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Wolfratshausen:Historischer Verein protestiert gegen Abriss

Das geschichtsträchtige Haus in der Alpenstraße soll nach dem Willen des Eigentümers für moderne Wohnungen Platz machen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Gebäude in der Alpenstraße 14 in Wolfratshausen soll nun vier Reihenhäusern weichen - obwohl es Teil eines geschützten Ensembles ist

Der Historische Verein Wolfratshausen konnte Anfang des Jahres einen Erfolg verbuchen: Nach zahlreichen Protestaktionen für den Erhalt des historischen Gebäudes an der Alpenstraße 14 hatte Bürgermeister Klaus Heilinglechner Ende Januar verkündet, dass der Eigentümer auf den vom Landratsamt genehmigten Abriss des Hauses in dem geschützten Ensemble verzichten werde. Noch vor Jahresende kommt nun die Ernüchterung: Das Haus soll doch abgerissen werden - um dort vier Reihenhäuser zu errichten. Der Bauausschuss muss am Mittwoch über einen entsprechenden Antrag entscheiden. Der Historische Verein fordert die Stadträte in einem offenen Brief auf, dem Vorhaben nicht zuzustimmen. Für kommenden Samstag ist zudem eine erneute Protestaktion vor dem Haus geplant.

"Mit Entsetzen" habe man zur Kenntnis genommen, dass der Besitzer das Anwesen abreißen lassen möchte und vier Reihenhäuser "in das bislang intakte architekturhistorische Umfeld stemmen will", schreibt die Vereinsvorsitzende Sybille Krafft. Der Historische Verein bitte die Mitglieder des Bauausschusses, dem "ohnehin völlig überdimensionierten" Bauantrag nicht zuzustimmen. Die Architekturhistorikerin Kaija Voss hat dem Brief eine bauhistorische Einordnung beigefügt. Das Ensemble trage zusammen mit dem Badehaus Waldram und dem Geretsrieder Rathaus "wesentlich zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Architektur bei". Die Siedlung an Schießstätt- und Alpenstraße, die in der Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege geführt wird, entstand in der Zeit von 1936 bis 1939 nach dem Entwurf von Theo Lechner unter dem Namen "Isarleiten" für höhere Angestellte der Geretsrieder Rüstungsbetriebe. Laut Voss handelt es sich um eines der wenigen noch komplett erhaltenen Ensembles im ideologisch geprägten Stil der NS-Zeit.

Nach aktueller Rechtslage wäre ein Abriss auch gar nicht möglich. Schließlich wurde im vergangenen Jahr in Bayern ein neues Denkmalgesetz verabschiedet, dass den Abriss einzelner Gebäude in einem geschützten Ensemble nicht mehr erlaubt. Der Eigentümer hatte jedoch vor der Gesetzesänderung Anfang 2017 eine Abrissgenehmigung vom Landratsamt erhalten. "Die kurzfristige Gesetzeslücke, die der Besitzer damals bei seinem Antrag auf Vorbescheid ausgenutzt hatte, ist inzwischen längst - einstimmig (!) - vom Bayerischen Landtag geschlossen wurde", betont Krafft in dem Schreiben.

Der Antrag auf der Tagesordnung der Bauausschusssitzung habe sie und ihre Mitstreiter "völlig überrascht", sagt Krafft. Auch Vorstandsmitglied Ludwig Gollwitzer, der immer wieder mit dem Hausbesitzer Kontakt gehabt habe, habe von den neuerlichen Abrissplänen nichts gewusst. Nun sei es wichtig, "dass sich jeder dagegen stemmt, um das wertvolle Gebäude zu erhalten".

Die Wolfratshauser Bauamtsleiterin Susanne Leonhard weist darauf hin, dass der Eigentümer seit Februar 2017 einen Vorbescheid habe, der den Abriss erlaube. Er habe zunächst angekündigt, darauf "unter bestimmten Voraussetzungen" zu verzichten. Diese seien aber nicht eingetreten. So sei er bereit gewesen, das Haus stehen zu lassen, wenn ihm zusätzliche Bebauung im Garten gewährt worden wäre. Das sei aber letztlich am Landesamt für Denkmalpflege gescheitert. Der Historische Verein will nun mit einer neuen Protestaktion am Samstag "ein sichtbares Zeichen setzen, dass die Bürger zu ihrem architektonischen Erbe stehen", sagt Krafft - "auch wenn es aus dunklen Zeiten stammt". Das Ensemble sei ein "steinerner Zeitzeuge", der für kommende Generationen erhalten werden müsse.

Bauausschuss, Mittwoch, 12. Dezember, 18 Uhr, Sitzungssaal Rathaus; Demonstration vor der Alpenstraße 14, Samstag, 15. Dezember, 11 Uhr. Die Teilnehmer sollen Lampen oder Laternen mitbringen.