bedeckt München 22°

Wolfratshausen:Runderneuerte Bergunterkunft

Etwa 100 Hubschrauberflüge waren notwendig, um schweres Baumaterial zur Tutzinger Hütte zu bringen.

(Foto: oh)

Die Tutzinger Hütte ist eine der beliebtesten im deutschen Alpenraum. Nun hat sie auch mehr Übernachtungsplätze

Von Klaus Schieder

Benediktbeuern - Die Tutzinger Hütte liegt auf 1327 Metern Höhe am Fuß der Nordwand der Benediktenwand. Wer sie erreichen möchte, muss gut zu Fuß sein. Für Autos oder gar Lastwagen führt kein Weg hinauf, weshalb die Generalsanierung des aus Holz errichteten Berghauses eine logistische Herausforderung war. 100 Mal mussten Hubschrauber voriges Jahr starten und landen, um schweres Material für die Baumaßnahmen zu transportieren. Mit einem neuen Blockheizkraftwerk, zusätzlichen Fotovoltaik-Anlagen und einem anderen Batteriesystem wurde die Energieversorgung modernisiert, darüber hinaus die Kläranlage saniert und der Hüttenanbau aufgestockt. "Die Hütte ist wie runderneuert", sagt Wirt Hans Mayr, der zusammen mit Elke Hofmann die Besucher betreut. Dem Saisonbetrieb, der gerade begonnen hat und bis zum 1. November dauert, könne man "ganz entspannt entgegensehen".

Die Tutzinger Hütte gehört mit mehr als 7000 Übernachtungen und rund 4000 Tagesausflüglern pro Jahr zu den meistbesuchten im deutschen Alpengebiet. Das sei schon erstaunlich, denn immerhin sei sie ja nicht ganz leicht zu erreichen, sagt Konrad Kürzinger, Sprecher der DAV-Sektion Tutzing. Von Benediktbeuern aus führen lediglich zwei Routen in gut zwei Stunden zu dem Haus: die eine vom Alpenwarmbad aus über die Kohlstattalm und einen Serpentinensteig, die andere über das Lainbachtal und die Söldneralm. Wer in Lenggries, Kochel am See oder in der Jachenau losgeht, benötigt die doppelte Zeit.

Dass dennoch so viele Gäste kommen, erklärt Kürzinger unter anderem mit dem Traumpfad München-Venedig: Nach Wolfratshausen und Bad Tölz sei die Hütte eine der ersten Stationen auf dem Fernwanderweg, und die erste überhaupt in den Bergen. "Das trägt zu der starken Frequentierung bei", sagt er. Bergsteiger können von der Hütte aus die Westflanke der Benediktenwand erklimmen.

Rund 300 000 Euro hat die Tutzinger Sektion in die Generalsanierung der Hüttentechnik gesteckt, einen Teil davon trägt der DAV-Hauptverein. Das neue Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme liefert, ist gasbetrieben und hat einen Gesamtwirkungsgrad von 96 Prozent. Die als Energiespeicher dienende Batterieanlage wurde komplett ausgetauscht, die Fotovoltaikanlage deutlich erweitert. Auch die mechanisch-biologische Kläranlage wurde nach 23 Jahren auf einen zeitgemäßen Stand gebracht: Das Herzstück sei nun "eine Filterbeet-Anlage, die aus zwei mit Blähbetonkügelchen gefüllten Teichen besteht, in denen das Abwasser biologisch gereinigt wird", berichtet Kürzinger. Das ist noch nicht alles. "Weil die ganze Maschinerie schon am Laufen war, haben wir gleich noch im Anbau der Hütte einen komfortablen Selbstversorgerraum geschaffen", teilt der Vorsitzende der DAV-Sektion Tutzing, Axel Reisacher, mit. Damit werde die Zahl der Übernachtungsplätze auf knapp 110 erhöht. Das sind etwa zehn Prozent mehr als bisher. An manchen Wochenenden kam es früher ob des Besucherandrangs zu Engpässen - die könne man nun entschärfen, hofft Reisacher.

Elke Hofmann und Hans Mayr müssen die Gäste im Bergsommer nicht alleine bedienen. Vier Helfer gehen ihnen zur Hand, einer von ihnen ist der Nepalese Eka. Vielen Touristen sei er schon seit Jahren bekannt, sagt Kürzinger. Wegen des schweren Erdbebens in seinem Heimatland sei diesmal aber noch unsicher, ob und wann er kommen könne. Bei der Katastrophe sei sein Haus eingestürzt, ansonsten hätten er und seine Familie das Beben unverletzt überstanden, sagt der Sektionssprecher.

Die Investition von rund 300 000 Euro stellt die Alpenvereinssektion Tutzing, der Mitglieder unter anderem aus Penzberg, Bichl, Benediktbeuern und Kochel angehören, finanziell nicht vor große Probleme. "Wir wussten ja, was gemacht werden musste, in den letzten vier, fünf Jahren haben wir Rücklagen gebildet", erzählt Sprecher Kürzinger. "Deswegen geht das ganz vernünftig."

Wer auf der Tutzinger Hütte übernachten möchte, sollte rechtzeitig Schlafplätze reservieren, Telefon 0175-164 16 90 oder im Internet (www.dav-sektion-tutzing.de/Anfrage Reservierung.html). Vor allem an den Wochenenden ist die Hütte oftmals ausgebucht. Weitere Informationen gibt es im Internet (www.dav-tutzinger-huette.de).

© SZ vom 06.05.2015

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite