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Wolfratshausen:Gemeinsam statt einsam

Im neuen Bürgertreff am Obermarkt können Asylbewerber unter anderem kostenlos das Internet nutzen - SZ-Leser machen es möglich

Viola Leboane aus Botswana beruhigt den kleinen Martin, dessen Eltern aus Afghanistan stammen. Tracy (rechts) und Dality sind aus Nigeria geflohen. Im neuen Bürgertreff unterstützen die Frauen sich gegenseitig.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der kleine Martin sitzt quietschvergnügt auf dem Schoß von Ines Lobenstein. Wenn er lacht, müssen auch die Frauen rund um den gut gedeckten Frühstückstisch schmunzeln. Die sechs Frauen stammen aus ganz verschiedenen Ländern, aber haben eines gemeinsam: Sie alle sind Flüchtlinge und warten auf Asyl in Deutschland. Martin, der anscheinend nicht weiß, ob er lachen, weinen oder schlafen soll, wurde vor vier Monaten in Deutschland geboren. Seine Mutter Franahaz lebt seit elf Monaten in Deutschland - sie ist aus Afghanistan geflohen.

Ines Lobenstein, die sich beruflich im Dienst der Caritas für Obdachlose einsetzt, ist ehrenamtlich auch für Asylsuchende in Wolfratshausen mitverantwortlich. Zusammen mit Bianca Schmidbauer, einer weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterin, hat sie einen neuen Treff für Asylbewerber ins Leben gerufen. Der Hilfskreis Asylbewerber Wolfratshausen soll Flüchtlingen den Einstieg in ein neues Leben erleichtern.

Bisher hat der Bürgertreff für Asylsuchende fünfmal in den Räumen der Caritas (Obermarkt 7) stattgefunden. Jeden Dienstag kommen dort Asylbewerber von 10 bis 12 Uhr zusammen. Ein besonderes Angebot: Sie können dort kostenlose das Internet benutzten, um zum Beispiel mit ihren Familien in der Heimat zu skypen. Der SZ-Adventskalender, das Hilfswerk der Süddeutschen Zeitung, finanziert die Internetverbindung für ein Jahr durch Spenden der Leser.

"Unser Ziel ist es, dass sich bei dem Bürgertreff nicht nur Asylbewerber beteiligen", , sagt Lobenstein. "Bürger aus Wolfratshausen sollen kommen und helfen, die Menschen hier zu integrieren." Alle seien eingeladen, auch leckeres Essen aus den verschiedensten Ländern zu probieren. "Wir wollen aber auch bayerisches Essen probieren", wirft Viola Leboane in perfektem Deutsch ein. Die Botswanerin kam zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter vor knapp anderthalb Jahren nach Deutschland. Sie ist mittlerweile ebenfalls als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Helferkreis für Asylbewerber tätig. Während der Bearbeitungszeit, die mehrere Jahre dauern kann, haben die Bewerber keine Arbeitserlaubnis. Leboane hat die Langeweile nicht ausgehalten und merkte, dass sie die Leute, die ihr geholfen haben, bei der Arbeit unterstützen kann. Heute ist die 25-Jährige fest in das 20-köpfige Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern integriert. "Wir können jede Unterstützung gebrauchen. Seien es Nahrungsmittel für ein gemeinsames Essen oder weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit bei Deutschkursen helfen", sagt Lobenstein.

Während des Frühstücks geht es in den Gesprächen der Frauen um ihre aktuellen Probleme. Sei es das zu teure Busticket für den nächsten Amtsbesuch oder die kleinen Wohnungen, in denen sich mehrere Menschen ein Zimmer teilen müssen. Eine Frau aus Kenia erzählt auf Deutsch und Englisch, dass ihre Tochter jeden Tag weinend aus der Schule komme. Sie finde bei den Mitschülern keinen Anschluss, und auch der Lehrer habe offenbar ein Problem mit ihr. Lobenstein hört sich die Sorgen an und verspricht, die Themen bei der nächsten Helferkonferenz aufzugreifen.

Der kleine Martin wird währenddessen immer wieder herumgereicht. Alle Frauen helfen ihn zu trösten, wenn er weint. Ihm wachse ein Zahn, erklärt seine Mutter. Schmunzelnd erzählt die Afghanin in gebrochenem Deutsch, warum sie ihn Martin genannt hat: "Ich habe gehofft, er bekommt einen deutschen Pass, wenn er hier geboren wird." Ein Irrtum. Sie muss weiter warten, wie jeder der Flüchtlinge am Tisch. Warten und hoffen, dass Martin eine Abschiebung in die krisengeschüttelte Heimat erspart bleibt.