Waldram: Historisches Badehaus:Absage der katholischen Kirche

Das Erzbischöfliche Ordinariat sieht sich außerstande, das historische Badehaus auszubauen - und gibt Abrissgegnern dennoch Grund zur Hoffnung.

Felicitas Amler

Die katholische Kirche erklärt sich außerstande, das historische Badehaus am Kolpingplatz in Wolfratshausen-Waldram als zeitgeschichtliches Dokumentations- und Begegnungszentrum auszugestalten. Als Grund wird genannt, dass das Gebäude im Besitz der Stiftung Sankt Matthias sei, deren Zweck ausschließlich die Ausbildung junger Leute sei.

Waldram: Historisches Badehaus: Eigentlich soll das historische Badehaus in Wolfratshausen-Waldram abgerissen werden. Der Historische Verein möchte es allerdings als zeitgeschichtliches Dokumentations- und Begegnungszentrum ausgestalten.

Eigentlich soll das historische Badehaus in Wolfratshausen-Waldram abgerissen werden. Der Historische Verein möchte es allerdings als zeitgeschichtliches Dokumentations- und Begegnungszentrum ausgestalten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Allerdings will das Erzbischöfliche Ordinariat gemeinsam mit dem Historischen Verein Wolfratshausen und der Stadt über Alternativen zu dem ursprünglich geplanten Abriss der beiden Gebäude von Ende der 1930er Jahre am Kolpingplatz sprechen. Das ist nach Darstellung beider Seiten das Ergebnis des Gesprächs am Mittwoch zwischen Vertretern des Historischen Vereins Wolfratshausen und des Ordinariats. Man wolle nun gemeinsam Bürgermeister Helmut Forster um ein Treffen zu dritt bitten. Denn es seien verschiedene Varianten erörtert worden, die es mit der Stadt zu diskutieren gelte.

Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins, sprach nach dem Treffen in München, an dem sie zusammen mit Eva Greif beteiligt waren, von einem Hoffnungsschimmer: "Uns ist signalisiert worden, dass die Kirche nicht starr an einem Abriss festhält." Man habe verschiedene Szenarien durchgespielt: "Es gäbe durchaus mehrere Wege", sagte Sybille Krafft, wollte aber einem Gespräch mit dem Bürgermeister nicht vorgreifen.

Für das Ordinariat nahmen dessen stellvertretender Finanzdirektor Winfried Hierl und zwei Repräsentanten der Immobilienabteilung an dem Gespräch teil. Hierl sagte der SZ am Donnerstag, es sei ein Gebot der Fairness, über Details erst mit dem Wolfratshauser Bürgermeister zu reden. Die Stadt habe die Planungshoheit im Bauleitverfahren für das Areal, welches das Erzbistum München-Freising als Neubaugebiet vermarkten möchte, um damit den bereits fertigen Neubau des benachbarten Spätberufenenseminars Sankt Matthias zu finanzieren.

Winfried Hierl betonte, die katholische Kirche habe die Haltung vertreten: "Lasst uns doch gerne über Alternativen sprechen." Bürgermeister Helmut Forster sagte der SZ am Donnerstag, für ihn sei ganz klar: "Es ist ausschließlich Sache des Eigentümers, was er mit den Gebäuden macht."

Die beiden Gebäude am Kolpingplatz sind steinerne Zeugen der Geschichte Waldrams vom 1937 eingerichteten NS-Zwangsarbeiterlager Föhrenwald über das Auffanglager für überwiegend jüdische Displaced Persons (DP) nach dem Zweiten Weltkrieg (1945 bis 1957) bis zur heutigen Wohnsiedlung. Für die Erhaltung des Ensembles haben sich außer dem Historischen Verein zahlreiche Menschen und Institutionen ausgesprochen - von der Siedlungsgemeinschaft Waldram über den Sportverein DJK bis zu den Kulturpreisträgern der Stadt. Sie unterstützen auch die Idee eines Dokumentations- und Begegnungsortes für das ehemalige Badehaus. Eine Ausstellung könnte dort die Ortsgeschichte vom Lager Föhrenwald zum Stadtteil Waldram darstellen.

© SZ vom 23.03.2012
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