Wahlkampf:In der Lieblingsrolle

Wahlkampf: Im Rampenlicht: FDP-Chef Christian Lindner (rechts) und sein prominenter Landtagskandidat Helmut Markwort.

Im Rampenlicht: FDP-Chef Christian Lindner (rechts) und sein prominenter Landtagskandidat Helmut Markwort.

(Foto: Claus Schunk)

FDP-Landtagskandidat Helmut Markwort holt Christian Lindner zum "Mittagsstammtisch" nach Arget und Hunderte kommen, um den Parteichef der Liberalen und den Moderator zu erleben

Von Martin Mühlfenzl, Sauerlach

Mit dem Alter ist das so eine Sache. Die einen leiden darunter, die anderen kokettieren damit. Helmut Markwort, Gründer des Nachrichtenmagazins Focus und mit 81 Jahren nun als FDP-Direktkandidat im Stimmkreis München-Land Süd auf dem Sprung ins Maximilianeum, gehört zweifellos zur zweiten Gruppe. Internetaffin ist er auch, der einstige Journalist. Und als solcher liest er auch die Kommentare zu seiner Person. Einer, sagt Markwort am Mittwochmittag im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Gasthofs Schmuck in Arget, habe ihn besonders gefreut. "Da hat einer geschrieben, ich sei der Jupp Heynckes der FDP", sagt Markwort und lacht.

Beim Bayerischen Rundfunk, sagt die Sauerlacher FDP-Vorsitzende Ursula Gresser, hätten sie Helmut Markwort ja nicht mehr haben wollen - dort, wo er immer sonntags mit illustren Gästen die große Politik diskutiert hat. Auch Christian Lindner war dort mehrmals zu Gast. Wohl auch deshalb hat Markwort das Format des Stammtischs kurzerhand in den Schmuck-Wirt übertragen.

An den Wänden hinter der kleinen Bühne hängen Bilder mit Hirschgeweihen, in der Ecke ein Kreuz. Und auf den Tischen stecken als Kontrast blaue, gelbe und magentafarbene Fähnchen in Gläsern. Am Stammtisch wird diskutiert. "Da sitzen wahlberechtigte Menschen, die alle eine Meinung haben", sagt Markwort. Doch zunächst hören sich Markwort und die mehreren hundert Zuhörer, die an diesem Mittag in den hintersten Winkel des Landkreises gekommen sind, die Meinungen von drei FDP-Kandidaten für die Wahl im Oktober an: des Kirchheimers Thomas Jännert, des Planeggers Fritz Haugg und der Miesbacherin Ursula Lex.

Es geht um Bürokratieabbau, die Gängelung durch Finanzämter, den Fachkräftemangel und die Wirtschaftskraft des Landkreises München. Jännert sagt, er wolle sich für eine "unkomplizierte, pragmatische und zielorientierte Politik" einsetzen. Und Markwort keilt ein erstes Mal gegen den Ministerpräsident: "Der Landkreis München ist ein super Landkreis, der viel einzahlt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass er nicht die Melkkuh von Herrn Söder für Mittelfranken wird."

Mit diesem Satz ist er in der großen Politik angekommen, ehe Sekunden später Christian Lindner den Saal betritt. Der begrüßt zunächst äußert herzlich Herbert Burda, den Verleger und Focus-Inhaber, und nimmt dann am Stammtisch Platz. Was folgt, ist die nächste Spitze gegen Söder, den "bekennenden Wassertrinker", wie Lindner sagt: "Ich will ein Bier."

Wie früher im Fernsehen stellt Markwort die Fragen - der Gast antwortet. Denn von Lindner, "dem zweifachen Comebacker", könnten schließlich auch die Liberalen in Bayern lernen, sagt Markwort. Der habe die Partei erst in den nordrhein-westfälischen Landtag zurückgebracht, dann in den Bundestag. Nur wie? Als Partei der Mitte, sagt Lindner. "Die Ränder sind stark. Es wird nur über die Superreichen und Flüchtlinge gesprochen", sagt er. Diese Nische fülle die FDP. Dann arbeitet er sich an der CSU und Markus Söder ab. Vor der Bundestagswahl habe dieser die Abschaffung des Solidaritätszuschlags versprochen, doch dann stehe die FDP bei diesem Thema in den Jamaika-Verhandlungen auf einmal alleine da. "Und den Grünen hat die Union jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Jetzt macht die CSU dasselbe vor der Landtagswahl wieder", sagt Lindner. "Die verkaufen sie für dumm."

Das gelte auch für die dritte Startbahn am Münchner Flughafen, aus Lindners Sicht ein "dringend notwendiges" Infrastrukturprojekt. Nur rede in der CSU davon niemand, weil es unpopulär sein könnte. Ob Söder tatsächlich gesagt habe, mit Lindner, der nur "Maßanzüge" trage, könne er gut "Champagnerprobleme" lösen, will Stammtisch-Moderator Markwort wissen. "Was ist denn das für eine Geringschätzung des deutschen Schneiderhandwerks", kontert Lindner.

Doch er kann auch ernsthaft. Etwa beim Thema Migration. Die Deutschen, sagt er, seien Zeugen eines "teilweise staatlichen Organisationsversagen". Die Frage der Migration und Integration müsse dringend gelöst werden. "Damit wir uns wieder den anderen wichtigen Fragen zuwenden können", sagt Lindner und fordert die rasche Einführung eines "echten Einwanderungsgesetzes". Wer für Recht und Ordnung, Freiheit, Vielfalt und Offenheit steht, dürfe nicht die Rechtspopulisten wählen.

Einen letzten Seitenhieb auf Söder setzt dann Helmut Markwort. Je mehr man sich dem Menschen Söder annähere, desto eher bestätige sich der Eindruck Horst Seehofers: "Charakterliche Schwächen, vom Ehrgeiz zerfressen, arbeitet mit Schmutzeleien." Er selbst will da anders sein. Vor allem will er nicht des Geldes wegen in die Politik. Er habe sein Einkommen längst gesichert, sagt der 81-Jährige. "Ich bin frei."

© SZ vom 06.09.2018
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