bedeckt München 17°

Wolfratshausen:Bekenntnis ohne Reaktion

Bürgermeister Klaus Heilinglechner räumt bei seiner BVW ein, zugunsten des Bürgerladens erst einmal eine falsche Zahl eingebracht zu haben

Von Matthias Köpf, Wolfratshausen

Am liebsten hätte der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner den kurzen Sachstandsbericht zum geplanten Bürgerladen, den er in der Monatsversammlung seiner BVW geben sollte, in vier bis sechs Worte gefasst. Mit seinem "Der Bürgerladen wird weitergehen. Das war's" wollten sich die Parteifreunde am Donnerstagabend aber nicht zufrieden geben. Dass er am Abend zuvor bei einer Veranstaltung der Unternehmervereinigung UWW freimütig eingeräumt hatte, dem Bauausschuss aus Sorge um das Projekt anfangs wissentlich eine zu niedrige Baukostenschätzung vorgelegt zu haben, sprach der Bürgermeister dann vorsichtshalber gleich selber an. Während sich Räte anderer Fraktionen darüber zumindest irritiert gezeigt hatten, blieb dieses Bekenntnis des Bürgermeisters in der BVW ohne irgendwelche Reaktionen.

Seine Stadtverwaltung habe ihm die Kostenschätzung von 460 000 Euro für den Umbau des Erdgeschosses im stadteigenen Eckhaus am Untermarkt 10 schon mit den Zusatz versehen, dass es dabei sicher nicht bleiben werde, räumte Heilinglechner am Donnerstag abermals ein. Denn zumindest teilweise schon absehbare Arbeiten an der Haustechnik oder an den Decken und Böden seien darin noch gar nicht enthalten gewesen. Den Räten hatte er die Zahl dann aber ohne diese Zusätze unterbreitet. In der jüngsten Sitzung allerdings kam eine Summe von 821 000 Euro auf den Tisch. "Der Sprung war natürlich dann schon gewaltig", sagte Heilinglechner am Donnerstag. Als Hauptgrund für seinen sparsamen Umgang mit der Wahrheit nannte der Bürgermeister abermals seine Befürchtung, dass die Räte das Bürgerladen-Projekt zu diesen Kosten womöglich abgeblasen hätten. Hauptgrund für die Kostensteigerung seien die Pläne für einen kleinen Café-Bereich in dem künftigen Laden gewesen. Nachdem der Bauausschuss Kosten in dieser Höhe nicht einfach genehmigen wollte, sei aber auch dem Bürgerladen-Arbeitskreis schnell bewusst geworden, "dass das dann nicht mehr darstellbar ist".

Heilinglechner und Arbeitskreis-Leiter Eberhard Hahn, der selbst BVW-Mitglied ist, erläuterten zur Klarstellung noch einmal die Idee: An ein richtiges Café mit allem Drum und Dran habe man niemals gedacht, sondern nur an eine Aufenthalts- und Begegnungsmöglichkeit im Laden. Dort hätte man auch einen einfachen Mittagstisch anbieten können, wie ihn sich in einer Umfrage viele Wolfratshauser gewünscht hätten. Allerdings griffen auch schon dafür die vollen Vorschriften des Gaststätten- und Lebensmittelrechts mit sehr aufwendigen Installationen, weshalb man die Pläne bereits modifiziert habe und einen anders gearteten Treffpunkt schaffen wolle. Dadurch soll der Umbau für die Stadt nach bisherigen Angaben um 150 000 Euro billiger werden, genaue Zahlen werden laut Hahn gerade berechnet.

Die Entscheidung will Heilinglechner dann ohne Bauausschuss direkt vom Stadtrat fällen lassen, er kündigte dazu eine Sondersitzung für 7. Juli an, um bis zur Eröffnung des Ladens, die sich wohl auf Anfang 2016 verschiebt, nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

© SZ vom 23.05.2015

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite