Umbau der Altstadt Brandbrief der Feuerwehr

Noch residiert die Feuerwehr am Hatzplatz vor einem offenen Parkplatz. Das dort geplante Parkhaus hält der Kommandant für problematisch.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Wolfratshauser Retter befürchten, dass der Bau des Parkhauses am Hatzplatz ihr Ausrücken gravierend behindern wird. Der Bürgermeister will dennoch nicht warten, bis ein anderer Standort für die Einsatzkräfte gefunden ist

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Die Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt soll derzeit vorangetrieben werden. Nach der Bürgerbeteiligung hat der Stadtrat gerade mehrheitlich einen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung der Marktstraße gefasst. Parallel sollen auch die lange gehegten Pläne für ein schöneres Westufer der Loisach wieder aufgegriffen und zur Umsetzung gebracht werden. Voraussetzung für die geplante Flaniermeile am Fluss ist allerdings, dass mit dem Parkhaus am Hatzplatz Ersatz für die Parkplätze geschaffen wird, die am Ufer wegfallen. "Sobald der Neubau des Parkhauses beschlossen ist", erklärte Stadtmanager Stefan Werner kürzlich im Sitzungssaal, "ist das der Start für die Fortsetzung der Umplanung des Loisachufers".

Das dürfte zahlreiche Wolfratshauser zumindest vorsichtig optimistisch stimmen, nicht nur die Mitglieder des Vereins "lebendige Altstadt Wolfratshausen" (LAW), die sich seit Jahren für die längst beschlossene Uferumgestaltung einsetzen. Schließlich ist das Parkhaus mit 156 Stellplätzen am Hatzplatz seit Juli 2017 mehrheitlich beschlossen, der Erbpachtvertrag auf 33 Jahre mit Option auf Verlängerung ist unterzeichnet - auch wenn Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) den Namen des Investors immer noch nicht nennen will. Es sei jedenfalls "definitiv nicht die Scherbaum-Gruppe", also nicht der Grünwalder Investor, der derzeit das einstige Isar-Kaufhaus für einen Neubau abreißen lässt, erklärt Heilinglechner dann immerhin, um Gerüchte zu entkräften. In der Vorlage des Bauantrags für den Bauausschuss im Stadtrat ist übrigens von einer "Bauherrin" die Rede.

Die Entscheidung über den Bauantrag lässt jedoch auf sich warten. Die Stadträte haben sie im Mai vertagt, unter Berufung auf das im Erbpachtvertrag verankerte Mitspracherecht des Stadtrats bei der Außengestaltung. Das Parkhaus mit viereinhalb Decks soll aus Gründen des Immissionsschutzgesetzes zu den gegenüberliegenden Häusern an der Straße Am Bach hin geschlossen gestaltet werden und zur Loisach hin offen bleiben. Die Fraktionen sind nun aufgefordert, ihre Wünsche für die Fassade vorzubringen, damit der Planer sie berücksichtigen und dem Stadtrat dann verschiedene Versionen zur Entscheidung vorlegen kann. Laut Heilinglechner will die CSU analog zum von der Stadt geplanten Parkhaus am Paradiesweg eine Holz-Alu-Optik, die Grünen und die BVW bevorzugen Holzverbundwerk mit Begrünung. Die SPD erarbeitet laut Zweitem Bürgermeister Fritz Schnaller gerade ihren Vorschlag. In der gewünschten Fassade solle sich die Silhouette der Gebäude gegenüber "in Holzform widerspiegeln". Eine im Bauantrag zunächst vorgeschlagene strukturierte Betonwand sei bei dem hohen Gebäude am Fluss jedenfalls "in keinster Weise hinnehmbar". Bis der Bauantrag erneut zur Abstimmung kommt, werde es aber "eine gewisse Zeit dauern", sagt Heilinglechner. "Schön wäre es, wenn wir bis zur Sommerpause einen Beschluss fassen könnten."

