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Tölzer Prügel:Gewagte Zahlenspiele

Der Landrat rechnet vor - und die CSU rechnet nach. Das Ergebnis ist indes nicht gleich

Kolumne von Florian Zick

Naja, Mathematik. Zehnte Klasse, Polynomdivision - man erinnert sich noch mit Schrecken. Aber irgendwie hat man in diesem Fall das Gefühl, dass es gar nicht an den Rechenfähigkeiten gescheitert ist. Da listet Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) die Defizite der Kreisklinik Wolfratshausen aus den vergangenen acht Jahren auf - und irgendwie schummeln sich da auch noch die roten Zahlen des Kreispflegeheims in Lenggries dazu. Krankenhaus und Heim bildeten schließlich eine gemeinsame Gesellschaft, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Da müsse man sie auch gemeinsam veranschlagen.

Das klingt nach einem kleinen Zahlentrick. Denn wahrscheinlicher ist es, dass man das so gemacht hat, weil man durch die Addition einfach auf eine schöne, runde Zahl kommt. Zehn Millionen Euro Miese seit 2013, ein zweistelliges Millionenminus - das klingt einfach besser, wenn man wie der Landrat derzeit auf Werbetour unterwegs ist, um mit schlechten Klinikbilanzen den vorgeschlagenen Einstieg eines Investors zu forcieren. Der Wolfratshauser CSU, die den Zahlen kritisch nachgegangen ist, vorzuwerfen, sie verliere sich gerne im Detail, ist bei dieser Faktenlage jedenfalls zumindest mutig.

Gut, die Wolfratshauser CSU hat auch nicht ganz korrekt gerechnet. Da sind die Jahre, in denen das Kreispflegeheim ein leichtes Plus erwirtschaftet hat, einfach unter den Tisch gefallen. Um also mal bei den Fakten zu bleiben: Es sind rund 9,5 Millionen Euro, die beim Kreiskrankenhaus seit 2013 als Defizit angefallen sind. Ob der Steuerzahler bereit ist, auch weiterhin ein mögliches Minus auszugleichen - das ist mithin jetzt die Kernfrage. Aber um mal in der Mathematik zu bleiben: Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) hat schließlich erst kürzlich einmal eine Gleichung aufgestellt. Diese besagt, dass die 60 000 Bürger im nördlichen Landkreis künftig jeweils 30 Euro im Jahr zahlen müssen, um die Klinik so zu erhalten, wie sie jetzt ist. Das war allerdings ein sehr negatives Szenario. Denn Heilinglechner hat mit einem Verlust von 1,8 Millionen Euro gerechnet, zuletzt waren es aber nicht einmal ganz 500 000. Und der Landkreis endet auch nicht hinter Königsdorf. Auch der Tölzer wird mitunter im Kreiskrankenhaus behandelt. Der reale Pro-Kopf-Zuschlag pro Landkreisbürger hätte zumindest für 2020 also nicht einmal vier Euro betragen.

© SZ vom 14.06.2021
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