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Wolfratshauser Verwaltung:Frische Brise für das Rathaus

Kirsten Vogler kannte die Region bereits durch Wanderungen, nun hat die Niedersächsin einen - zumindest geografisch - großen Schritt gewagt: Sie ist von Lingen im Emsland rund 800 Kilometer weiter in den Süden nach Wolfratshausen gezogen, um die Geschäfte im Rathaus zu führen[FOTOCREDIT].

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Kirsten Vogler ist die neue Geschäftsleiterin in Wolfratshausen. Zuvor war die 55-jährige Niedersächsin Büroleiterin des Oberbürgermeisters in Lingen, der größten Kommune des Emslandes. In der Loisachstadt will sie nun eigene Akzente setzen und Mitarbeiter zu Ideen ermutigen.

Von Konstantin Kaip

Die neue Geschäftsleiterin im Wolfratshauser Rathaus haben inzwischen alle Stadträte gesehen: Kirsten Vogler, die den Posten seit Anfang April besetzt, hat in ihren ersten Tagen auch an den Sitzungen teilgenommen und wurde von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) vorgestellt. Im Sitzungssaal und in der Loisachhalle war sie zwar bislang nur Zuhörerin. Das wird sich aber bald ändern. Denn als Leiterin des neuen Referats 1 soll sie nicht nur für die zentrale Verwaltung, das Büro des Bürgermeisters und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein, sondern auch als Schnittstelle der verschiedenen Referate das Projektmanagement gestalten. Die blond gelockte 55-Jährige hat eine zentrale Rolle in der neu geordneten Verwaltungsstruktur übernommen, in der sie künftig sehr präsent sein dürfte. "Wir sind alle sehr glücklich, dass sie da ist", sagt Heilingechner.

Das liegt nicht nur daran, dass Vogler eine lange vakante Schlüsselposition besetzt. Nach dem plötzlichen Ausscheiden von Roland Zürnstein als Leiter des Amtes 1 musste Bauamtsleiterin Susanne Leonhard den Posten in Doppelfunktion übernehmen. Das habe zwar übergangsweise gut funktioniert, auch weil Leonhard die zwei Ämter "auf unglaublich engagierte Weise" geführt habe. Die Vakanz habe aber auch gezeigt, wie anfällig die bisherige Verwaltungsstruktur im Rathaus bei Ausfällen gewesen sei. Deshalb hat man zu Jahresbeginn aus zwei Ämtern sieben Referate gemacht und die Geschäftsleitung ausgeschrieben. Vogler erhielt den Zuschlag vor allem wegen ihrer einschlägigen Erfahrung: Sie war zuletzt Büroleiterin des Oberbürgermeisters in Lingen, der größten Kommune des Emslandes. Mehr als 25 Jahre lang sei sie für die niedersächsische Stadt tätig gewesen, erzählt Vogler, die direkt nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium in die innere Verwaltung ging. Ihr Posten in Wolfratshausen sei daher "kein fremdes Terrain", sagt sie. "Die Aufgaben habe ich alle schon einmal selbst bearbeitet." Allerdings sei jede Verwaltung anders, deshalb müsse sie sich erst noch mit der Kultur und den Abläufen im Wolfratshauser Rathaus vertraut machen.

Zumindest geografisch kann man ihren neuen Job aber als großen Schritt bezeichnen: Lingen liegt immerhin mehr als 800 Kilometer entfernt von der Loisachstadt, in der Vogler inzwischen eine Wohnung bezogen hat. "Ich bin hier angekommen", sagt sie. Ihre Familie, bestehend aus ihrem Mann, der auch im öffentlichen Dienst tätig ist, drei erwachsenen Söhnen und einem Hund, werde bald nachziehen. "Die Entscheidung für Wolfratshausen war keine einsame", betont die Niedersächsin. "Sie wurde im Familienrat beschlossen." Ein unbekannter Fleck auf der Landkarte war ihre neue Wirkungsstätte nicht. Als leidenschaftliche Wandererin kannte Vogler Wolfratshausen und die Region bereits. "Ich wusste, worauf ich mich einlasse."

Auf die Frage, welche Unterschiede sie bereits zur Verwaltung von Lingen - mit mehr als 55 000 Einwohnern schließlich doppelt so groß wie Wolfratshausen - ausgemacht habe, überlegt Vogler kurz. "Die Gegend hier ist schöner", sagt sie dann - und schwärmt auch von dem schönen alten Wolfratshauser Rathaus. "Wobei ich damit nicht sagen will, dass das Emsland nicht schön ist." Zu den Vorteilen ihrer neuen Arbeitsstelle gehört, dass sie es zum Skifahren, einem ihrer anderen Hobbys, nicht mehr weit hat. Anders ist das mit dem Radfahren. Im flachen Emsland sei sie mit ihrem Hollandrad gut zurechtgekommen, erzählt die 55-Jährige. "Das wird hier ganz schön anstrengend." Am meisten verlangt ihr derzeit jedoch die Einarbeitung in ihre neuen Aufgaben ab. Derzeit sei sie vor allem viel mit Lesen beschäftigt, sagt Vogler. "So ganz genießen konnte ich die Umgebung hier noch nicht. Ich bin im Moment froh, wenn ich es schaffe, mal rauszukommen."

Ihr Aufgabenspektrum im Rathaus klingt dann auch so, als könne sie sich nicht über Mangel an Arbeit beklagen: Als Geschäftsleiterin müsse sie "für einen reibungslosen Ablauf des Dienstbetriebs" sorgen, sagt Vogler. Dazu werde sie Stadtratssitzungen betreuen, sei für die EDV-Leitung, die zentrale Verwaltung mit Beschaffung und Poststelle und die Städtepartnerschaften zuständig. Zu ihrem Referat gehören laut Organigramm der Stadt auch die Öffentlichkeitsarbeit mit Betreuung der Zeitschrift "Wolfratshausen aktuell" und das im Stadtrat geforderte Projekt- und Prozessmanagement. Dafür soll Vogler bei größeren fachübergreifenden Projekten wie der Schulentwicklung die verschiedenen beteiligten Referate in einen Austausch bringen und regelmäßige Sachstandsberichte geben. "Es muss ineinanderfließen", sagt Bürgermeister Heilinglechner.

In Lingen war Vogler auch Demografiebeauftragte der Stadt und hat zudem als Projektmanagerin ein Konzept für Lieferdienste in der Innenstadt entwickelt. Auch in ihrer neuen Wirkungsstätte will sie eigene Akzente setzen. "Es liegt in meiner Natur, dass ich das ein oder andere anstoßen möchte", sagt sie. Dazu wolle sie auch Mitarbeiter in der Verwaltung ermutigen. "Ich rate jedem, wenn er eine Idee hat, sie auch mitzuteilen." Die Stadt Wolfratshausen, sagt Heilinglechner, könne von Voglers Erfahrung profitieren. "Wir sind für jede Anregung dankbar."

© SZ vom 05.05.2021
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