Es gibt allerdings noch ein anderes Problem, das den Parkhaus-Plänen im Weg stehen könnte: die Wolfratshauser Feuerwehr, die am Hatzplatz residiert. Schon im Januar hatte deren Kommandant Andreas Spohn in seiner Stellungnahme für den Feuerwehrbedarfsplan erklärt: "Durch den Bau des Parkhauses am Hatzplatz wird sich die Gesamtsituation für die Feuerwehr gravierend verschlechtern." Denn der geplante Bau habe sowohl negative Auswirkungen auf die Abfahrt der Einsatzfahrzeuge als auch auf die Parksituation der Feuerwehrleute. Bislang war das Thema im Stadtrat nicht öffentlich debattiert worden. Nun hat Spohn noch einmal darauf hingewiesen - in einem Brandbrief, den er an Bürgermeister, sämtliche Stadträte und das Landratsamt geschickt hat.

Wie Heilinglechner erklärt, muss die Zufahrt zum Feuerwehrhaus für das neue Parkhaus um etwa sieben Meter nach Westen verschwenkt werden. Bei der Verzögerung bewege man sich jedoch "im Sekunden-Bereich". Spohn aber will sich damit nicht abspeisen lassen. "Die ganze Zufahrtssituation wird gravierend schlechter", sagt er auf Anfrage. Derzeit führe eine kerzengerade Zufahrt zum Feuerwehrhaus, ausrückende Kräfte könnten bis zur Brücke schauen, sagt der Kommandant. Künftig seien ausrückende Kräfte nicht nur länger unterwegs, sondern könnten auch nicht sehen, wer um die Kurve kommt. "Die Unfallgefahr wird wesentlich größer."

Gravierender seien aber die Auswirkungen für die einrückenden Feuerwehrkräfte. Die müssen laut Gesetz zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. Laut Feuerwehrbedarfsplan sind die Ausrückzeiten bereits jetzt in weit entlegenen Ortsteilen wie Weidach schwer einzuhalten. Die Feuerwehr habe ohnehin nur sechs eigene Parkplätze, die durch den Neubau des Parkhauses wegfielen, sagt Spohn. Bislang könnten sich die ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Einsatzfall relativ problemlos auf dem unbeschrankten Parkplatz am Paradiesweg einen der 68 Stellplätze suchen und von dort in die Wache eilen. Mit dem Parkhaus hätten sie aber ein Problem: "Wo sollen sie parken?", fragt Spohn. "Stellen Sie sich vor, es ist Alarm, es kommen circa 30 Mann, und jeder muss sich an der Schranke anstellen, ein Ticket ziehen und auf den Parkdecks nach einem freien Platz suchen. Bis die geparkt haben, dauert das 15 Minuten. Dann brauch' ich nicht mehr auszurücken."

Zwar hatte Bürgermeister Heilinglechner im Zuge des Feuerwehrbedarfsplans im Januar die schwierige Lage der Wolfratshauser Wehr in Bezug auf die Parkhaus-Pläne durchaus angesprochen und mittelfristig einen neuen Standort ins Gespräch gebracht. Laut Spohn sind auch schon Gespräche über ein Grundstück geführt worden, dessen Lage weder er noch der Bürgermeister verraten wollen. Heilinglechner stellt jedoch klar: "Wir können mit dem Parkhaus nicht warten, bis ein Ersatzgelände für die Feuerwehr gefunden wurde." Damit die Wolfratshauser Feuerwehr bis dahin einsatzfähig bleibt, wünscht sich Spohn, "dass mit uns noch mal gesprochen wird". Bislang sei die Stadt in Sachen Parkhaus-Pläne nicht auf ihn zugekommen. Vor einem Beschluss zum Bauantrag müsse aber geklärt werden, wie es weitergehe, fordert der Kommandant. "Vielleicht fällt der Stadt ja noch was ein." Die Außengestaltung sei schließlich noch nicht abgeschlossen.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner wünscht sich eine schnelle Realisierung des Parkhauses am Hatzplatz - auch, um die Umgestaltung des Loisachufers voranzutreiben. Über einen Zeitpunkt der Fertigstellung will er derzeit aber nicht spekulieren. Das Landratsamt müsse den Bauantrag schließlich noch genehmigen. Dort bestätigt man zwar den Eingang von Spohns Schreiben. Allerdings liege der Bauantrag für das Parkhaus noch nicht vor, sagt die Behördensprecherin Marlis Peischer. Erst wenn der eingereicht sei, werde das Landratsamt die Gegebenheiten und die Einwände der Feuerwehr prüfen.