Wolfratshausen:"Inhaltliches und emotionales Potenzial"

Der Historische Verein Wolfratshausen freut sich über das Engagement von Schülern für seine Themen. Paul Brauner verlässt den Vorstand

Der Vorstand des Historischen Vereins Wolfratshausen besteht für die kommenden zwei Jahre in seiner bisherigen Formation weiter: Die Mitglieder bestätigten die Vorsitzende Sybille Krafft und deren Stellvertreter Bernhard Reisner bei der Hauptversammlung in evangelischen Pfarrheim einhellig in ihren Ämtern, ebenso Schatzmeister Harald Stebner, Schriftführer Wolfgang Schäl-von Gamm und als Beiräte Justine Bittner, Anja Brandstäter, Eva Greif, Hannelore Greiner, Annekatrin Schulz und Kaija Voss.

Eine als sehr schmerzhaft empfundene Veränderung musste der Verein allerdings hinnehmen: Paul Brauner, sechs Jahre lang überaus aktiv, widerstand allen Bemühungen, ihn im Vorstand zu halten. Irgendwann müsse Schluss sein, sagte Brauner, er müsse im Historischen Verein nicht auch noch selber historisch werden. Er arbeite aber gern weiterhin mit, sofern sich dies als notwendig erweise. Daran, dass sie weiter auf ihn setzt, ließ Krafft denn auch keinen Zweifel. Brauner sei als Ur-Wolfratshauser einfach unersetzlich, man lasse ihn "nur ganz, ganz ungern" gehen.

In seinem Rechenschaftsbericht rief Reisner die Arbeitsschwerpunkte der vergangenen zwei Jahre in Erinnerung. Highlight sei das arbeitsintensive, mehr als 200 Seiten umfassende Buchprojekt zur Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal gewesen, das der Verein vor einer ausverkauften Loisachhalle präsentierte. "Fulminant" war Reisner zufolge auch die Veranstaltung zum Thema NS-Bücherverbrennung, mittlerweile habe man es schon zum wiederholten Male geschafft, die Loisachhalle mit einem begeisterten Publikum zu füllen. Man habe es nicht einmal zu hoffen gewagt, 700 Gäste in die Halle zu bekommen, ergänzte Krafft. Daran, dass sich alle weiterführenden Schulen beteiligten, lasse sich "das inhaltliche und emotionale Potenzial erkennen, das in unserer Arbeit steckt". Auf die Bereitschaft von Schülern, an der Aufarbeitung der Geschichte des DP-Lagers Föhrenwald mitzuarbeiten, verwies auch Eva Greif: Schüler hätten sieben Gesprächspartner interviewt und die Ergebnisse in einem Kurzfilm zusammengefasst.

Statistisches zum Thema Mitgliederentwicklung und Finanzen trug Stebner bei. Demnach war die Fluktuation sehr gering: zehn Austritte, ebenso viele Eintritte, und drei prominente Todesfälle - der ehemalige Wolfratshauser Stadtpfarrer Ulrich Wimmer, Pfarrerin Kirsten Jörgensen und der Vorsitzende des Osteuropahilfe-Vereins, Richard Dimbath. Die Zahl der Mitglieder ist 2014 damit insgesamt geringfügig zurückgegangen: von 274 auf 271.

Die finanzielle Situation ist geprägt von erheblichen Kontenbewegungen, die durch die hohen Kosten für die Buchproduktion entstehen, aber durch die Verkaufserlöse nach und nach wieder kompensiert werden. Ende 2014 standen 41 722 Euro an Ausgaben an, die Summe der Einnahmen belief sich bis dahin auf 22 419 Euro.

Ohne Gegenstimme wurde eine Satzungsänderung akzeptiert, die Stebner zufolge auf Druck des Finanzamts nötig wurde. Sie regelt die Verwendung des Vereinsvermögens für den Fall, dass sich der Historische Verein Wolfratshausen auflösen sollte. Demnach würde das verbleibenden Geld an den Badehaus-Verein übergehen. Sollte der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald dann nicht mehr bestehen, müsste das Geld einem anderen Verein übertragen werden. Dieser hätte es unmittelbar und ausschließlich für kulturelle oder gemeinnützige Zwecke zu verwenden.

© SZ vom 23.06.2015 / SZ
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