Wadlhauser Gräben: Streit um Windräder Monn zweifelt an Milan-Vorkommen

Die Windrad-Gegner wollen Rotoren per Vogelgutachten verhindern, doch Bergs Bürgermeister setzt auf eine eigene Studie. Melani Suckfüll bringt einen alternativen Standort ins Spiel.

Von Isabel Meixner

Der Verein zum Schutz der Wadlhauser Gräben protestiert erneut gegen die Windradpläne der Gemeinde Berg. Bei einer Informationsveranstaltung hat er am Dienstagabend vor 100 Zuhörern das Vogelgutachten des Münchner Diplom-Biologen Axel Beutler präsentiert, das für das Waldgebiet und seine direkte Umgebung zahlreiche gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie den Rot- und den Schwarzmilan, den Dreizehenspecht und die Rohrweihe auflistet. Der anwesende Berger Bürgermeister Rupert Monn zweifelte das Gutachten an und wurde daraufhin höhnisch beklatscht.

Der Schwarzmilan könnte die Berger Windrad-Pläne stören.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ob das Vorkommen geschützter Vogelarten den Bau von Windrädern überhaupt verhindern kann, ist umstritten. Laut Christine Margraf, die im Bund Naturschutz für den Artenschutz in Südbayern zuständig ist, gibt es in Norddeutschland viele Anlagen, die in Rotmilan-Gegenden errichtet wurden. Eine größere Population könne aber dazu führen, dass über einzelne Standorte nachgedacht werde wie im Landkreis Dillingen, wo wegen einer Uhu-Brut zwei Räder eines Windparks versetzt wurden.

Auch Monn verwies am Dienstag auf die Vorgabe des Bayerischen Umweltministeriums, wonach Anlagen in einem Abstand von mindestens 1000 Metern zum Horst errichtet werden müssen. Rotmilan-Horste seien in den Wadlhauser Gräben nicht gefunden worden, sagte Monn. Das Gutachten von Beutler weist zwar fünf Nistplätze aus, von denen aber keiner zweifelsfrei dem Rotmilan zugeordnet werden kann.

Monn sagte, die Gemeinde Berg werde im Bauantragsverfahren in der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung nach geschützten Vogelarten suchen lassen. Biologe Axel Beutler forderte, diese bald anzugehen: "Unsere Untersuchungen sind höchstens eine Ergänzung, aber kein Ersatz dafür." Die Windradgegner befürchten, dass diese Studie nicht umfassend oder im Herbst oder Winter angestellt wird - dann, wenn die Vögel in den Wadlhauser Gräben nicht zu finden sind. "Wird die Untersuchung mit der Kettensäge durchgeführt?", fragte der Neufahrner Michael Beichhold. "Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht", erwiderte Monn. Berg möchte die vier geplanten Anlagen im kommenden Jahr bauen. "Es mutet komisch an, dass die Windräder so weit wie möglich von Berg weg gebaut werden", fand Martin Ruhdorfer, und ein aufgebrachter Zuschauer rief Monn zu: "Allen Politikern gehört der Kopf gewaschen."

Die Vereinsvorsitzende Melani Suckfüll brachte für die Windräder eine alternative Fläche südöstlich von Harkirchen ins Gespräch, wo laut einer Windressourcenkarte der Gemeinde Berg die Windstärke genauso hoch sei wie in den Wadlhauser Gräben. In diesem Gebiet gebe es kaum geschützte Vogelarten, sagte Suckfüll. "Das wird nicht erwähnt. Es geht darum, die Windräder gezielt irgendwo hinzusetzen."

Monn betonte, Berg habe mit 1000 Metern mehr Abstand zu Neufahrn gelassen als nötig. Dagegen wehrte sich Martin Ruhdorfer: "Sie behaupten, Sie wollen die Neufahrner schützen, aber für die Neufahrner ist das der worst case." Künftig werde der Ort im Osten von der Autobahn und von Westen von Windrädern beschallt.

Die Gemeinde Berg hat sich die Standorte für die Windkraftanlagen für drei Jahre gesichert. Den Bau können zwei Faktoren verhindern: eine zu geringe Windstärke und das Vorkommen geschützter Tiere. Michael Beichhold kritisiert das: "Ich finde es extrem traurig, dass wir einen Rotmilan brauchen, um geschützt zu werden."