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Golfsport:Dieser Golfplatz will nicht exklusiv, sondern öko sein

Mike Horlacher (links) und Clubpräsident Josef Hingerl zeichnen verantwortlich für das Pionierprojekt eines ökologischen Golfplatzes.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ein Klub in Wolfratshausen wendet sich ab vom gängigen Ideal und setzt zur Rasenpflege statt auf Chemikalien ganz auf ökologische Bewirtschaftung. Motto: "Braun ist das neue Grün."

Wegen des Wasserbedarfs, dem Einsatz von Chemikalien sowie der Verdrängung von blühenden Naturräumen durch Kurzgrasrasen steht der Golfsport vielerorts in der Kritik. Dem gemeinen Golfer wird gerne Exklusivität vorgeworfen und nachgesagt, zur Befriedigung seiner Spiellust auf Kosten des Klimas Golfplätze auf der ganzen Welt abzufliegen. Entsprechend schlecht ist oft die Wahrnehmung des Sports in der Öffentlichkeit. Der Präsident des Wolfratshauser Golfplatzes am Bergkramerhof, Josef Hingerl, möchte mit diesen Vorurteilen aufräumen. "Wir betreiben unseren Golfplatz ökologisch und möchten weg vom Image der Exklusivität", erklärt der 71-Jährige.

Was den Golfplatz Bergkramerhof von den vielen anderen in Deutschland unterscheidet: Er verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf den Einsatz von Pestiziden und fördert die Artenvielfalt auf dem Gelände durch Blühwiesen, Waldsäume und Teiche. So gibt es zwischen den kurz gehaltenen Golfrasen Wiesenflächen, die nur einmal im Jahr gemäht werden. Um die Schonung dieser Bereiche bei Spielbetrieb zu sichern, führten die Verantwortlichen ökologische Spielregeln ein, die das Betreten der Flächen verbieten. Genutzt werden die neu geschaffenen Blühwiesen dennoch: Zehn Bienenvölker beherbergt der Golfclub auf dem rund 70 Hektar umfassenden Areal.

Ursprünglich war die Idee der Umgestaltung aus der Not heraus geboren. Als bemerkt wurde, dass der Grundbucheintrag des im Wasserschutzgebiet befindlichen Golfplatzes faktisch ein Pestizid- und Düngemittelverbot vorschreibt, galt die Anlage als gefährdet. Viele hielten den weiteren Betrieb des Golfplatzes ohne deren Einsatz für nicht machbar. Innerhalb eines Jahres kündigten 150 Golfer ihre Mitgliedschaft. Eine Zäsur in der Klubgeschichte.

Heute, fünf Jahre später, scheint die Umgestaltung ein Erfolg. Zwar konnte laut Hingerl der Einbruch an Mitgliederzahlen noch nicht kompensiert werden, aber er gibt sich zuversichtlich. "Das ökologische Bewusstsein in der Golfgemeinschaft nimmt zu und der gesundheitliche und soziale Aspekt ist für viele genauso wichtig wie der sportliche. Zunehmend mehr Leute sprechen mich an, dass sie auf anderen Golfplätzen aufgrund des Pestizideinsatzes mit Ausschlägen zu kämpfen hätten", erzählt er.

Doch die Umgestaltung des Platzes bleibt nicht ohne Konsequenzen. Auf einem Golfplatz eigentlich unerwünschte Pflanzen wie Löwenzahn, Klee und Gänseblümchen müssen nun aufwendiger und auf manuelle Weise entfernt oder einfach akzeptiert werden. Zur Vorbeugung von Schimmelbefall werden die Böden vermehrt durch Einstiche belüftet und mit UV-Licht bestrahlt statt mit Fungiziden besprüht. Für den besonders sensiblen Bereich, das sogenannte Grün um das Loch herum, wird eine spezielle Rasenzüchtung genutzt, die geringere Ansprüche an die Dünge- und Wasserzufuhr stellt.

"Braun ist das neue Grün"

Dennoch ist es laut dem Präsidenten eine vollkommene Abkehr vom bisherigen Ideal eines Golfplatzes, das weltweit noch immer an der Rasenqualität gemessen wird. "Wir leben nach der Maxime 'Braun ist das neue Grün'", sagt Hingerl.

Mike Horlacher ist Golfer seit seiner Kindheit und war im Beratungsteam für die Umgestaltungsarbeiten am Bergkramergut. Für ihn sind die Ansprüche vieler Golfer an den Rasen eine Illusion. "Viele erwarten Golfrasen wie sie etwa bei den internationalen Turnieren in Augusta National zu sehen sind. Dabei wird vergessen, dass diese nur für begrenzte Zeit und nur mit viel Arbeit sowie dem Einsatz von Chemikalien realisierbar sind".

Ein Bewusstseinswandel ist nach Ansicht Hingerls nur der erste Schritt. Entscheidend ist für ihn, den Golfsport generell populärer zu machen und das elitäre Image des Sports in der Gesellschaft abzubauen. "Es gibt elitäre Golfclubs, die über ihre Mitgliedsbeiträge selektieren, aber wir möchten für den Durchschnittsbürger attraktiv sein", erklärt er. Zwar gesteht er, dass der Mitgliedsbeitrag von etwa 2500 Euro jährlich nicht für jeden so einfach zu stemmen sei, aber seine Meinung: "Es ist günstiger als eine Schachtel Zigaretten pro Tag und weitaus gesünder". Die Höhe des Mitgliedsbeitrags begründet er mit dem hohen Aufwand und den finanziellen Kosten, die der Unterhalt des Golfplatzes erfordert.

Um das Interesse für Golfanfänger zu erhöhen, den Bergkramerhof kennenzulernen, haben die Verantwortlichen ein Angebot erstellt. "365 Tage für 365 Euro" soll Menschen ermutigen, den Sport auszuprobieren. Eine Botschaft scheint Hingerl besonders wichtig: "Wir sind kein elitärer Golfclub, sondern alle Gesellschaftsschichten sind willkommen. Golf ist ein Sport für jedermann."

Mehr Informationen unter https://www.golf-entdecker.de

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