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Tölzer Prügel:So gewinnt man die Jugend nicht

Bei der ersten U18-Wahl auf kommunaler Ebene soll das Ergebnis zurückgehalten werden

Vor Greta Thunberg und der "Fridays for Future"-Bewegung ward hin und wieder die Klage laut, die jungen Leute interessierten sich heutzutage bloß noch für ihr Smartphone, für Selfies und für die Jagd nach "Likes". Für Politik hätten sie auf ihrem Monitor so gut wie keine Empfangsbalken, für Lokalpolitik schon gar nicht. Dieses ohnehin eindimensionale Bild hat sich inzwischen stark geändert. Das beweisen nicht nur die Wahlkampfprogramme der Parteien und Gruppierungen, wo der Klimaschutz keinesfalls fehlen darf. Das zeigt auch die Angst davor, die Ergebnisse der ersten Jugendkommunalwahl im Landkreis schon vor dem 15. März bekannt zu geben. Könnte ja sein, dass die Jugendlichen mit ihrer Stimme für diesen oder jenen Bürgermeister- oder Stadtratskandidaten die erwachsenen Wähler allzu stark beeinflussen. In der Bürgermeister-Dienstbesprechung wurden solche Bedenken gegenüber dem Landratsamt jedenfalls formuliert. Was für ein Nonsens.

Es ist ja kaum zu glauben, dass die Stimmabgabe der Zwölf- bis 17-Jährigen einen altgedienten Kommunalwähler dermaßen ins Grübeln bringt, dass er sein Kreuz woanders setzt, als er ursprünglich vorhatte. Und selbst wenn er seine Entscheidung erst in der Kabine fällt, dürfte es mehr als unwahrscheinlich sein, dass er einfach den Wahlausgang bei der Jugend kopiert - sofern er den überhaupt kennt. Dies ist nichts anderes als ein Meinungsbild, genauso wie die U18-Wahl vor der Bundestagswahl. Die scheint nach der Logik der Landkreis-Bürgermeister hingegen keinen Einfluss auszuüben, da die Ergebnisse neun Tage vor dem großen Wahltermin veröffentlicht werden, ohne dass dies von ihnen jemals als gefährlich kritisiert worden wäre.

Es ist auch schade für die Heranwachsenden selbst. Wie sie per App über einen QR-Code abgestimmt haben, ist nun erst mit den Resultaten der eigentlichen Kommunalwahl zu erfahren. Das Ergebnis dürfte damit im Strudel der Namen und Prozentzahlen einfach untergehen. Von den amtierenden Bürgermeistern braucht sich niemand mehr zu beschweren, wenn sich manche Jugendliche künftig wieder mehr für ihr Smartphone interessieren als für die Rathauschefs und die Stadträte, die in den nächsten sechs Jahren die Politik vor ihrer Haustür bestimmen werden.

© SZ vom 10.02.2020
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