Wolfratshausen Der Klang von Sankt Andreas

Seit 2015 ist Mark Ehlert Kirchenmusiker in Wolfratshausen. Daneben leitet er den Kirchenchor und konzertiert in verschiedenen Ensembles.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Orgel, Chor, Trio: Mark Ehlert gibt der Kirchenmusik viele Facetten

Von Paul Schäufele, Wolfratshausen

Wer einmal einen Gottesdienst ohne Musik miterlebt hat, weiß: Etwas Traurigeres kann man sich kaum vorstellen. Und doch werden sich die wenigsten während des Kirchenbesuchs den Kopf darüber zerbrechen, woher eigentlich die Musik kommt, "die den Teufel vertreibt und die Menschen fröhlich macht", so Luther. Die klangliche Präsenz der Orgel steht in Kontrast zu der Unauffälligkeit ihres Spielers. Organisten sind Meister der Diskretion.

Da verwundert es nicht, wenn Mark Ehlert auf die Frage, weshalb er sein Leben im Dienst der Kirchenmusik bestreitet, ganz bescheiden, wenn auch lachend, antwortet: "Ich kann eben nichts anderes." Seit 2015 ist er für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Wolfratshauser Kirche Sankt Andreas verantwortlich. Dass Ehlert durchaus anderes kann, beweist die Anzahl seiner Tätigkeiten, die er neben seiner Funktion als Kirchenmusiker ausübt. Er betätigt sich als Continuo-Spieler, Kammermusiker, gelegentlich kann man ihn auch als Dirigenten einer Blaskapelle erleben.

Ein besonderes Anliegen ist ihm die Chorleitung. Das mag an seiner Herkunft liegen. Der geborene Sauerländer hat sich bereits während seiner Zeit in Meschede in der Chorszene Westfalens engagiert. In Wolfratshausen setzt er das fort, weil es ihm ermöglicht, in direkten Kontakt mit der Gemeinde zu treten. Chorleitung, das sei ein "sehr kommunikativer Umgang mit Musik". Wer von sich sagt, er könne nicht singen, der sei im Kirchenchor von Sankt Andreas gerade richtig aufgehoben. "Das stimmt in 95 Prozent der Fälle nicht. Und bei uns kann man es lernen", sagt Ehlert.

Wenn es darum geht, Musik weiterzugeben, merkt man, dass Ehlert nicht nur einer ist, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Mit Begeisterung wirbt er für die "Königin der Instrumente". Kein Instrument sei besser für Einsteiger geeignet als die Orgel, denn anders als beispielsweise beim Klavier sind sowohl Tonhöhe als auch Lautstärke für jede Taste bereits festgelegt. Differenzierung wird über den sensiblen Umgang mit den Registern erreicht.

Eine weitere Möglichkeit, sich für die Verbreitung der Musik einzusetzen, die ihm wichtig ist, hat Ehlert in verschiedenen musikalischen Formationen gefunden. Bei Proben zu einer Orchestermesse lernte er die Musikschullehrer Josef Vorbuchner, Sigrid von Kracht und Claudia Weiss kennen. Mit ihnen wird er am kommenden Sonntag, 30. September, von 17 Uhr in Sankt Andreas Triosonaten des 17. und 18. Jahrhunderts aufführen. Darunter finden sich auch selten gehörte Kompositionen eines Henry Eccles. Denn auch darum kümmert sich Ehlert: unentdeckte Juwelen finden, etwa im Notenarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek. "Es gibt keine Musik, die sich nicht gut präsentieren lässt", sagt er. Dieser Anspruch liegt allen musikalischen Tätigkeiten des Wolfratshauser Kirchenmusikers zugrunde, gibt Motivation und führt letztlich auch zu der zufriedenen Feststellung: "Kein Tag ist wie der andere."