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Sturmtief:Heftige Schneefälle im Landkreis

Polizei, Feuerwehren und Räumdienste sind unermüdlich im Einsatz. Unfälle und umgeknickte Bäume behindern den Straßenverkehr und für das Gebirge wird Lawinenwarnstufe 3 ausgerufen.

Marktstraße Winter 2018

In der Tölzer Marktstraße, sonst eine belebte Flaniermeile, wurden die Schneemassen von einem Räumfahrzeug weggeschafft und vor den beiden Brunnen aufgetürmt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Umgeknickte Bäume, Staus wegen Unfällen und außergewöhnlich hohe Lawinengefahr: Der heftige Schneeeinbruch samt stürmischen Böen hat am Mittwoch das Leben im Landkreis geprägt. Polizei und Feuerwehren hatten gut zu tun, und die Räumdienste mussten zeitig ausrücken und waren den ganzen Tag im Einsatz. Am Donnerstag könnte es nach Einschätzung der Integrierten Leitstelle Oberland noch schlimmer kommen. Denn die Wetterprognosen sagten ein heftiges Sturmtief voraus.

Das Risiko, eine Lawine auszulösen, ist derzeit für Wintersportler abseits des gesicherten Skiraums hoch: Mit Böen-Geschwindigkeiten bis zu knapp 100 Stundenkilometern hat der Wind die Wolken seit Dienstagabend ans Brauneck gedrückt. Mit der Schlechtwetterfront aus Westen hat es am Lenggrieser Hausberg wie im gesamten bayerischen Alpenraum kräftig geschneit - im Schnitt rund einen halben Meter. Im Westen ist auch etwas mehr zusammengekommen. Und die Gefahr kann steigen. Weitere Neuschneefälle sind in den nächsten Tagen angesagt.

Auf der fünfstufigen Lawinenwarnskala herrschte am Mittwoch im Landkreis Stufe 3 (erheblich). Im westlichen Bayern galt in Höhenlagen von mehr als 1600 Metern sogar Stufe 4 (groß). Diplom-Meteorologe Thomas Feistl von der Lawinenwarnzentrale in München rät unerfahrenen Tourengehern von Unternehmungen abseits der Skipisten ab. "Heute haben wir das erste Mal in diesem Winter große Lawinengefahr", erklärte der Wissenschaftler am Mittwochmittag. "Große Lawinengefahr gibt es im Winter nur an vier Prozent aller Tage, das ist also sehr selten."

Im Gebirge lauern auf die Wintersportler derzeit viele Gefahren. Generell sind Hänge von mehr als 30 Grad Neigung potenziell lawinengefährdet. Am Mittwoch war kammnahes Steilgelände der Ausrichtung Nordwest über Nord bis Südost ist besonders kritisch. Auch der starke Wind erhöhte die Risiken. Neuschnee war in Rinnen und Mulden eingeweht. Ebenso waren steile Lichtungen und Waldschneisen gefährlich. Bereits ein Skifahrer kann an diesen Stellen eine Lawine auslösen.

"Die Situation wird sehr dynamisch bleiben", sagte Feistl. Mit dem zu erwartenden Temperaturanstieg am Donnerstag und Regen zumindest in tieferen Lagen könne das Risiko für Wintersportler noch steigen. Dadurch komme Feuchtigkeit in den Schnee. "Das bringt die Schneedecke in Bewegung. Das erhöht die Gefahr für Nassschneelawinen." Derzeit könne sich die Lage täglich ändern. Deshalb sollten sich Wintersportler auch täglich über die momentane Lage im Lawinenbericht (www.lawinenwarndienst-bayern.de) informieren. Wer im freien Skigelände unterwegs sei, müsse genau wissen, was er tue. Jeder Hang sei anders einzuschätzen. "Diejenigen, die wenig Erfahrung haben, sollten freies Skigelände meiden", rät Feistl.

Insgesamt war die Lawinengefahr in dieser Wintersaison in den bayerischen Alpen äußerst wechselhaft. Schon der frühe Wintereinbruch sei ungewöhnlich gewesen, berichtet Feistl. Bereits Anfang Dezember habe die Lawinenwarnzentrale Lageberichte veröffentlicht. Danach hätten sich sehr sichere mit Phasen erheblicher Lawinengefahr abgewechselt.

Auch auf den Straßen war die Lage am Mittwoch streckenweise gefährlich. In der Nacht hatte es kräftig zu schneien begonnen, als der Morgen kam, wurde es gleich wieder stockfinster: Ein Wintergewitter brachte strammen Wind und jede Menge Flocken, die Fahrbahnen waren in Sekundenschnelle schneebedeckt. Probleme bereiteten Lastwagen, die an Steigungen wie etwa dem Wolfratshauser Berg hängen blieben. Der Autobahnzubringer war im morgendlichen Berufsverkehr "zeitweise kaum zu befahren", wie Hauptkommissar Ingo Wagner von der Polizei Wolfratshausen berichtete. Zwei Lastwagen blockierten die Bundesstraße 11a bergauf in Richtung Garmischer Autobahn, bergab war ein Lkw beim Abbremsen nach rechts in das Bankett gerutscht. Dieser Truck habe dort "über Stunden gestanden", so Wagner. Der Wolfratshauser Berg sei "eine neuralgische Stelle", wenn es schneie. Der Schnee wird allmählich festgefahren, die Lastwagen kommen auf dem glatten Untergrund nicht mehr vorwärts.

Ähnlich erging es einigen Fahrern, die mit dem Lkw oder dem Auto auf der Staatsstraße von Wolfratshausen nach Egling unterwegs waren. Sie kamen nicht über den Berg vor Egling.

Auf der Garmischer Autobahn zählte die Verkehrspolizei Weilheim "mindestens vier Unfälle", die durch den heftigen Schneefall verursacht wurden. "Es scheppert quasi permanent in unserem Bereich", teilte Polizeiobermeister Manfred Leis mit. So verlor ein Fahrer die Kontrolle über seinen Kleinwagen und blockierte die Autobahn gen Süd kurz vor der Ausfahrt Höhenrain. Die nachfolgenden Fahrzeuge mussten auf die Standspur ausweichen und benötigten ungefähr eine halbe Stunde mehr durch den Stau. Leis sagte, Unfallursache sei zumeist eine bei dem winterlichen Wetter zu hohe Geschwindigkeit.

Zu vier Unfällen kam es auf der Bundesstraße 11 bei Geretsried, der Staatsstraße 2072 bei Tattenkofen und im Stadtzentrum von Geretsried. Einer der Beteiligten wurde leicht verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. An den insgesamt vier Autos und einem Sattelschlepper entstand ein Gesamtschaden von rund 20 000 Euro. Die Staatsstraße 2072 zwischen Tattenkofen und Einöd war wegen eines Unfalls und eines Sattelschleppers, der sich dort festgefahren hatte, für etwa einen Stunde komplett gesperrt.

Im Einsatz waren auch die Feuerwehren. Im Gemeindegebiet Dietramszell seien einige Bäume, die der Wintersturm knickte, bei Linden auf die Straße gefallen und von den Einsatzkräften beseitigt worden, sagte Kreisbrandrat Karl Murböck. Auch auf der Straße von Weilheim nach Penzberg blockierte ein umgekippter Baum den Verkehr, wie der diensthabende Schichtleiter Michael Hirschvogel von der Integrierten Leitstelle Oberland mitteilt. Die Feuerwehren in der Region hätten ein leicht erhöhtes Aufkommen an Einsätzen wegen solcher Hilfeleistungen. Oder weil sie den Verkehr umleiten müssten.