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Stadtentwicklung:Bessere Orientierung in Bad Tölz

Ortsleitbild Tölz

Autofahrer finden Parkplätze, Radler die Radwege. Aber wo, bitte, geht es zum Kalvarienberg? Die Schilder an der Tölzer Isarbrücke verraten das nicht.

(Foto: Manfred Neubauer)

1,9 Millionen Tagestouristen kommen pro Jahr in die Kurstadt. Damit speziell Fußgänger sich auch ohne Handy-Navigationssystem zurechtfinden, soll ein Leitsystem entwickelt und aufgestellt werden

Mit seinen gut 18 000 Einwohnern ist Bad Tölz nicht gerade eine Stadt, in der man Gefahr läuft, sich zu verirren. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass Besucher auf ihrer Tour den falschen Weg einschlagen, weil Hinweisschilder fehlen. Stadtrat Peter Wiedemann (FWG) weiß von Touristen, die zum Kalvarienberg im Norden wollten, aber im Westen in der Nähe des Bahnhofs landeten - mehr als zwei Kilometer von ihrem Ziel entfernt. Ein Leitsystem für Fußgänger, sagt Wiedemann, gehöre eigentlich zu einem Ort wie Bad Tölz. Das findet auch Kurdirektorin Brita Hohenreiter, die seit langem für eine moderne Orientierungshilfe plädiert: "Das wäre eine deutliche Serviceverbesserung."

Im Rathaus wird daran bereits gearbeitet. Er habe Gespräche mit der Städtebauförderung geführt, um an Fördermittel heranzukommen, sagt Bauamtsleiter Christian Fürstberger. "Mit einem solchen System ist man ja gleich Richtung 100 000 Euro." Rund 1,9 Millionen Tagestouristen hat Bad Tölz pro Jahr. Vor allem ihnen möchte Hohenreiter den rechten Weg weisen. "Für die Einheimischen ist das ja klar, und Urlauber, die länger bleiben, können ihre Gastgeber fragen und bekommen von ihnen auch einen Stadtplan", sagt sie. Anders sieht es bei Besuchern aus, die nur ein paar Stunden bleiben. Sie finden in Tölz bislang nur sporadisch ein paar Tafeln, die auf Sehenswürdigkeiten wie das Stadtmuseum, das Planetarium, das Marionettentheater hinweisen. Wer sein Auto am Parkplatz Kolbergarten abstelle, werde zum Beispiel weder zur nahen Marktstraße noch hinauf zum Kalvarienberg gelotst, sagt Hohenreiter. In der Tourist-Information am Max-Höfler-Platz zählen Gäste, die sich nach dem Weg erkundigen, zum Tagesgeschäft. "Solche Anfragen haben wir regelmäßig", erzählt die Kurdirektorin. Auch in der Parfümerie, die Stadtrat Wiedemann am oberen Ende der Fußgängerzone betreibt, kommt dies gelegentlich mal vor. "Aber die Kunden, die sich beschweren, sind die wenigsten, diejenigen, die sich ärgern, sind die mehreren", sagt er.

Als Vorbild für ein Fußgängerleitsystem dient das Modell in Rosenheim, das dort zur Landesgartenschau installiert wurde. Es besteht aus zahlreichen Stelen mit Stadtplan und Richtungspfeilen zu Zielen samt Meterangabe, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Eine solche Säule kann sich Hohenreiter beispielsweise in der Mitte der Marktstraße vorstellen. Mehr noch: Derlei Stelen sollten konzeptionell in ganz Tölz stehen, vor allem an neuralgischen Punkten wie der Isarbrücke - "dort, wo viele Leute vorbeilaufen". Auch Bauamtschef Fürstberger gefällt das Leitsystem in Rosenheim. "Das wurde schön gelöst und würde auch in den historischen Kontext in Tölz passen." Eine Säule mitten in der Fußgängerzone dürfe dort das Stadtbild allerdings nicht dominieren, dennoch müsse sie übersichtlich sein. Eine Stange mit vielen Tafeln am oberen Ende der Marktstraße aufzustellen, lehnt er ab. Ein Schilderwald mit zehn Zielen wie etwa für Radfahrer sei nicht das Richtige.

Das Argument von Stadtrat Franz Mayer-Schwendner (Grüne), dass es Navigationsgeräte gebe und ein Leitsystem nicht vordringlich sei, vermag die Kurdirektorin zwar nachzuvollziehen. Dennoch hält sie ein Leitsystem für geboten. "Er hat Recht, dass heute jeder ein Navi im Smartphone hat", sagt sie und stellt die Gegenfrage: "Wie viele Touristen möchten in Tölz mit einem Navi unterwegs sein?" Das hält sie bei einer Stadtbesichtigung für wenig praktikabel. "Ich persönlich bin noch nie mit einem Navi spazieren gegangen."

Das Fußgängerleitsystem ist Fürstbergerberger zufolge ein Modul des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK), das unter anderem den fertigen Verkehrsentwicklungsplan und das Einzelhandelskonzept umfasst. Ein weiteres Thema ist die städtebauliche Zukunft von Bad Tölz. Derzeit erarbeite man die Vorentwürfe für die Grüngestaltung und die Lichtplanung, teilt der Bauamtsleiter mit. Außerdem sollen nach einer Idee des kommunalen Sozialplaners Armin Ebersberger drei Schulklassen durch die Kurstadt wandern, um festzustellen, was für Kinder und Jugendliche schwer zu finden ist, wo es für sie Angstorte gibt, wo sie sich Treffpunkte wünschen. Was das Fußgängerleitsystem angelangt, will Fürstberger dem Stadtrat im Herbst einen Entwurf vorlegen.

© SZ vom 27.06.2016

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