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Veränderungen in der Altstadt:Weichen in Wolfratshausen gestellt

Skandale, Streit und große Aufreger bleiben 2017 in der Loisachstadt draußen. Stattdessen wird alles daran gesetzt, den Boden für die Zukunft zu bereiten für eine lebendige Marktstraße mit Parkraum und Aufenthaltsqualität

Die größte sichtbare Veränderung in Wolfratshausen 2017 ist wohl das neue Stadtarchiv, das im Frühling in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Betrieb ging und im September feierlich eröffnet wurde. Ein Jahr hat die Sanierung gedauert, etwa 2,3 Millionen Euro gekostet. Dafür hat die Stadt nun ein geräumiges, helles und hochmodernes Archiv, in dem der neue Archivar Simon Kalleder geschichtsinteressierten Bürgern gerne mit Rat und Tat zur Seite steht. Ansonsten aber hat sich in der Stadt nicht viel verändert.

Allerdings sind wichtige Weichen gestellt worden, die lange geplante Veränderungen in der Altstadt möglich machen. Bereits im Januar erteilte das Landratsamt den Vorbescheid für den Abriss des ehemaligen Isar-Kaufhauses am Untermarkt, das nach mehr als vier Jahren Leerstand zu einer Art Symbol des Stillstands in der Innenstadt geworden ist. Nun soll dort ein Neubau mit Wohnungen und einem großen Laden im Erdgeschoss entstehen. Noch im Januar verkündete Rechtsanwalt Harald Mosler, der die Eigentümerin Angela Scheller vertreten hatte, dass es einen Investor gibt: Der Grünwalder Rainer Scherbaum, der unter anderem für große Einkaufscenter in Holzkirchen und Erding verantwortlich ist, hat die seit mehr als vier Jahren leer stehende Immobilie erworben, um sie abreißen und an ihrer Stelle ein "modernes Gebäude" errichten zu lassen. Im etwa 1000 Quadratmeter großen Laden im Erdgeschoss könnte womöglich die Filiale einer großen Textilkette unterkommen.

Das ehemalige Isar-Kaufhaus soll für einen Neubau abgerissen werden. Das neue Gebäude soll die Altstadt verschönern.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Strittig war lange, ob das als "Seifensiederanwesen" bekannte Haus Nummer 11, das zu dem Komplex gehört, wegen seiner charakteristischen Form erhalten bleiben muss. Die Denkmalschutzbehörden stellten jedoch fest, dass das Gebäude kaum noch ursprüngliche Bausubstanz aufweist. Der von Architekt Tom Ferster geplante Neubau soll sich am ursprünglichen Gebäude orientieren und in die Bebauung der Altstadt einfügen. Inzwischen hat die "Untermarkt 7-11 GmbH", der Mosler als Geschäftsführer angehört, beim Landratsamt den Bauantrag eingereicht. Dass drei Nachbarn gegen den Vorbescheid geklagt haben, verzögert as Genehmigungsverfahren vorerst nicht. Mosler ist sich sicher, dass das Vorhaben keine nachbarschaftsschützenden Belange berührt und sieht möglichen Prozessen "mit großer Ruhe entgegen". Der Stadtrat sieht in dem ehemaligen Kaufhaus eine "Schlüsselimmobilie" für die Belebung der Altstadt und hat kürzlich einstimmig die Planungen für die Außenflächen genehmigt: Auf einem Grundstück hinter der Happ'schen Apotheke, das die Stadt den Bauherren verkauft hat, sollen nun 28 ebenerdige Parkplätze für die Kunden des neuen Ladens entstehen - die restlichen der 48 geforderten Stellplätze müssen abgelöst werden.

Wichtige Fortschritte hat der Stadtrat auch in der jahrelang ergebnislos geführten Diskussion über zusätzliche Parkplätze für die Altstadt gemacht: Im Juli hat der Stadtrat mehrheitlich entschieden, dass am Hatzplatz ein Parkhaus mit insgesamt 150 Stellplätzen entstehen soll. Das Grundstück wurde in Erbpacht an einen Investor vergeben, bei der Gestaltung des Parkhauses behält der Stadtrat ein Mitspracherecht. Zudem sollen am Paradiesweg zusätzliche Stellflächen geschaffen werden. Die neuen Parkplätze sind essenziell für die Altstadt. Schließlich würden sie die etwa 50 Stellplätze am westlichen Loisachufer ersetzen, das dann endlich - wie vor Jahren beschlossen - zu einer Flaniermeile mit Cafés, Spielplatz und besserer Aufenthaltsqualität umgestaltet werden könnte. Wann das passiert, hängt nun davon ab, wie schnell die Vorarbeit geleistet wird.

Stadtarchiv WOR

Sichtbare Veränderung: Das moderne neue Stadtarchiv residiert seit diesem Jahr in der generalsanierten ehemaligen Landwirtschaftsschule.

(Foto: Manfred Neubauer)

Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich auch bei der Wolfratshauser Marktstraße. Weil es sich um eine Bundesstraße handelt, hatten die zuständigen Behörden bisher dort eine höhengleiche Anpassung von Gehweg und Straße untersagt, Umgestaltungen wie Freischankflächen waren nur provisorisch gestattet. Nun hat das zuständige staatliche Baumamt signalisiert: Die höhengleiche Anpassung und permanente Umgestaltung seien grundsätzlich möglich. Erreicht hat das der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD), der nicht nur mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), sondern auch mit zahlreichen Behördenvertretern Gespräche geführt hat. Nun sollen Planungsbüros Vorentwürfe vorlegen. Später sollen die Bürger an der Umgestaltung beteiligt werden. Wie schnell sie Gestalt annimmt, liegt aber auch an den Politikern. Damit sich bald auch sichtbar etwas verändert, dürfen die sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen.