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SZ-Serie Traditionelle Wirtshäuser:Aus Tradition und Leidenschaft

Das Gasthaus "Zum Alten Wirt" in der Gemeinde Mauern gibt es mittlerweile seit 1594 und seit 1872 ist es im Besitz der Familie Pichlmaier. "Einen Betrieb, wie wir ihn führen, den arbeitet man nicht, den lebt man", sagt der Wirt

Von Lisa Philine Weddingen, Mauern

Der Gasthof der Familie Pichlmaier, der mittlerweile in fünfter Generation betrieben wird, hat wie viele weitere Wirtshäuser unter den Folgen der Pandemie zu leiden. Familienfeste, Hochzeiten und Veranstaltungen auf der hauseigenen Kabarettbühne, die den Betrieb einst auszeichneten, gehören momentan der Vergangenheit an. Dennoch ist das Traditionswirtshaus "Zum Alten Wirt" in Mauern, welches seit 150 Jahren von der Familie Pichlmaier bewirtschaftet wird, breit aufgestellt und somit jetzt in der Coronakrise gut gewappnet.

Das Wirtshaus "Zum Alten Wirt" gibt es mittlerweile seit 1594 und seit 1872 ist es im Besitz der Familie Pichlmaier. Ursprünglich trug der Gasthof den Namen "Der Wirt von Mauern". Über die Zeit hinweg änderte sich der Name dann zu "Der Alte Wirt", da der Wirt des Gasthauses der älteste Wirt in der Umgebung war.

Mittlerweile wird der Betrieb von zwei Generationen der Familie Pichlmaier geführt: Dazu gehören Wirt Johann Pichlmaier und seine Frau sowie die Eltern von Johann Pichlmaier. In der Wohnsituation der Familie Pichlmaier spiegelt sich der Sinn für Tradition, denn die Familie wohnt, wie üblich zu früheren Zeiten, zusammen im hauseigenen Betrieb.

Pichlmaier führt das Gasthausin Mauern mittlerweile in der fünften Generation.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise sieht der Inhaber Johann Pichlmaier einigermaßen gelassen: "Wir machen das Beste draus. Wir versuchen alles aufrecht zu halten, das Jahr zu überbrücken. Wir schauen, dass wir alle Angestellten halten können." Über die Jahre hinweg ist der Gasthof in vielen Bereichen gewachsen. Anfangs lag der Fokus der Betreiber bei der Landwirtschaft und im Feldanbau, die Gastwirtschaft war sozusagen der Nebenerwerb. Auch heute noch betreibe er Landwirtschaft, aus Leidenschaft, schildert Johann Pichlmaier.

Die Prioritäten änderten sich im Laufe der Zeit und die Landwirtschaft verlor zunehmend an Bedeutung. Nun, mittlerweile 150 Jahre später, ist der Gasthof um eine Pension, ein Boardinghaus und einen Catering-Service für Firmen und Kindertagesstätten erweitert worden. Darüber hinaus verfügt der Gasthof über großzügige Räume, einen Festsaal und eine Kabarettbühne, auf der schon Künstler wie beispielsweise Wolfgang Krebs, Monika Gruber oder Stephan Zinner aufgetreten sind.

Auf bayerische Wirtshauskultur legt Johann Pichlmaier großen Wert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Trotz der ganzen Erweiterungen steht das Gasthaus seit 40 Jahren im Mittelpunkt der Betreiber. Gepflegt werde zwar primär die bayerische Wirtshauskultur, teilt Johann Pichlmaier mit, dennoch finde man auch ein vielfältiges Angebot auf der Speisekarte: "Ein bisschen gemischt muss man schon sein, man muss ja für die jungen Leute auch was anbieten. Speziell am Sonntag haben wir eine große Bratenkarte."

Ein Anpassung an das jüngere Klientel sei wichtig und dennoch sei die Tradition ein hohes Gut für das Wirtshaus: "Überall gibt es das Schnitzel, aber Schmorbraten ist bei uns Tradition. Man muss immer noch wissen, dass es ein bayerisches Wirtshaus ist", meint Johann Pichlmaier. Mit saisonaler Küche, Salaten und frischen Pilzen versucht Pichlmaier, die Küche attraktiv zu gestalten und aufzuwerten, um vor allem jüngere Altersgruppen anzusprechen.

Junges Klientel wird primär jedoch nicht durch die aufgewerteten Speisen angezogen, sondern - zumindest war das vor Beginn der Corona-Pandemie so - durch den hauseigenen Biergarten und die Faschingsbälle, die das Leben im Wirtshaus prägen. Samstags gibt es dann regelmäßig traditionell-bayerische Livemusik im Biergarten.

Auf die Frage, ob sich der Wirt des Traditionshauses nicht manchmal wünschen würde, weiter weg von seinem Arbeitsplatz zu wohnen, um auch einmal abschalten zu können, antwortet Johannes Pichlmaier über jeden Zweifel erhaben: "Nein. Wenn man so einen Betrieb hat, wie wir ihn führen, den arbeitet man nicht, den lebt man. Weil sonst funktioniert es nicht."

Das alte Schloss

Nach einem gutem Essen im "Alten Wirt" empfiehlt sich ein Besuch beim Mauerner Schloss, ein kleines, im Barockstil erbautes Hofmarkschloss. Es ist heute das Rathaus der Gemeinde Mauern und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mauern. Durch Grabungen des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising wurde festgestellt, dass Mauern bereits vor etwa 7500 Jahren besiedelt wurde und seither fast durchgehend eine rege Besiedlung aufweist. Bei jüngsten Untersuchungen im Schloss wurden Pfostenspuren eines Vorgängerbaus entdeckt, der etwa aus dem Jahr 1000 nach Christus stammt. Bereits für die Jahrzehnte vor 1133 wird in den Traditionen des Moosburger Stifts St. Kastulus ein Geschlecht bezeugt, das sich nach Mauern nannte. sz

Die Leidenschaft für den hauseigenen Betrieb zeigt sich auch in der kontinuierlichen Instandhaltung des Traditionswirtshauses. "Durch die Eltern waren wir immer dran, und haben immer renoviert und ausgebessert, deswegen haben wir jetzt das Glück, dass wir heute keinen Investitionsstau haben, weil wir immer dabei waren und viel in den Betrieb reingesteckt haben", erzählt Johann Pichlmaier. Für ihn sei darüber hinaus das Schönste an seinem Beruf, Familienfeiern und die damit zusammenhängende Freude und das Glück miterleben zu können. "Als Wirt sieht man das ganze Leben im Wirtshaus. Man ist von der Wiege bis zur Bahre dabei, teilt Freude und Trauer und stellt dadurch eine Bindung zu den Menschen her."

Auch die traditionellen Faschingsbälle sind Quelle amüsanter Anekdoten, beispielsweise, wenn es um den doch beeindruckenden Alkoholkonsum der Stammkundschaft von einst geht: "Früher beim Fasching, als der Saal noch im ersten Stock war, da hat mein Opa die Gäste rausgeschmissen - die Treppen runter und dann ab nach Moosburg", berichtet Johann Pichlmaier lachend. Auch Schlägereien seien früher nicht selten gewesen, mittlerweile komme das aber nicht mehr so oft vor.

© SZ vom 21.09.2020

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