und es könnte noch eine Menge getan werden, sagte Susanne Leonhard, Radverkehrsbeauftragte der Stadt. Außer ihr diskutierten auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW), der Wolfratshauser Polizist Tony Lechner und Birgit Sacher, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) im Landkreis, mit den Bürgern.

Ein gemeinsamer Wunsch aller sind überdachte Rad-Stellplätze vor Geschäften, insbesondere vor Supermärkten. Es sei nicht nervig, mit dem Rad bei Regen einkaufen zu fahren, so der Tenor, nur dass das Rad beim Abstellen nass werde, sei ein Problem. Leonhard berichtete, dass vor dem Rewe-Markt an der Königsdorfer Straße bereits ein überdachter Stellplatz angeboten werde, den die Kunden von Rewe wie von Aldi nutzten. Generell beklagten die Workshop-Teilnehmer einen Mangel an Fahrradständern, und zwar an solchen, an denen die Fahrzeuge mit dem Rahmen befestigt werden können. Denn dies, so die ADFC-Sprecherin, mache Diebstahl schwieriger. Auch "Radlschuppen" wurden vorgeschlagen, diese könnten vor Mehrfamilienhäusern stehen und insbesondere Senioren das Abstellen der Räder erleichtert.

Die Besucher kritisierten außerdem, dass es zu wenige oder zu schlecht ausgebaute Radwege geb. Der Radweg, der von der Bundesstraße 11 zur Wallbergerstraße führt, müsste asphaltiert oder neu mit Kies befestigt werden, so wurde gefordert. Denn gerade im Winter bildeten sich darauf Pfützen, die das Fahren erschwerten. Zudem sei die Verbindung vom Eichenweg zum Meßnergassl am Nantweiner Friedhof unübersichtlich, und eine Verlängerung des nur streckenweise vorhandenen Fahrrad-Schutzstreifens an der Pfaffenrieder Straße sei erforderlich. Leonhard sagte, es sei ein Pilotprojekt mit einem Fahrradstreifen vom Bahngleis bis zum Friedhof geplant. Dabei werde das Verhalten der Verkehrsteilnehmer gefilmt und wissenschaftlich ausgewertet. Ziel sei es, zu erfahren, ob diese auf der Fahrbahn markierten Streifen sinnvoll oder gefährlich und im Einzelfall womöglich zu schmal sind.

Annette Knott, Stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Bauen und Umwelt der Stadt Garching, war anwesend und berichtete von Änderungen im Mobilitätskonzept der Universitätsstadt. Dort fahre beispielsweise die U- Bahn zu den Hauptverkehrszeiten im Fünf-Minuten-Takt; Arbeitgeber richteten an Arbeitsstätten Duschen oder Trockenplätze für Kleidung von Radfahrern ein. Ziel sei es, möglichst viele zum Umsteigen vom Auto aufs Fahrrad zu bewegen.

Auf den Vorschlag, die Anzahl der Auto-Stellplätze in einer Stadt zu verringern, um die Bürger zum Radfahren zu motivieren, reagierten die Workshop-Teilnehmer unterschiedlich. In Wolfratshausen sei der "Autofetischismus" noch ausgeprägt, sagte einer. Der öffentliche Nahverkehr sei zu wenig ausgebaut. In Garching gebe es hingegen drei U-Bahn-Haltestellen und die Stadt sei eher für Pendler ausgelegt. Ein anderer Besucher betonte, je autogerechter man eine Stadt anlege, umso mehr werde auch Auto gefahren. Man müsse den Autoverkehr unbequemer machen als das Radfahren.

Um die Umsetzung der Wünsche bemüht sich die Projektgruppe Radroutenkonzept, so kündigte Leonhard an. Alle Vorschläge und Anregungen würden in der Gruppe besprochen und dann im Juni dem Stadtrat vorgestellt. "Die Radfahrer müssen die Straßen zurückerobern!", so lautete der Appell von Bürgermeister Heilinglechner.