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Wolfratshausen:Refugium für Flüchtlinge

Der Helferkreis eröffnet ein Asyl-Zentrum mit Computerraum für Online-Sprachkurse, Kinderzimmer, Kleiderkammer und Küche. "Hier bündelt sich alles", sagt die Vorsitzende Ines Lobenstein

Kinder, Neugierige, Flüchtlinge und Politiker drängten sich am Donnerstag auf 100 Quadratmetern in Wolfratshausen, mittendrin Helfer und Spender. Der Grund für den Trubel: die offizielle Eröffnung des Asylzentrums im Obermarkt 7, die mit einem Nachmittag der offenen Tür verbunden war. "Kommen Sie herein, sehen Sie sich um", begrüßte Ines Lobenstein die Besucher. Sie ist die Vorsitzende des Helferkreises Wolfratshausen, der das Asylzentrum betreibt.

"Hier bündelt sich alles", stellte Lobenstein die Einrichtung vor. Es gibt einen Computerraum, eine Kleiderkammer, ein Kinderzimmer und eine Küche als Treffpunkt. Die Wohnung im zweiten Stock im Obermarkt 7 gehört der Erzdiözese München, die ein Drittel der Miete zahlt. Den Rest teilen sich die Stadt Wolfratshausen und der Helferkreis. Dieser wächst unaufhörlich. Im September setzten sich 70 Menschen für die Flüchtlinge in Wolfratshausen ein, mittlerweile sind es bereits 115. "Wir haben schon wieder neue Anmeldungen", sagt Lobenstein. Doch die vielen Helfer würden dringend gebraucht, "da die Zahl der Asylbewerber ständig steigt". Derzeit leben 140 in Wolfratshausen. "Wir müssen die Menschen unterbringen", sagt Thomas Bigl vom Landratsamt. "Aber Sie machen die Arbeit." Schließlich sollen die Flüchtlinge eine Heimat finden, einen Ort, an dem sie Fuß fassen könnten. "Das geht nur, wenn sie wahrgenommen werden und unterstützt werden."

So international die Gäste bei der Eröffnung des Asylzentrums war auch das Buffet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Helferkreis tut das im Asylzentrum ganz konkret. Im Computerraum werden zum Beispiel Online-Sprachkurse gegeben. Gisela Weber-Grunwald kümmert sich darum, dass die Flüchtlinge konzentriert Deutsch lernen können. Ein riesiges Problem war das anfangs mit den Müttern. "Ich wollte unterrichten, hatte dabei aber oft ein Baby auf dem Arm, Kleinkinder wuselten herum", erzählt sie. Deswegen gibt es das große Kinderzimmer im Asylzentrum. "Jeden Vormittag werden die Kleinen betreut, damit ihre Mütter in Ruhe lernen können."

Am Nachmittag gehört der Raum dann den größeren Mädchen und Jungen. "An Schultagen wird immer ab 14 Uhr Hausaufgabenbetreuung gemacht", erzählt Weber-Grunwald. Außerdem wird mit den Schülerinnen und Schülern auch Deutsch gepaukt. "Wir sagen das allen Flüchtlingsfamilien, dass sie ihre Kinder zu uns schicken sollen, weil sie sonst im Unterricht nicht mitkommen." Die Betreuung organisiert Barbara Korseska im Helferkreis, ebenso die Kleiderkammer.

Auch die Caritas ist im Obermarkt 7 in Wolfratshausen zuhause.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Es ist Wahnsinn, wie sich die Wolfratshauser engagieren", stellt sie immer wieder erstaunt fest. Manchmal müsse sie Kleiderspenden auch abweisen, "aber nur aus Platzgründen und weil wir ganz konkret Dinge brauchen". Dazu gehörten eben nicht Säcke von wahllos zusammengestellten Klamotten. Im Moment ist Winterkleidung gefragt, vor allem für Kinder. "Und Babysachen brauchen wir dringend." Einmal pro Woche wird Kleidung ausgegeben, einmal angenommen. Die Zeiten stehen an der Eingangstür der Wohnung, aber auch im Internet (www.asylinwor.de). "Wir können aber auch ganz flexibel Termine ausmachen, falls jemand etwas vorbeibringen möchte", sagt Barbara Korseska.

Sie wird bei der Eröffnung des Asylzentrums ständig gefragt: "Was brauchen Sie? Wie kann ich helfen?" Eine Frau möchte bei der Kleinkinderbetreuung mitwirken. "Das ist ja wunderbar, genau an diesem Tag haben wir eine Lücke, aber wir müssen in Ruhe darüber reden." Schnellschüsse machen die Helfer bei den Helfern nämlich nicht. Sie schauen genau hin.

Ganz genau will sich Gisela Weber-Grunwald auch das Mitbringsel anschauen, dass der SPD-Ortsvorsitzende Hans Gärtner in einer Tüte zur Eröffnung mitgebraucht hat. Lauter bunte Bilderbücher, jeder Band für einen Buchstaben im ABC. "Das ist aber nur für ganz Kleine", heißt es bei der Begutachtung. Eine andere Frau ist gekommen, um sich zu beschweren. Sie habe schon öfters angerufen, weil sie beim Helferkreis mitmachen will, aber noch keinen Rückruf erhalten, klagt sie. Weber-Grunwald entschuldigt sich: "Ich arbeite zwar nur ehrenamtlich, aber hatte in den letzten Wochen absolut keine Zeit für Rückrufe."