Wolfratshausen:Stimmgewaltig für den Frieden

Wolfratshausen: Mit Stimmkraft, aber auch im Pianissimo überzeugten die vier Sänger vom Peterquartett aus St. Petersburg.

Mit Stimmkraft, aber auch im Pianissimo überzeugten die vier Sänger vom Peterquartett aus St. Petersburg.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Gitarrenduo Kloiber-Janssen und Petersquartett geben bayrisch-russisches Konzert im Bergkramerhof

Von Reinhard Szyszka, Wolfratshausen

Das Konzept kommt an: Schon zum vierten Mal hat jetzt das vorweihnachtliche Konzert mit dem Petersquartett aus St. Petersburg stattgefunden, und auch diesmal war der Saal im Bergkramerhof trotz Regenwetter sehr gut gefüllt; es mussten sogar einige zusätzliche Stühle beigestellt werden. Die Veranstalter hatten sich entschlossen, das Konzert nicht nur, wie in den vergangenen Jahren, als bayrisch-russisches Freundschaftskonzert, sondern angesichts der jüngsten weltpolitischen Ereignisse auch als Friedenskonzert anzukündigen. Präsident Josef Hingerl spannte in seinem Grußwort den Bogen von den Russlandfeldzügen Napoleons über die beiden Weltkriege bis zu den Terroranschlägen der Gegenwart. "Wir haben wirklich im Paradies gelebt", meinte er im Hinblick auf den Frieden, der seit 70 Jahren herrscht. Der sei nun in Gefahr.

Das Konzert war in zwei Teile gegliedert: besinnlich und ernst vor der Pause, fröhlich und heiter danach. Hans Dondl, sonst als Harfenist bekannt, führte diesmal als Moderator durch das Programm. Für die bayrischen Klänge war das Gitarrenduo Kloiber-Janssen zuständig. Stubnmusi, eigentlich für Zither oder Hackbrett gedacht, klingt auf der Gitarre genauso schön, wenn man das Instrument so beherrscht wie Sepp Kloiber und Hannes Janssen. Die beiden Gitarristen können aber auch singen, natürlich bayrisch-alpenländisches Liedgut, und zu ihrer Verstärkung stand Sigi Gruber als Nur-Sänger mit auf der Bühne. Vokale und instrumentale Stücke wechselten sich ab, und Dondl trug mit Anekdoten ebenfalls zur Auflockerung bei. Die Erzählung vom desertierten Hund, die er aus einem Buch des früheren Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher vorlas, zog sich trotz Kürzungen in die Länge und strapazierte die Geduld der Zuhörer.

Dann hatten die Stars des Abends ihren Auftritt, die vier Sänger aus St. Petersburg, die sich 1994 zum Petersquartett zusammengeschlossen haben. Der Leiter der Gruppe, Igor Krushelnjetski, verfügt selbst über einen profunden Bass und begleitet bei Bedarf auf dem Keyboard. Neben ihm sind die beiden Tenöre Arseni Garibian und Anatoli Lumonov Männer der ersten Stunde. Zum ersten Mal mit von der Partie war der Bariton Alexander Bogdanov. Die vier Stimmen harmonieren prächtig, und sie können nicht nur schmettern, dass die Wände wackeln, sondern auch überaus kultivierte Pianissimo-Töne produzieren. Die Sänger begannen natürlich mit russischen Werken, Rachmaninoff und Mussorgsky. Dann aber gab es eine Überraschung: "O Lamm Gottes unschuldig" von Max Reger, ein Stück voll farbiger Harmonien und chromatischer Stimmführung. Beim nachfolgenden Händel-Werk erinnerte die Instrumentenimitation fast an die King's Singers. Ein geschmacklicher Ausrutscher: Schuberts "Ave Maria", schmalzig-opernhaft gesungen. Auf diesen Programmpunkt hätte man gerne verzichtet.

Im zweiten Teil machten wieder Kloiber, Janssen und Gruber den Anfang. Sie bezeichneten es als Mut, nach den stimmgewaltigen Herren aus St. Petersburg die Bühne zu betreten. "Bei uns klingt's wie drei, bei denen wie acht", erklärten sie bescheiden. Jetzt standen natürlich die heiteren Stücke im Vordergrund, wie der "Steirische Landler", der ein gründlich missglücktes Fensterl-Abenteuer schildert. Der Höhepunkt dieses Teils aber war zweifellos der Tölzer Schützenmarsch in einer Gesangsversion. Hannes Janssen ließ sich hier als Sänger und zugleich als sein eigener Begleiter auf der Gitarre hören.

Danach kamen wieder die Petersburger an die Reihe, und jetzt sangen sie die unverwüstlichen russischen Ohrwürmer wie "Dorogoj dlinnoyu" oder das Wolgaschiffer-Lied "Hej uknem"; auch die unvermeidlichen "Abendglocken" durften nicht fehlen. Hier waren die Sänger in ihrem Element, untermalten den Gesang mit Schlagwerk und animierten das Publikum zum Mitklatschen.

Ganz zuletzt durften die Zuhörer sogar mitsingen: Zum Lied "Nehmt Abschied, Brüder" versammelten sich alle Mitwirkenden des Abends auf der Bühne und verabschiedeten sich bis zum bayerisch-russischen Freundschaftskonzert im kommenden Jahr.

© SZ vom 23.11.2015
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