Katholische Kirche: Strukturreform:Gläubige begehren gegen Bischof Zdarsa auf

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Die angekündigte Reform würde im Loisachtal gewachsene Strukturen zerstören, warnen Kritiker. Sie befürchten nicht nur eine Zentralisierung der Pfarreien.

Bernhard Lohr

Katholiken im Dekanat Benediktbeuern sind in Aufruhr. Seit Ende Januar Details der vom Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa geplanten Strukturreform bekannt geworden sind, brodelt es. Aus Sicht von Priestern wie Dekan Josef Kirchensteiner und engagierten Laien geht es dabei um viel mehr als um Antworten auf den zunehmenden Priestermangel.

Zdarsa new Bishop of Augsburg, takes part at introductory church service in Augsburg

Die von Bischof Konrad Zdarsa geplante Strukturreform sorgt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen für Kritik: 400 Gläubige protestierten kürzlich in Penzberg, jetzt schickten besorgte Katholiken einen Protestbrief nach Augsburg.

(Foto: REUTERS)

Sie wehren sich dagegen, dass Pfarreien zentralisiert, Pfarrgemeinderäte nicht mehr gewählt und Laien insgesamt entmündigt werden sollen. 400 Gläubige protestierten kürzlich in Penzberg, jetzt schickten besorgte Katholiken aus dem Loisachtal einen Protestbrief nach Augsburg.

Als Bischof Zdarsa am 31. Januar in Benediktbeuern mit den Salesianern das Hochfest des Ordensgründers Don Bosco feierte, war vielen der Anwesenden alles andere als feierlich zumute. Am Tag davor hatte der Generalvikar des Bistums die Eckpunkte der "Pastoralen Raumplanung 2025" bekannt gemacht und damit viele Gläubige im Bistum vor den Kopf gestoßen. So wurde verfügt, dass mit einigen Ausnahmen "Wort-Gottes-Feiern am Sonntag und an Feiertagen grundsätzlich nicht mehr genehmigt" würden. Die vom Priester gehaltene Eucharistiefeier wurde zum zentralen Element des Kirchenlebens erklärt. Pfarreien würden fusioniert, ebenso die Kirchenverwaltungen, hieß es, und zentrale Eucharistieorte festgelegt.

Viele waren davon überrumpelt. Der Penzberger Pfarrer Josef Kirchensteiner ist seit elf Jahren Dekan von Benediktbeuern. Er sagt, auch er habe erst Anfang Februar erfahren, dass sein Dekanat aufgelöst werden solle. Das ist mittlerweile fix. Wie Bistumssprecher Markus Kremser bestätigte, wird es von 1. Dezember an das Dekanat mit 28 Pfarreien nicht mehr geben. Pfarreien wie Jachenau, Kochel am See und Bad Heilbrunn werden wohl dem Dekanat Weilheim zugeschlagen. Am Dienstagabend trat voraussichtlich zum letzten Mal der Dekanatsrat zusammen. Dessen Vorsitzender, der Kochler Pfarrgemeinderatsvorsitzende Fridolin Söhl, übt sich in Galgenhumor. Man werde vielleicht noch eine Begräbnisfeier ausrichten, sagt er, das werde es dann gewesen sein.

Söhl hat Sorge, dass mit der nach seiner Überzeugung übers Knie gebrochenen Reform auf dem Land über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zerstört werden. Er sieht, dass jetzt schon die Kirchen nicht gerade überfüllt sind, und man um jeden froh ist, der sich in kirchlichen Gremien engagiert. Doch dieses Engagement könnte wegbrechen, die Pfarreien könnten ausbluten. "Die Kirche muss im Dorf bleiben", sagt er.

Cordula Sindlhauser, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Benediktbeuern mit Bichl, ist konsterniert darüber, dass an die Stelle gewählter Pfarrgemeinderäte mit einem Laien an der Spitze - zentralisiert für die Pfarreiengemeinschaft - sogenannte Pastoralräte rücken sollen. Denen würde ein Priester vorstehen, mit dann ernannten Laien-Vertretern.

Sie zitiert aus einem Papier, wonach Laien in den einzelnen Orten nur noch für die "Organisation von Adventsbasaren, Gemeindefesten und für die Pflege örtlicher Traditionen" zuständig sein sollen. In den vergangenen Jahren hätten sie als Laien in den Pfarrgemeinderäten intensiv über pastorale Konzepte diskutiert, und nun würden sie zu Organisatoren von Gemeindefesten reduziert, sagt sie.

Der Glaube, noch etwas ändern zu können, ist schwach. Viel ist von Misstrauen die Rede. Doch vollends haben die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden aus dem Loisachtal die Hoffnung nicht aufgegeben, noch Gehör zu finden. In ihrem Brief an Bischof Zdarsa drücken sie ihre Hoffnung aus, dass noch ein "respektvoller Dialog" zustande kommt. Sollte das nicht sein, sieht Fridolin Söhl "geordneten Ungehorsam" als letzten Ausweg. Dann mache man weiter mit den Wort-Gottes-Feiern, sagt er. Bistumssprecher Kremser kündigt am Dienstag auf Anfrage eine "Broschüre" an, die noch vor Ostern viele Fragen beantworten werde. Daran werde "sehr stramm" gearbeitet.

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