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Wolfratshausen:Tengelmann schließt Filiale am Markt

"Die Straße ist tot": Nachdem Ende 2012 das Isarkaufhaus dichtgemacht hat, verliert die Wolfratshauser Innenstadt zum 31. Dezember einen weiteren zentralen Nahversorger.

Binnen Jahresfrist trifft der nächste Schlag die Wolfratshauser Innenstadt: Tengelmann schließt seine Supermarkt-Filiale am Untermarkt zum 31. Dezember. Das bestätigt Filialen-Geschäftsführer Michael Ortner. Der rund 390 Quadratmeter große Supermarkt müsste Ortner zufolge umfassend renoviert werden. Dies lohne sich aber wegen der hohen Kosten nicht. Ebenfalls im Dezember vergangenen Jahres hatte das Isarkaufhaus gleich nebenan geschlossen. Das Gebäude steht seitdem leer. Das wirkte sich auch auf das Geschäft der Tengelmann-Filiale aus. Seitdem blieben die Kunden aus, sagt Ortner. Bürgermeister Helmut Forster (BVW) zeigte sich von dieser Entwicklung überrascht. Ihm hätten die Tengelmann-Verantwortlichen signalisiert, dass die Filiale bestehen bleibe.

Entsetzt über die angekündigte Schließung des Tengelmann-Marktes: Christa Schmidt-Gelentano, die einen Rollator zum Gehen braucht und auf einen Einkaufsmarkt im Zentrum angewiesen ist.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Tengelmann-Supermarkt am Untermarkt ist laut Ortner zeit seines Bestehens noch nie renoviert worden. Die Kühl- und Stromsysteme seien mittlerweile veraltet. Teilweise seien die Drähte der Stromleitungen verschimmelt. Immer wieder habe man in der Filiale mit Stromausfällen zu kämpfen. Dies alles müsse aufwendig saniert werden, was aber zu teuer sei und sich nicht mehr rechne.

Doch nicht nur das scheint das Unternehmen dazu bewogen zu haben, den Supermarkt am Untermarkt zu schließen. "Die Straße ist tot", sagt Ortner. Seit das Isarkaufhaus geschlossen habe, kämen auch weniger Kunden in den Supermarkt. Das spüre man. Immerhin muss laut Ortner keiner der 13 Filial-Mitarbeiter mit einer Kündigung rechnen. Alle könnten in den beiden anderen Wolfratshauser Tengelmann-Märkten an der Königsdorfer und der Sauerlacher Straße weiter beschäftigt werden.

Das Ende der Filiale war in der Stadt allerdings schon länger befürchtet worden. Der Betreiber hatte den Pachtvertrag nur auf kurze Zeit verlängert. Bürgermeister Forster mochte es trotzdem fast nicht glauben. Noch vor zwei Monaten hätten ihm hochrangige Tengelmann-Vertreter zu verstehen gegeben, sie wollten die Filiale am Untermarkt weiterhin betreiben. Wenn es wirklich stimme, dass der Supermarkt schließe, sei das ein "absoluter Verlust".

Ähnlich beurteilt dies auch Manfred Fleischer, Fraktionssprecher der CSU im Wolfratshauser Stadtrat. Das Geschäft sei zentral in der Altstadt gelegen. Gerade für ältere Menschen, die nicht so gut zu Fuß seien, sei das ein "herber Verlust". Um die innenstadtnahe Grundversorgung sei es derzeit nicht gut bestellt. Andererseits gebe es immer ein Auf und Ab. Wenn ein Geschäft zusperre, könne auch wieder eines aufsperren. So habe man sich vor Jahren etwa erfolgreich dafür eingesetzt, dass ein Edeka-Markt in Waldram erhalten bleibe.

Das Wolfratshauser Stadtleben hat enorm darunter gelitten, dass das Isarkaufhaus geschlossen hat. Darin sind sich Geschäftsinhaber in der Markstraße einig. Zugleich plant das Münchner Unternehmen Kraft Baustoffe ein Einkaufszentrum auf dem Gelände der eigenen Baustoff-Niederlassung an der Sauerlacher Straße, östlich des Wolfratshauser Bahnhofs. Dort sollte eine Tiefgarage gebaut werden. Einzelhandelsflächen auf zwei Etagen und insgesamt 6000 Quadratmeter waren nach ersten Planungen vorgesehen.

Dazu sollte auch ein 2500 bis 3000 Quadratmeter großer Supermarkt gehören. Die Pläne hat der Bauausschuss des Wolfratshauser Stadtrats im Juli im ersten Anlauf abgelehnt. Die Stadträte hielten ein viel gründlicheres Verfahren für notwendig. Doch schon damals hatte Reiner Berchtold gesagt, dass die SPD das Vorhaben "grundsätzlich positiv" sehe. Gerade ein Vollsortimenter könne für die Innenstadt wichtig werden, wenn der Supermarkt am Untermarkt einmal schließe.

Eine Alternative zur Supermarkt-Filiale am Untermarkt sei ein Supermarkt östlich des Wolfratshauser Bahnhofs aber nicht, sagte Josef Praller (BVW) am Rande der Sportlergala vergangenen Freitag. Dafür sei dieser zu weit von der Altstadt entfernt.